Kriminalstatistik 2015 Deutlich mehr Diebstähle in Baden-Württemberg

Von Rainer Wehaus 

Laut Landesinnenminister Reinhold Gall ist Baden-Württemberg das sicherste Bundesland. Foto: dpa
Laut Landesinnenminister Reinhold Gall ist Baden-Württemberg das sicherste Bundesland.Foto: dpa

In Baden-Württemberg hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Straftaten erhöht. Besorgt äußerte sich Innenminister Reinhold Gall über den Anstieg bei Taschendiebstählen und beim Ladendiebstahl.

Stuttgart - Die Zahl der Straftaten hat sich im vergangenen Jahr im Südwesten leicht erhöht. Laut Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) ist Baden-Württemberg trotzdem das sicherste Bundesland.

Ziehe man die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz und gegen Asylgesetze ab, sei die Zahl der Straftaten 2015 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen, teilte Gall am Donnerstag mit. Die Kriminalitätsbelastung von 5761 Straftaten pro 100 000 Einwohner sei aber bundesweit der beste Wert – nach den bislang vorliegenden Daten. Die Ergebnisse für Rheinland-Pfalz, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern stehen noch aus.

Besorgt äußerte sich Gall über den Anstieg bei Taschendiebstählen (plus 11,3 Prozent) sowie beim Ladendiebstahl (plus 7,9 Prozent). Diese Entwicklung sei vorwiegend der Armutskriminalität zuzuschreiben, „diese Delikte prägen aber auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“.

Manche Flüchtlinge stehlen, aber nur wenige verüben Sex-Straftaten

Knapp 19 Prozent der insgesamt 44 261 Ladendiebstähle im vergangenen Jahr wurden laut der Statistik von Asylbewerbern begangen. Insgesamt verübten Flüchtlinge 2015 im Land knapp 31 000 Straftaten. In rund 40 Prozent der Fälle habe es sich um Diebstahl gehandelt, in 27 Prozent der Fälle um Vermögens- und Fälschungsdelikte, so Gall. Der Anteil der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung habe hingegen nur bei 0,8 Prozent gelegen. „Wer hier davon spricht, dass Flüchtlinge häufig Sexualstraftaten begehen, der verstärkt bewusst Ressentiments und erschwert die Integration der Schutzsuchenden“, sagte Gall.

Gemessen an der Zahl der Erstantragssteller im Jahr 2015 seien insbesondere Flüchtlinge aus den Maghreb-Staaten (Tunesien, Algerien, Marokko) sowie aus Georgien, Gambia, dem Kosovo und Serbien strafrechtlich auffällig geworden, so Gall weiter. Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und aus Eritrea fielen hingegen deutlich weniger mit solchen Delikten auf. „Diese Menschen suchen in Deutschland Schutz“, stellte Gall klar.

„Sorge bereiten mir Erkenntnisse, die auf eine Zunahme von Straftaten durch bandenmäßig organisierte Gruppierungen aus dem Ausland, beispielsweise aus Georgien oder dem nordafrikanischen Raum, hindeuten“, sagte Landespolizeipräsident Gerhard Klotter. Diese Banden begehen seinen Worten zufolge vor allem Wohnungseinbrüche, deren Zahl sich 2015 allerdings um rund zehn Prozent verringerte. Die Polizei werde den Banden weiterhin „mit aller Konsequenz entgegentreten“, versprach Klotter.

Wachsende Gewalt gegen Polizisten

Zugenommen hat abermals die Gewalt gegen Polizisten, und zwar um 4,6 Prozent. Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen gegenüber Beamten stieg laut der Statistik sogar um rund elf Prozent auf knapp 300 Fälle an. Über 60 Prozent der Täter waren betrunken.

Als „besonders erfreulich“ bewertete Innenminister Gall den weiteren Rückgang der jungen Gewalttäter unter 21 Jahren um 3,1 Prozent auf 5107 Tatverdächtige. Es gab vor allem deutlich weniger Täter unter 18 Jahren. Auch der Anteil alkoholisierter Tatverdächtiger habe abgenommen, Alkohol spiele aber immer noch eine signifikante Rolle: Bei jedem vierten tatverdächtigen Jungtäter ist der Alkoholkonsum zumindest mit ursächlich für die Gewalttat“, betonte Landeskriminaldirektor Martin Schatz.

Stolz ist Gall auf den Anstieg der Aufklärungsquote. Sie habe 2015 mit 60 Prozent einen Höchststand der vergangenen zehn Jahre erreicht.

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