Seite 3Kristina Schröder "Frauen sind nicht die besseren Menschen"

Von Von Norbert Wallet und Markus Grabitz 

Beim Thema "häusliche Gewalt" sagen manche Forscher, dass Gewalt gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt sei. Stehen Frauen als Opfer zu sehr im Fokus?

 

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Und es gibt auch in nennenswerter Zahl Fälle körperlicher Gewalt von Frauen gegen Männer. Wo die physische Kraft fehlt, werden zuweilen Gegenstände zu Hilfe genommen. Gewalt von Frauen gegen Männer kommt also vor. Dass aber die Hälfte der Fälle auf das Konto von Frauen gehen soll - das glaube ich nicht. Der Mann ist nun einmal stärker und löst daher öfter Konflikte mit Gewalt als Frauen. Männliche Gewalt ist zudem in Familien mit Migrationshintergrund kein kleines Problem.

Wenn es, wie Sie einräumen, Gewalt gegen Männer gibt, sollte sich das Ministerium dann nicht starkmachen für "familienorientierte Beratungszentren" gegen häusliche Gewalt?

Ich finde, dass staatliche Hilfsangebote gegen familiäre Gewalt Anlaufstelle für beide sein müssen, Männer und Frauen. Vielfach sind die Gesetze schon ausgewogen formuliert: Das Gewaltschutzgesetz sorgt dafür, dass der aggressive Partner der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden kann - das ist nicht geschlechtsspezifisch formuliert.

Ein anderes Problem von Männern ist die dramatische Zunahme von geschiedenen Vätern, denen die Mutter den Zugang zum Kind verweigert. Die Politik hat aber vor allem "die Alleinerziehende" im Blick ...

Fehlverhalten im Zusammenhang mit Kindern im Fall von Trennungen und Scheidungen gibt es auf beiden Seiten, bei Männern und Frauen. Besonders schwierig ist die Lage, wenn die Eltern nicht verheiratet waren. Da wollen wir helfen. Die Justizministerin wird bald eine Neuregelung vornehmen. Nach meiner Überzeugung muss gelten: Streiten sich zwei Ledige um das Sorgerecht, dann darf es künftig keinen Automatismus mehr geben. Vor Gericht muss dann das Kindeswohl in den Mittelpunkt gestellt und genau berücksichtigt werden, ob ein unehelicher Vater sich womöglich jahrelang um die Erziehung gekümmert hat.

 

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