Stuttgart - Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Deshalb benötigen sie besonders viel Aufmerksamkeit, wenn sie ins Krankenhaus müssen. Immer mehr Eltern übernachten mit ihnen im Zimmer. Doch Mediziner sagen: Die Großen sind oft viel aufgeregter als die Kleinen und tragen wenig zur Heilung bei.
Als junger Klinikarzt hat Michael Mühlschlegen die Sorgen der Kinder gesehen. Ihr Eltern durften gerade mal eine Stunde zu Besuch kommen, länger erlaubte es das Krankenhaus nicht. Und wenn sie den Kleinen nahe sein wollten, dann nur getrennt von einer Glasscheibe. Das war in den achtziger Jahren. Viel hat sich getan seitdem. Mühlschlegel arbeitet heute als Kinder- und Jugendarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Lauffen am Neckar. Und die restriktiven Besuchszeiten in Krankenhäusern gibt es auch nicht mehr.
Stattdessen dürfen Eltern ihre Kinder so eng wie möglich begleiten in deren schwerer Zeit im Krankenhaus. In den vergangenen fünf Jahren hat sich in Baden-Württemberg die Zahl der Eltern, die bei ihren Kindern in der Klinik übernachten, mehr als verdoppelt, teilt die Techniker-Krankenkasse (TK) in Freiburg mit. Damit werde mittlerweile jedes dritte Kind unter neun Jahren im Krankenhaus von einem vertrauten Menschen betreut. Die TK registrierte im vergangenen Jahr mehr als 5000 Fälle, bei denen Eltern mit in der Klinik übernachten. Der gemeinsame Aufenthalt dauert durchschnittlich vier Tage. Im gesamten Südwesten stehen rund 2350 Klinikbetten speziell für Kinder zur Verfügung, wie das Sozialministerium mitteilt.
Doch warum müssen Kinder ins Krankenhaus eingeliefert werden? Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge haben sich die Krankheitsbilder von Kindern in den vergangenen Jahr stark verändert. Sie leiden kaum noch an Infektionskrankheiten. Stattdessen werden sie häufig von Magen-Darm-Infekten heimgesucht, sagt Kinderarzt Mühlschlegel. "Wenn sie nicht mehr aufhören, sich zu übergeben, muss man sie einliefern", sagt er.