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Krematorien in Ludwigsburg Krematorien kämpfen um Kunden

Tim Höhn, vom 31.01.2012 11:50 Uhr
Spätestens drei Tage nach Anlieferung wird der Sarg in den Ofen gefahren Foto: FACTUM-WEISE
Spätestens drei Tage nach Anlieferung wird der Sarg in den Ofen gefahren Foto: FACTUM-WEISE

Ludwigsburg - Peter Maier ist zufrieden. Wie viele Leichen im vergangenen Jahr in den beiden Öfen eingeäschert wurden? Die genaue Zahl weiß er nicht. „Circa 6000“, sagt Maier. Auf jeden Fall werden es jährlich mehr. 2003 hat der Unternehmer das Krematorium in ein Gewerbegebiet in Rutesheim (Kreis Böblingen) gebaut, er führt den Betrieb gemeinsam mit Sohn, Schwiegersohn und weiteren acht Mitarbeitern. „Wir sind sehr gut ausgelastet und erzielen Gewinne“, sagt Maier. Aus einem Radius von etwa 50 Kilometern bringen Bestatter Leichen zu ihm, einen Tag später ist die Asche in der Urne. Die schnelle Einäscherung – mit diesem Argument war Maier angetreten.

Private und kommunale Krematorien konkurrieren

Als die Privatunternehmen auf den Markt drängten, entbrannte deutschlandweit der Konkurrenzkampf. „Früher hatten kommunale Krematorien ein Monopol und konnten Angehörige mit langen Wartezeiten piesacken“, sagt Christian Streidt, Innungsmeister des baden-württembergischen Bestatterverbands. „Das hat sich geändert.“ Nicht alle Städte in der Region verkrafteten die Veränderung. Esslingen hat sein Krematorium geschlossen.

In Leinfelden-Echterdingen wurde lange über eine Schließung nachgedacht, weil die Anlage Verluste produzierte und eine teure Sanierung ansteht – eine Entscheidung steht noch aus. Doch es gibt auch positive Beispiele. In Ludwigsburg steht eines davon. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere Zahlen stabilisieren können“, sagt Rainer Weber von der dortigen Stadtverwaltung. Und diese Zahlen sind gut.

Service und Schnelligkeit sind ausschlaggebend

1044 Einäscherungen verzeichnete die Stadt im vergangenen Jahr – Rekord. „Natürlich haben wie einige wenige Bestatter an Rutesheim verloren, aber wir können uns behaupten“, sagt Karl Blumer, der Leiter der Friedhofsverwaltung. Das Krematorium arbeite kostendeckend. Entscheidend seien der Service und eben die Schnelligkeit. Nach spätestens drei Tagen, versichert Blumer, sei eine Leiche eingeäschert. „Der Ofen ist topmodern.“ 1992 wurde die Anlage erbaut und seither mehrfach erneuert.

500 Euro kostet die Einäscherung in Ludwigsburg, in Rutesheim ist es kaum weniger, in Stuttgart etwas mehr. Das Krematorium der Landeshauptstadt hatte jahrelang mit technischen Problemen zu kämpfen, aber nach mehreren Umbauten ist offenbar die Wende gelungen. Die Anlage macht kaum Verlust. Rund 2450 Menschen werden jährlich in Stuttgart eingeäschert – weniger als früher, aber seit einiger Zeit geht es nicht mehr weiter bergab.

Urnenbeisetzung innerhalb von zwei Tagen

„Grundsätzlich belebt Konkurrenz das Geschäft“, sagt Stefan Braun vom Friedhofsamt. Aber dass private Unternehmen schneller seien als kommunale, sei ein Vorurteil. Auch Stuttgart verspricht: Innerhalb von zwei Tagen kann die Urne beigesetzt werden. Laut der Bestatterinnung wählen in größeren Städten inzwischen 60 bis 70 Prozent der Menschen die Feuerbestattung, auf dem Land sind es 30 bis 40 Prozent. Tendenz: stark steigend. „Das ist ein großer Markt“, sagt ein Bestatter. „Die Krematorien kämpfen um jede Leiche.“

Inzwischen ist es gängige Praxis, dass Bestattern pro Anlieferung eine so genannte Aufwandsentschädigung bezahlt wird, meist Beträge zwischen 40 und 80 Euro. Kritiker sprechen von einem „Leichenbonus“, und auch der Innungsmeister Christian Streidt hält die Vergütung für „untransparent und unredlich“ – wohl wissend, dass seine Kollegen das Geld gern nehmen. Private haben die Pauschale einst eingeführt, die Kommunen zogen nach, Ludwigsburg ebenso wie Stuttgart. Eine Wahl haben die Städte wohl nicht. Man wolle den Bestattern „einen Anreiz zur Einäscherung im städtischen Krematorium bieten“, erklärt die Ludwigsburger Verwaltung. „Wenn alle das machen, müssen wir mitziehen“, sagt dazu Blumer.

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