Krankenhauslandschaft im Kreis Ludwigsburg Der Kliniken-Umbau ist kein Kahlschlag

Von Markus Klohr 

Die beiden Krankenhäuser in Marbach (Foto) und Vaihingen wurden oder werden drastisch verkleinert. Das soll das Kliniken-Defizit dämpfen. Foto: factum/Granville
Die beiden Krankenhäuser in Marbach (Foto) und Vaihingen wurden oder werden drastisch verkleinert. Das soll das Kliniken-Defizit dämpfen.Foto: factum/Granville

Vaihingen wird zur Tagesklinik, Marbach wohl ein Belegkrankenhaus – noch nie war in der Krankenhauslandschaft im Kreis so viel Bewegung wie zurzeit. Lässt man die Emotionen beiseite, zeigt sich: die Neuordnung geschieht mit Augenmaß.

Kreis Ludwigsburg - Es gehört keine besondere prophetische Begabung dazu, um vorherzusagen: am 6. April dürfte es in Marbach emotional werden. An besagtem Mittwochabend will die Kreis-Klinikengesellschaft die Bürger über ihren neuesten Baustein der Krankenhaus-Planung informieren. Aus dem Standort Marbach soll ein Belegkrankenhaus für den Landkreis werden. Keine Notaufnahme mehr, keine Innere Abteilung. Man muss sich das nicht schönreden: Im Grunde ist dieser Umbau kaum anders als jener, der kürzlich am Standort Vaihingen vollzogen wurde. Für die Menschen ist das mit einer Schließung des Krankenhauses gleichzusetzen.

Sowohl der Landrat Rainer Haas als auch der Kliniken-Chef Jörg Martin haben sich in Vaihingen mit dem Umbau des 60-Betten-Hauses zu einer Tagesklinik für ältere Patienten mit nur noch zwölf Betten wenig Freunde gemacht. Aber: warum tun sich die beiden das überhaupt an? Sind sie scharf darauf, als Prügelknaben in die Annalen der Landkreisgeschichte einzugehen? Man könnte es fast meinen. Denn Fakt ist: beiden könnte der wirtschaftliche Zustand der Kreiskliniken herzlich egal sein. Sie könnten sich einreihen in die lange Reihe der politisch Verantwortlichen, die ein horrendes, drastisch steigendes Defizit hinnehmen, als wäre es von Gott gegeben – oder zumindest von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung gemacht.

Monströse Defizite bei den Nachbarn

Blicken wir nur mal über die Kreisgrenzen: Die Rems-Murr-Kliniken zählen laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger mit einem Defizit von 28 Millionen Euro landesweit zu den Negativ-Spitzenreitern, gefolgt von den Stuttgarter Kliniken mit satten 25 Millionen Euro Minus. Da steht der Ludwigsburger Verbund mit 3,6 Millionen Euro Miesen praktisch da wie ein Musterknabe.

Und überhaupt: weder der Landrat noch der Klinikchef bekommen einen einzigen Euro zusätzlich, wenn sie die Krankenhäuser fit für die Zukunft machen. Für Erhaltung und Betrieb der Häuser zahlt der Steuerzahler. Warum machen sich die Entscheider also unbeliebt und riskieren, es sich mit dem halben Landkreis zu verscherzen? Das Mantra, das der Landrat bei allen öffentlichen Sitzungen anstimmt, mag banal klingen: „Wir wollen die Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft behalten“, sagt Haas gebetsmühlenhaft. Die Chronologie der Ereignisse macht sein Bekenntnis aber durchaus glaubwürdig.

Fünf Jahre Stillstand

Nach dem Ruhestand des ehemaligen Klinikchefs Edwin Beckert, der die Krankenhausholding zur größten in Baden-Württemberg gemacht hat, geschah nämlich gut fünf Jahre lang praktisch nichts in der Krankenhauslandschaft. Man kann dem Landrat vielleicht vorwerfen, dass er sich von Beckerts Nachfolger Peter Steiner, ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Klinikfinanzen, mehr aktive Impulse versprochen hätte. Es ist aber nicht zuletzt das Verdienst des Chefs der Kreisverwaltung, dass er mit Jörg Martin einen Mann an die Spitze der Regionalen Klinikenholding geholt hat, dem bereits aus seiner früheren Wirkungsstätte Göppingen der Ruf vorauseilte, dass er auch mal da hinlangt, wo es wehtun könnte.

„Es gibt keine Standortgarantie“, verkündete Martin schon vor Amtsantritt. Heute, gut drei Jahre später, wissen die Leute, was damit gemeint war. Ein „weiter so“ mit den beiden kleinen Häusern, die zusammen für den größten Teil des Krankenhaus-Defizits verantwortlich sind, gibt es mit ihm nicht. Was bleibt nach dem Umbau in Vaihingen und Marbach? Noch immer ist die ambulante und stationäre medizinische Versorgung im Kreis dann vergleichsweise gut. Und: das Defizit der beiden Standorte dürfte nur noch im sechsstelligen Bereich liegen. Es bleiben: ein sehr großes Haus mit modernster Medizin (Ludwigsburg), ein mittelgroßes Haus mit einem Zentrum für Altersmedizin (Bietigheim) und eine orthopädische Spezialklinik mit gutem Ruf (Markgröningen).

Alles richtig gemacht?

Nimmt man die neue Studie von Roland Berger als Basis, dann hat Klinikchef Martin mit seinem Umbau alles richtig gemacht. Die Autoren empfehlen den Krankenhausträgern die Optimierung der (kleinen) Standorte und die bessere Anpassung an den demografischen Wandel. Auch wenn die faktische Schließung der kleinen Häuser nicht gut ankommt, muss konstatiert werden: selbst ohne kleines Krankenhaus vor der Tür muss niemand eine drastisch schlechtere Behandlung fürchten.

Profitmaximierung lässt sich dem Klinikchef derweil nicht vorwerfen. In der Branche wird eine Rendite von vier bis acht Prozent empfohlen. Ludwigsburg wird, wenn der Umbau vollzogen ist, im besten Fall bei fünf Prozent liegen – eher darunter. Doch auf die Suche nach einem (privaten?) Investor wird man sich, anders als etwa das Klinikum Esslingen, tatsächlich nicht machen müssen.

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