Kommentar zum Unwort des Jahres Ach, Gutmensch!

Von Rainer Wehaus 

Kleiner Tipp für den Gutmenschen: Auch das Ächten einzelner Begriffe macht die Welt nicht automatisch besser Foto: dpa
Kleiner Tipp für den Gutmenschen: Auch das Ächten einzelner Begriffe macht die Welt nicht automatisch besserFoto: dpa

Gutmenschen erkennt man daran, dass sie Kritik schwer ertragen. Es müssen daher Gutmenschen sein, die den Begriff „Gutmensch“ nun zum Unwort des Jahres erklärt haben. Die Begründung ist ebenso einseitig wie durchsichtig.

Stuttgart - Ein Gutmensch ist einer, der naiv und kurzsichtig handelt. Beeinträchtigt durch weltfremde moralische Vorstellungen, macht er die Welt nicht besser, sondern schlechter. Aber über die Folgen seines Handelns denkt der Gutmensch nicht nach. Er lässt sich von Gefühlen leiten, und oft scheint es so, als gehe es ihm vor allem darum, sich selbst gut zu fühlen. Dann aber wäre er nur ein kleiner, verkappter Egoist.

Gutmenschen erkennt man daran, dass sie auf Kritik besonders aggressiv reagieren. Jetzt haben sie sogar den Begriff „Gutmensch“ zum Unwort des Jahres gekürt. Die Begründung ist ebenso einseitig wie durchsichtig: Die selbst ernannten Sprach-Tugendwächter haben kein Problem damit, wenn in der Flüchtlingsdebatte Andersdenkende als „Fremdenfeinde“, „Rechtspopulisten“ oder „Geistige Brandstifter“ verunglimpft werden.

Die Etikettierung als „Gutmensch“ aber empfinden sie plötzlich als pauschale Diffamierung. Ach, Gutmensch! Schau einfach mal an, was Du in der Flüchtlingskrise angerichtet hast. Und hinterfrag Dich mal selbst! Guter Wille allein macht die Welt nicht besser – und das Ächten einzelner Wörter schon gar nicht.

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Türkei Aus für 45 Zeitungen und 16 TV-Sender

Von 27. Juli 2016 - 22:17 Uhr

Erst waren kritische Journalisten in Visier der Regierung, jetzt schließt Ankara 45 Zeitungen und 16 TV-Sender. Das teilte ein Behördensprecher am Mittwochabend mit.