Kommentar zur Affäre um Max Kruse Die falschen Fragen

Von Philipp Maisel 

Max Kruse steht aktuell am medialen Pranger und wurde aus der Nationalmannschaft verbannt. Foto: dpa
Max Kruse steht aktuell am medialen Pranger und wurde aus der Nationalmannschaft verbannt.Foto: dpa

Wolfsburgs Angreifer Max Kruse steht aufgrund mehrerer bekannt gewordenen Fauxpas im medialen Kreuzfeuer. Doch dabei werden die falschen Fragen gestellt. Ein Kommentar.

Wolfsburg - Der Wolfsburger Stürmer Max Kruse hat in den letzten Tagen kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen. Hat seinen stattlichen Pokergewinn im Taxi liegen lassen. Einer Dame in einem Berliner Club ihr Smartphone abgenommen, um ungefragt von ihm geschossene Bilder zu löschen. Die Konsequenzen dieser Handlungen brechen nun wie ein Tsunami über Kruse herein. Nationaltrainer Löw hat ihn aus seinem aktuellen Kader verbannt. Wolfsburgs Manager Allofs gibt ihn öffentlich zum Abschuss frei, anstatt sich schützend vor ihn zu stellen. Und im Internet und an den Stammtischen der Nation bricht sich Häme und Spott Bahn.

Eklatante Häufung pikanter Details

Wie kann er nur? Warum wird er nicht seiner Vorbildrolle gerecht? Lernt er denn gar nichts aus den vorhergegangenen Fehlern? Das sind die Fragen, die den meinungsmachenden Boulevard umtreiben und die somit die Diskussion um den ganzen Sachverhalt bestimmen. Die richtigen Fragen werden jedoch bisher nicht gestellt. Wieso geben der Nationaltrainer und der Manager den Spieler öffentlich zum Abschuss frei? Wie kann es sein, dass sich die Dame aus dem Club urplötzlich als „Journalistin“ der Zeitung mit den großen Buchstaben entpuppt? Wie kann es zu einer solch eklatanten Häufung pikanter Details innerhalb von nur wenigen Tagen kommen? Steckt da vielleicht mehr dahinter? Will der VfL Wolfsburg mit allen Mitteln einen bei den Entscheidern in Ungnade gefallenen Spieler loswerden und bekommt dabei mediale Unterstützung? Hatte sich Fußball-Deutschland nicht nach dem tragischen Suizid Robert Enkes geschworen, es zukünftig etwas ruhiger mit der Bewertung und Betrachtung seiner Fußballstars angehen lassen zu wollen?

Dass zudem ausgerechnet der Nationaltrainer mal wieder einen auf Moralapostel macht, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Jener Nationaltrainer, der schon mal sechs Monate wegen permanenten Geschwindigkeitsübertretungen seinen Lappen abgeben musste. Jener Nationaltrainer, der „seinen“ Spieler Kevin Großkreutz öffentlich und ohne Not abwatscht. Jenem Nationaltrainer, dem es offensichtlich nicht ganz so sehr gestunken hat, dass sein Spieler Marco Reus jahrelang ohne Führerschein durch die Lande gondelte und einen Strafbefehl von 500000 Euro berappen musste. Reus bekam einen leichten Tadel, Kruse und Großkreutz wurden an den medialen Pranger ausgeliefert. Hier wird ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen.

Löw entledigt sich elegant einer Personaldiskussion

Da darf man sich schon einmal die Frage stellen, wieso dem so ist. Die Antwort liegt auf der Hand. Sowohl Großkreutz als auch Kruse sind verzichtbar. Beide sind durchaus gute Spieler, die für eine Mannschaft wertvoll sein können und sich – wie Großkreutz bei der WM in Brasilien – ohne zu Murren an Position 20 im Kader einreihen, wenn das gewünscht ist. Beide haben aber nicht den Wert eines Thomas Müller, eines Marco Reus, eines Jerome Boateng. Daher fällt es Löw nicht schwer, Tatsachen zu schaffen. Im Gegenteil, er entledigt sich elegant und weit im Vorfeld der EM einer eventuell aufkommenden Personaldiskussion. Und ganz sicher wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte Müller 75000 Euro in einem Taxi vergessen oder wäre ein Sexvideo von Boateng im Umlauf.

Sicher, Max Kruse hat sich ganz bestimmt nicht so clever angestellt, wie er es sonst in den Strafräumen der Bundesliga vermag. Und ja, Fußballstars stehen in der Öffentlichkeit, sind gläsern, haben eine gewisse Vorbildrolle, der sie gerecht werden sollten und für die sie fürstlich entlohnt werden. Doch jedem Menschen, ob Star oder nicht, steht eben auch ein gewisses Maß an Privatsphäre zu. Der Mensch Max Kruse und seine Persönlichkeitsrechte sollten in diesen Tagen absolut im Vordergrund stehen.

 

 

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