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Konflikte außergerichtlich lösen Streit kostet Zeit, Geld und Nerven

Kathrin Thimme, vom 11.02.2012 11:00 Uhr
Christof Dietmann ist Architekt, Sachverständiger und Mediator. Foto: Steffen Honzera
Christof Dietmann ist Architekt, Sachverständiger und Mediator. Foto: Steffen Honzera

 

Stuttgart-West Heute, am Freitag, 10. Februar, wird der Bundesrat in seiner 892. Sitzung über das so genannte Mediationsgesetz beraten. Stimmt der Bundesrat zu, tritt das Gesetz danach in Kraft. Das Gesetz definiert zum einen die Aufgaben und Pflichten eines Mediators und gibt vor, welche Ausbildung vorliegen muss. Es soll zum anderen auch regeln, dass künftig alle Klageschriften Angaben darüber enthalten, ob der Erhebung einer Klage zumindest der Versuch einer Mediation oder eines anderen außergerichtlichen Verfahrens der Konfliktbeseitigung vorangegangen ist.

Einer, der mit Spannung den heutigen Tag erwartet, ist Christof Dietmann. Der Architekt und Sachverständige für Schäden an Gebäuden hat vor etwas mehr als einem Jahr am Institut „Fortbildung 1“ in Stuttgart-Sonnenberg in Kooperation mit dem dortigen Mediationsinstitut seine Ausbildung zum Wirtschaftsmediator mit dem Schwerpunkt Bauwesen beendet. Im Anschluss gründete er mit anderen Mediatoren das Mediationsforum Stuttgart mit Sitz in der Klopstockstraße.

Die Mediation steckt noch in den Kinderschuhen

„Die Mediation steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt Dietmann. Er hofft, dass sich dies mit der Gesetzesverkündung ändert. Denn aus Christof Dietmanns Sicht hat es viele Vorteile, Konflikte außerhalb eines Gerichtes beizulegen. „Die Mediation ist freiwillig, und die Lösung wird von den beiden Parteien gemeinsam erarbeitet“, so Dietmann. In seinem Aufgabengebiet gehe es oft um Konflikte zwischen Auftraggebern und Handwerkern. „Dabei vertritt jeder seinen Standpunkt, und die Aufgabe des Mediators ist es, die Bedürfnisse hinter den Standpunkten zu erkennen und eine Lösung zu finden, die für beide Seiten gut ist“, erläutert der Architekt.

Oftmals reichen dafür ein paar Stunden oder maximal ein Tag aus. „Es bewirkt schon viel, wenn bei einem Streitfall eine neutrale Person dazukommt“, sagt Dietmann. So könne die Mediation schnelle Lösungen herbeiführen, was meist im Interesse aller Beteiligten sei. „Es geht ja oft darum, den eigenen Ruf wiederherzustellen.“ Ein Gerichtsverfahren hingegen dauere oft länger und bringe auch Themen aus der Vergangenheit auf den Tisch, was für Betroffene nicht immer wünschenswert sei.

Nicht jeder Fall ist außergerichtlich lösbar

„Hinzu kommt, dass Mediatoren zu absoluter Vertraulichkeit verpflichtet sind, während viele Gerichtsverfahren öffentlich sind“, erklärt Dietmann. Dennoch ist nicht jeder Streitfall außergerichtlich lösbar. „Wenn eine gewissen Eskalationsstufe erreicht ist, hat es keinen Sinn“, so Dietmann. „Die Parteien müssten schon bereit sein, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.“ Schließlich müssten im Vorfeld auch alle Beteiligten dem Mediationsverfahren zustimmen. „Dies wird zu Beginn vertraglich festgehalten“, so der Architekt. Auch hier könne das neue Gesetz helfen, einen solchen Vertrag rechtlich bindend zu machen. Dennoch kann jeder Beteiligte, auch der Mediator, das Verfahren jederzeit beenden, ohne Gründe zu nennen.

Erfahrungen im Beilegen von Streitigkeiten hat Christof Dietmanns bisher in seiner Tätigkeit als Sachverständiger gesammelt. „Das sind zwar zwei unterschiedliche Aufgabenfelder, aber es kam schon vor, dass ich Konflikte lösen musste, ohne explizit als Mediator aufzutreten.“ Um dies künftig zu können, absolvierte er in Stuttgart die Ausbildung, die insgesamt 200 Stunden umfasst. In dieser Zeit lernte er theoretisch und mit Hilfe von Rollenspielen den Prozessablauf einer Mediation, die in fünf Phasen unterteilt ist, kennen.

Mehr Ausbildungsmarkt als Kundenmarkt

Dass die Mediation aktuell in Deutschland mehr ein Ausbildungsmarkt denn ein Kundenmarkt ist, weiß auch Christof Dietmann. Im Zuge der Debatte um das neue Gesetz lassen sich viele Leute zum Mediator ausbilden. Klienten, die ihr Können in Anspruch nehmen, lassen derweil auf sich warten. „Auch hier kann das Gesetz helfen“, sagt Dietmann. Denn von dem Erfolg des außergerichtlichen Verfahrens ist der Wirtschaftsmediator überzeugt. „Ein Streit kostet immer Zeit, Geld und vor allem Nerven“, sagt er, „darauf hat keiner Lust – und eigentlich ist doch jedem an einer schnellen Lösung gelegen.“

 



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