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Kroatien Auf die kroatische Tour

Tomo Pavlovic aus Bale, vom 20.01.2012 06:45 Uhr
Ein kühner Sprung in die Adria. Foto: Blickwinkel
Ein kühner Sprung in die Adria. Foto: Blickwinkel

DER WESTEN
Der schon wieder. Kein Steinhaus, kein Palast am Mittelmeer, den er nicht irgendwann im 18. Jahrhundert mit seiner Anwesenheit veredelt hätte. Auch in Bale, einem 1200 Einwohner zählenden Ort im Hinterland Istriens, erinnert eine Tafel an Giacomo Casanovas Aufenthalt im Palast Bembo, dessen venezianische Gotikfassade bestens erhalten ist und dem Besucher von der wechselvollen Historie dieses Landstrichs zu erzählen weiß: von der venezianisch-österreichisch-französisch-italienischen Fremdherrschaft bis zu Titos Sozialismus. Seitdem hat sich von außen betrachtet herzlich wenig verändert – ein Wunder, wenn man bedenkt, wie geschichtsvergessen die Tourismusindustrie sein kann. Die von der Zeit geschliffenen Steine glänzen wie eh und je im Licht, von Kitschverkäufern keine Spur, nur eine ältere Frau verkauft vor ihrem Häuschen selbst gepresstes Olivenöl. Ein kleines Hotel gibt es auch, es wurde neu eröffnet in einem behutsam renovierten Gebäudeensemble.

Das klingt jetzt nach sozialromantischem Urlaubsgedöns, ist es aber nicht. Denn die Einheimischen, die es wirklich gibt, verteidigen den denkmalgeschützten Dorfkern Bales inmitten seiner intakten Natur, dem Vogelschutzgebiet Palud, mit demokratischen Mitteln – und mit Hilfe eines einflussreichen Geschäftsmannes, einem Sohn Bales. So konnte ein Zusammenschluss der Bürger den geplanten Bau einer Bettenburg an der Küste verhindern. Die Bürger Bales haben den Verkauf von Bauland gestoppt und gründeten eine Kapitalgesellschaft zur Selbstverwaltung. Was blieb, sind zwei gepflegte Campingplätze und der wohl behütetste Strand Istriens, der umweltbewusste Gäste, Künstler und sogar Investoren lockt. Sollte jemand bauen, dann bitte unter strengsten Auflagen und weitab vom Meer, so die Devise. Geplant ist die Errichtung eines touristischen Dorfes im Landhausstil rund um Bale. Keine Bettenbunker. Keine Bausünden. Kein billiger Massentourismus. Geht doch.

Was in Bale passiert, ist inzwischen ein Markenzeichen der nördlichen Halbinsel, die bekannt ist für ihre brummenden Küstenstädte Rovinj, Porec und Pula. Wer Ruhe sucht, gutes Essen von lokalen Erzeugern liebt und mal mit einem geliehenen Mountainbike die Hügel erkunden will, findet im Hinterland in den Stancijas, wie man hier die Landgasthöfe nennt, sein Ferienglück. Überall locken seit einigen Jahren Verkostungen in Weinkellern, wird Selbstgezogenes und -gezüchtetes serviert. Ob Trüffelgerichte, Olivenpasten oder frisches Maisbrot – es muss nicht immer Cevapcici sein.

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