Kritik an Susanne Eisenmann SPD verlangt Ausgleich für Grundschulenglisch

Von Renate Allgöwer 

Grundschüler sollen erst in der dritten Klasse mit Englisch oder Französisch anfangen. Foto: dpa
Grundschüler sollen erst in der dritten Klasse mit Englisch oder Französisch anfangen. Foto: dpa

Fremdsprachenunterricht, der in der Grundschule gekürzt wird, sollte an den weiterführenden Schulen ausgedehnt werden, verlangt die SPD. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verspricht jedoch, dass Grundschulen von den Kürzungen später profitieren könnten.

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sollte den Fremdsprachenunterricht an weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg ausbauen und so die wegfallenden Stunden in der Grundschule ersetzen. Das fordert die SPD im Landtag. Eisenmann will den Englisch- und Französischunterricht in den ersten beiden Grundschulklassen streichen. Vom Schuljahr 2018/19 an soll der Fremdsprachenunterricht in Baden-Württemberg nicht mehr in der ersten Klasse beginnen.

Das koste die Kinder über ihre gesamte Schullaufbahn hinweg in Zukunft vier Wochenstunden an Fremdsprachenunterricht, kritisiert die SPD. Ihr Bildungsexperte Daniel Born verweist darauf, dass mit der Einführung der Grundschulfremdsprache im Bildungsplan 2004 acht Wochenstunden aus dem Kontingent der Gymnasien in die Grundschule verlagert worden seien. An den Realschulen entfielen nach Auskunft des Kultusministeriums zwei Wochenstunden für den Fremdsprachenunterricht.

Mehr Fremdsprachenstunden an weiterführenden Schulen verlangt

„Wenn die Kultusministerin in Klasse eins und zwei Stunden streicht, muss sie gleichzeitig den Fremdsprachenunterricht in den weiterführenden Schulen wieder stärken und ausbauen“, verlangt Born. Sonst sei das Argument von Susanne Eisenmann, die Bedeutung der Fremdsprachen in der Schule werde nicht geschwächt, hinfällig. Die Ministerin tue aber nichts dergleichen, sie streiche einfach die Stunden in der Grundschule. „Es bleibt ihr Geheimnis, wie durch die Kürzung des Fremdsprachenunterrichts zugleich mehr Qualität entstehen soll“, stichelt Born in Richtung Eisenmann.

Vorteil schwindet bis zur siebten Klasse

In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD verweist Eisenmann auf eine Studie der Universitäten Bochum und Dortmund aus dem Jahr 2017, nach der Kinder mit einem frühen Fremdsprachenbeginn am Anfang der fünften Klasse zwar besser seien, als Kinder, die erst in der dritten Klasse mit Englisch oder Französisch anfingen. Aber in der siebten Klasse sei der Vorteil dahin. Dann seien vielmehr die Kinder besser, die erst in der dritten Klasse eine Fremdsprache aufgenommen hätten.

Eisenmann will in Zukunft Fremdsprachen an der Grundschule verstärkt von Fachlehrern unterrichten lassen. Davon verspricht sie sich eine bessere Qualität. „Mit Blick auf den Fremdsprachenunterricht über die gesamte Schullaufbahn hinweg, besteht kein Anlass zur Besorgnis“, erklärt die Ministerin in der Antwort auf die Anfrage.

Förderstunden für jede Grundschule

Durch den Wegfall der Fremdsprache in den ersten beiden Klassen will Eisenmann Ressourcen für die Förderung der Kinder in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen gewinnen. „Das frei werdende Stundenvolumen verbleibt vollumfänglich bei den Grundschulen“, betont sie. Jeder Grundschule sollen zusätzliche Förderstunden zur Verfügung gestellt werden, versichert die Ministerin. Unter anderem hatte die Bildungsgewerkschaft GEW befürchtet, dass die gewonnenen Stunden ungleich unter den Schulen verteilt werden könnten.

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