Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Kriegsende Muckefuck statt Kaffee

StN, vom 13.10.2011 11:06 Uhr
In Kriegszeiten oft knapp. Richtiger Kaffee mit Zucker Foto: dpa
In Kriegszeiten oft knapp. Richtiger Kaffee mit Zucker Foto: dpa
Siehe auch

Leserin Marlies Fessler aus Mühlacker erinnert sich lebhaft an "Tante Kathrene, Jahrgang 1857: In der schlechten Zeit gegen Ende des Krieges 1945 gab es gar nichts, keinen Kaffee, keinen Zucker, Milch war rationiert für Babys und Kleinkinder, es gab bloß Muckefuck aus Gerste, den man teilweise selbst in der Pfanne rösten musste.

Da saß also Tante Kathrene frustriert am Frühstückstisch, trank schwarzen Muckefuck und tunkte ein Stück Brot hinein, obwohl sie doch lieber Hefezopf gehabt hätte. Sie seufzte: ,Dr Kaffee schwarz ond au no bitter . . . do mecht mr gaar nemme läbe.' Sie ist dann trotzdem 94 Jahre alt geworden.

Um unserer Notlage etwas abzuhelfen, arbeitete meine Mutter schwarz auf einem Bauernhof in Schmie. Wir liefen morgens die sechs Kilometer zu Fuß dorthin hin und abends wieder zurück. Meine Mutter besorgte den Haushalt der Bauersfamilie. So hatten wir zu essen und bekamen auch noch etwas Mehl und Zucker als Lohn.

Besagte Tante Kathrene wollte damals unbedingt wissen, wohin wir denn gingen. Wir mussten jedoch Stillschweigen bewahren, weil es sich bei der Tätigkeit meiner Mutter ja um Schwarzarbeit handelte. Eines Tages kam meine Mutter mit einem Säckchen nach Hause, auf dem der Inhalt geschrieben stand: ZUCKER. Tante Kathrene hielt die Aufschrift für den Namen des Besitzers. Am anderen Morgen sagte sie zu meiner Mutter: ,So, so, gangeter widder ens Zuckers?' Wir ließen sie in dem Glauben."

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Ursula Coderch aus Stuttgart. Sie schreibt: "Meine Großeltern stammten von der Alb. Der Opa (Jahrgang 1881) pflegte zu sagen: ,Des send die gsöndeschte Leit, die beim Schaffa frieret ond beim Essa schwitzet!"'

Und weil's so schön ist, auch noch ein Spruch von der Oma (Jahrgang 1883): "Mr derf älles probiera, bloß net älles treiba!"

Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 104452, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 0711/7205-7309; E-Mail: land@stn.zgs.de

Kommentare (1)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
OKT
13
13:25 Uhr, geschrieben von Peter
ein echter Knaller
Diese Serie ist ein echter, ein genialer Knaller. Viele der hier angesprochenen Begriffe, die zumeist aus unserer Alltagssprache verschwunden sind, wecken Kindheitserinnerungen, veranlassen uns zum Schmunzeln und nicht selten zu ausgelassenem Gelächter. Bitte unbedingt weitermachen!!!!!!!!
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
1
Kommentar bewerten
Lehrstunde für die junge Lehrerin
Von Leser Wolfgang Schall aus Waldenbuch stammen diese Zeilen über eine junge Lehrerin.
D’Hond leant dr laufa!
Hermann Schiek aus Urbach schreibt uns: „Der Vater meines Freundes sagte vor 50 Jahren diese Verse auf“.
Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
08:25   Wahl in Ägypten hat begonnen: Wer wird Mubaraks Nachfolger?
08:10   Euro rutscht vor EU-Gipfel unter die Marke von 1,27 Dollar
07:37   "Bild": Hertha will Urteil am Freitag akzeptieren
07:06   Commerzbank-Management muss mit Aktionärsschelte rechnen
07:01   Erste freie Präsidentenwahl in Ägypten
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen

Der Vertrag von Arthur Boka beim VfB läuft aus und Bobic/Labbadia überlegen nun doch, den Linksverteidiger zu behalten. Soll Boka weiter für den VfB spielen?

 
Ja sicher, Boka hat sich einen neuen Vertrag beim VfB verdient
Nein. Boka hatte so viele Chancen, ist aber einfach nicht gut genug
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise