Krieg gegen Zucker Jamie Oliver kämpft gegen Cola, Fanta und Co.

Von Katrin Pribyl 

Star-Koch Jamie Oliver setzt sich für eine gesündere Ernährung ein Foto: dpa
Star-Koch Jamie Oliver setzt sich für eine gesündere Ernährung einFoto: dpa

Zahlreiche Briten fordern eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke. An forderster Front kämpft der Fernsehkoch Jamie Oliver für eine Zusatzabgabe. Werden Limonaden-Fans im Vereinigten Königreich bald finanziell bestraft?

London - Den britischen Fernsehkoch Jamie Oliver treibt es seit einigen Jahren immer wieder aus der Küche, um in einen „bedingungslosen Krieg“ zu ziehen, wie er es nennt. Sein Gegner ist so süß wie gefährlich: Zucker. Um seine Landsleute über den Feind aufzuklären, besuchte er beispielsweise ein Krankenhaus, um einen Diabetiker zu treffen, dessen Fuß amputiert werden musste, und beobachtete einen sechsjährigen Jungen, dem auf schmerzhafte Weise ein verfaulter Zahn gezogen wurde. Es sind Szenen aus der TV-Dokumentation „Sugar Rush“ (Zuckerrausch), die für einen Aufschrei im Land sorgten.

Immerhin: Der 40-Jährige versucht mit allen Mitteln, die Briten aufzuklären und die Politik von einer Strafsteuer auf stark zuckerhaltige Getränke zu überzeugen. Der Grund? Kleinkinder im Vereinigten Königreich leiden neben jenen in Irland europaweit am stärksten an Übergewicht und Fettleibigkeit. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation zufolge bringen mehr als 23 Prozent des britischen Nachwuchses unter fünf Jahren deutlich mehr auf die Waage, als sie sollten – oder gelten bereits als adipös.

Zuckersteuer auf Cola, Fanta und Co.

Behörden schlagen Alarm. Der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) klagt über Milliardenkosten, die übergewichtige Patienten im Erwachsenenalter verursachen. Und die Medien auf der Insel schreiben bereits von einer „Krise der Fettleibigkeit“. Stark gesüßte Getränke seien laut Jamie Oliver die größte Zuckerquelle für 11- bis 18-Jährige.

Deshalb wünscht er sich, dass Cola, Fanta und Co. landesweit teurer werden, und will gleichzeitig als Vorbild dienen. Auch privat predigt der vierfache Vater Wasser statt Softdrinks. Und in seinen Restaurants hat Oliver die Preise für Softdrinks um zehn Pence (13 Cent) verteuert. Dadurch sei der Konsum tatsächlich zurückgegangen, betont der Koch. Die zusätzlichen Einnahmen spendet er. Außerdem hat er eine Petition aufgesetzt, um die Politik von der Zuckersteuer zu überzeugen, und vor den Abgeordneten im Parlament gesprochen.

Mehr als 150 000 Menschen haben die Bittschrift unterzeichnet, in der Oliver eine Zusatzabgabe von sieben Pence (neun Cent) für stark zuckerhaltige Getränke vorschlägt. Bislang lehnt Premierminister David Cameron wie viele seiner konservativen Kollegen eine solche Steuer ab, doch der öffentliche und der politische Druck könnten zu groß werden. So hatte der parteienübergreifende Gesundheitsausschuss des Parlaments bereits im Herbst dafür plädiert, eine 20-prozentige Abgabe auf zuckerhaltige Getränke einzuführen. Ein weiterer Vorschlag des Gremiums: TV-Werbung für Limos sollten erst ab 21 Uhr erlaubt sein.  

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