Kommentar zur Koalitionsbildung Wolf will das Rudel führen

Von Christoph Reisinger 

Wer mit wem? CDU-Fraktionschef Guido Wolf (rechts) beansprucht die führende Rolle bei den anstehenden Gesprächen über eine neue Regierungskoalition in Baden-Württemberg. Die Parteichefs der Grünen und der SPD, Winfried Kretschmann (Mitte) und Nils Schmid, widersprechen. Foto: dpa
Wer mit wem? CDU-Fraktionschef Guido Wolf (rechts) beansprucht die führende Rolle bei den anstehenden Gesprächen über eine neue Regierungskoalition in Baden-Württemberg. Die Parteichefs der Grünen und der SPD, Winfried Kretschmann (Mitte) und Nils Schmid, widersprechen.Foto: dpa

CDU-Fraktionschef schmiedet Pläne für eine Koalition mit SPD und FDP. Sie wäre für die Partei und für Baden-Württemberg eine der schlechteren möglichen Varianten.

Stuttgart - Gestern Wolf-Erwartungsland, heute Wolf-Entwarnungsland? Noch immer erhebt der Fraktionschef der Union im Landtag, Guido Wolf, der im Wahlkampf mit dem Biologen-Begriff vom „Wolf-Erwartungsland Baden-Württemberg“ kokettiert hat, den Anspruch, die Nummer eins im Land zu sein. Geht es nach ihm, steht am Ende der Sondierungsgespräche, die am Mittwoch beginnen sollen, eine Wolf-geführte Koalition aus CDU, SPD und FDP.

Dabei stellt sich nach der krachenden Niederlage der CDU vom Sonntag, die zwölf Prozentpunkte schlechter als in der Wahl vor fünf Jahren mit ihrem Spitzenkandidaten Wolf beim historischen Tiefstwert von 27 Prozent der Stimmen gelandet ist, zunächst eine andere Frage: Kann sich der frühere Tuttlinger Landrat an der Spitze seiner arg dezimierten Fraktion behaupten? Bleibt er eine treibende Kraft in der Partei? Die Büchsenspanner in der CDU haben ihre Planvarianten ohne Wolf längst parat.

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Für einen, der neuer Regierungschef werden will, ist das eine prekäre Ausgangslage. Sie macht das Projekt der schwarz-rot-gelben, sogenannten Deutschland-Koalition zum unkalkulierbaren Wagnis. In den eigenen Reihen beschädigt, will Wolf mit SPD und FDP zwei Koalitionspartner an sich binden, die untereinander seit Jahren die größtmögliche Distanz pflegen. Nicht, dass es inhaltlich gar nichts Verbindendes gäbe. Aber bei einer Ein-Sitz-Mehrheit im Landtag entstünde da eine Wackel-Koalition. Ihre Chance bis zum Ende der Legislaturperiode durchzuhalten, wäre gering.

Die Union ist gut beraten, sich auf die anderen beiden Möglichkeiten zu konzentrieren: Die theoretisch mögliche Koalition mit den Grünen – da gibt es politisch deutlich mehr Gemeinsamkeiten, als es so frisch nach dem Wahlkampf scheinen mag. Oder klare Kante in der Opposition. Auch sie würde der Union Gelegenheit geben, sich zu regenerieren und sich wieder als stärkste Kraft im Land aufzudrängen. Baden-Württemberg täte beides besser als eine Koalition auf derart tönernen Füßen.

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