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Krankenhäuser: viele Pläne, aber weniger Geld

"Strohgäu Extra", vom 08.12.2011 02:46 Uhr
Ludwigsburg Die Kreiskliniken können Kostensteigerungen nicht mehr ausgleichen - investieren werden sie aber trotzdem. Neben den Großprojekten verschlingen ständig neue medizinische Geräte und Computerprogramme große Summen. Von Karen Schnebeck

Wenn der kaufmännische Geschäftsführer der Ludwigsburger Kreiskliniken Peter Steiner über die Geldsorgen seiner fünf Häuser spricht, kann er sich den einen oder anderen Seitenhieb auf die Politik nicht verkneifen: Die Krankenhauskosten pro Einwohner lägen in Baden-Württemberg bei 754 Euro, bundesweit bei 821 Euro. Auch die Bettenzahl und die Fallzahlen seien im Land deutlich niedriger als im Bundesschnitt. Dennoch liege die Förderung der Krankenhäuser durch das Land im Vergleich zum Jahr 1991 nur um drei Prozent höher - bei stetig steigenden Ausgaben. Von den Folgen sind auch die fünf Krankenhäuser im Kreis Ludwigsburg betroffen. Ihre Sparmöglichkeiten seien ausgereizt.

"Die Pflegekräfte laufen sich die Hacken ab", berichtet die medizinische Geschäftsführerin Andrea Grebe. Insbesondere an den kleinen Häusern in Marbach und Vaihingen sei es unmöglich, aus den roten Zahlen zu kommen. Denn gerade die Regelleistungen, die dort angeboten werden, einfache Blinddarmoperationen etwa, werden schlechter honoriert als komplizierte Eingriffe, die nur an den Zentren der großen Kliniken möglich sind. Bisher konnten die Standorte in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen dies mit ihren speziellen medizinischen Schwerpunkten wie dem Gefäßzentrum oder dem Prostatakarzinomzentrum noch ausgleichen. Doch inzwischen sinken die Einnahmen auch in den großen Häusern wegen der steigenden Personalkosten und den teuren Investitionen.

Die Klinikleitung möchte deshalb mehr Patienten aus anderen Landkreisen nach Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen locken, die Geld in die Kassen bringen. Doch selbst wenn das gelingt, können die Mehreinnahmen das Defizit nicht ausgleichen. Denn die Kliniken seien schon jetzt "sehr gut ausgelastet", sagt Grebe.

Für das Jahr 2012 rechnet Peter Steiner mit einem Minus von rund 5,3 Millionen Euro. Trotzdem wollen die Kliniken bei den geplanten Investitionen von 24 Millionen Euro keine Abstriche machen. Man wolle einem Investitionsstau vorbeugen, begründet das Steiner. Zu den größten Projekten gehören der Umbau und die Erweiterung der internistischen Intensivstation von zehn auf 19 Betten in Ludwigsburg. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Die Intensivstation zieht vom zehnten in den dritten Stock der Klinik. Damit sind künftig alle Intensiveinrichtungen in derselben Etage. Die Klinikleitung rechnet mit Kosten von 5,7 Millionen Euro, vier Millionen sollen nächstes Jahr ausgegeben werden.

In Bietigheim wirft der geplante Bau eines Ärztehauses seine Schatten voraus: Die Klinikleitung will dort die Bettenzahl erhöhen und ein Parkhaus bauen. Ob das Klinikum erweitert wird, einzelne Abteilungen umgebaut werden oder ob die Klinik einen Teil des geplanten Ärztehauses mit Betten belegen wird, ist noch offen. "Da hängt alles mit allem zusammen", erklärt Grebe.

Sicher sei nur, dass man zusätzliche Parkplätze brauche, um das Ärztehaus realisieren zu können. Hinzu komme, dass die bestehende Tiefgarage saniert werden müsse. Auch das könne erst erfolgen, wenn es Ausweichparkplätze gebe. Das Klinikum ist daher im Gespräch mit der Stadt. Zurzeit hat man ein städtisches Areal in der Nähe des Krankenhauses im Auge. Insgesamt stellt die Klinikleitung 4,1 Millionen Euro bereit, um die Pläne voranzutreiben.

In Marbach ist man in Sachen Ärztehaus schon weiter: Der Spatenstich ist für das Frühjahr 2012 geplant. Der 3,3-Millionen-Euro-Bau soll im Sommer 2013 fertig sein. Insgesamt 13 Ärzte werden dort eine chirurgische Praxis, eine ambulante neurologische Rehabilitation, eine gerontopsychiatrische Tagesklinik sowie eine Nierenfachpraxis mit Dialysestation betreiben. Weitere zwei Millionen Euro wird die Klinikleitung in die Erweiterung der Operationssäle und der Energiezentrale stecken.

Neben den großen Projekten verschlingt der ständige Bedarf an neuen medizinischen Geräten und Computerprogrammen viel Geld. Die fünf Krankenhäuser werden zusammen voraussichtlich 10,4 Millionen Euro dafür ausgeben.

Auch in den kommenden Jahren wird der Investitionsbedarf der Kliniken hoch bleiben: So muss Grebe und Steiner zufolge die Notaufnahme in Ludwigsburg umgebaut und erweitert werden, außerdem ist ein Neubau für ein Mutter-Kind-Zentrum geplant. In Marbach seien die Stationen "dringend renovierungsbedürftig", berichtet Steiner. Wie viel Geld die Kliniken für die Umsetzung aller Pläne benötigen, ist noch nicht genau beziffert - zumal bisher unklar ist, woher das Geld dafür kommen soll. Man sei zurzeit in der Diskussion mit dem Landkreis, dem Träger der Kliniken, verrät Steiner. Denn die Investitionen seien nötig, aber "wir können das Geld dafür nicht erwirtschaften".

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