Kommentar zum Daimler-Vorstand Daimler braucht keinen Kronprinzen

Von Klaus Köster 

Die Daimler-Zentrale in Untertürkheim Foto: dpa
Die Daimler-Zentrale in UntertürkheimFoto: dpa

An diesem Dienstag wird der Daimler-Aufsichtsrat den bisherigen Vertriebsvorstand Ola Källenius zum Entwicklungschef machen - der damit der Zetsche-Nachfolge einen Schritt näher kommt. Källenius ist zu Recht ein heißer Kandidat, doch einen Kronprinzen braucht Daimler nicht, meint Kommentator Klaus Köster.

Stuttgart - An diesem Dienstag stellt der Aufsichtsrat die Weichen für die personelle Zukunft der Daimler-Führung. Aus einer Position der Stärke heraus können die Aufseher darüber befinden, wer einmal das Steuer übernimmt, wenn Konzernchef Dieter Zetsche abtritt, um sich möglicherweise für den Posten des Aufsichtsratschefs warmzulaufen. Und alles deutet darauf hin, dass der bisherige Vertriebsvorstand Ola Källenius in eine günstige Position gebracht wird, von der aus er nach dem Daimler-Stern greifen kann.

Vieles spricht für ihn: Sein Alter – mit einem Chef, der heute 46 Jahre alt ist, kann der Konzern auch in einigen Jahren noch einen Generationswechsel einleiten. Seine Eloquenz – nach dem bühnensicheren Zetsche braucht der Konzern wieder eine Galionsfigur, die auf jedem Parkett eine gute Figur abgeben kann. Und nicht zuletzt kommt dem Schweden zugute, dass der Konzern internationaler werden soll. Die Deutsche Bank wird schon in zweiter Führungsgeneration von einem Briten geführt; bei Bayer hat ein niederländisch-amerikanischer Chef das Sagen und bei Henkel ein Däne, der nun bald zu Adidas wechselt. Dagegen wirkt die Daimler-Führungsriege bisher sehr deutsch. Bahn frei für Källenius?

Eine frühe Festlegung ist unüblich – und das aus gutem Grund

So nahe die Vermutung liegt, dass Källenius der geborene Zetsche-Nachfolger ist, so ungewöhnlich wäre es, wenn sich ein Unternehmen so lange vor dem Wechsel auf einen Kronprinzen festlegt. Gewiss, wenn Källenius nun auf den Posten des Entwicklungsvorstands versetzt wird, schließt er damit die Lücke, die seinem Aufstieg zur Nummer eins entgegensteht – muss der Chef eines Autokonzerns doch beweisen, dass er auch Technik kann. Doch einen Kandidaten aufzubauen heißt nicht zwingend, ihn zugleich zum geborenen Nachfolger des Amtsinhabers zu machen. Zumal Daimler bereits vor geraumer Zeit bereits die zweite Führungsriege verjüngte und mit Leuten wie Mercedes-Produktionschef Markus Schäfer, Einkaufschef Klaus Zehender und Finanzchef Frank Lindenberg längst die nächste Generation in hohe Verantwortung genommen hat.

Die Lücke, die Källenius als Vertriebsvorstand hinterlässt, muss gefüllt werden – warum nicht mit einem potenziellen Rivalen? Offiziell gibt es keine Festlegungen über die Nachfolge, sie wären auch gar nicht erlaubt. Und in die Köpfe der Aufseher kann niemand hineinschauen. Doch etwas Wettbewerb vor dem Chefwechsel hat noch keinem Unternehmen geschadet – auch nicht Daimler, wo sich der damalige Mercedes-Chef Eckhard Cordes und ein Chrysler-Chef namens Dieter Zetsche über längere Zeit ein Fernduell lieferten, das mit der Krönung Zetsches und dem Ausscheiden von Cordes endete. Der künftige Daimler-Chef wird das Unternehmen im Wettbewerb behaupten müssen. Da schadet es nicht, wenn er auch selbst aus einem harten, fairen Wettbewerb hervorgegangen ist. Ein Kronprinz dagegen kann auf diese Fairness nicht immer bauen: Er muss damit leben, auf Schritt und Tritt beäugt zu werden und sich keine Fehler leisten zu können, ohne infrage gestellt zu werden.

Daimler fährt derzeit mit hoher Geschwindigkeit auf der Überholspur. Jedes neue Modell ist ein Treffer, und auch bei modernen Technologien wird Daimler heute zu Recht als einer der großen Trendsetter wahrgenommen. Källenius hat das Seine zu diesen Erfolgen beigetragen und bewiesen, dass er sein Vorstandsressort im Griff hat. Ihn nun als Kandidaten aufzubauen ist daher eine logische Folge. Doch einen Kronprinzen, egal wie er heißt, braucht kein Unternehmen und Daimler schon gar nicht.

k.koester@stn.zgs.de

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 5.0
Grundsatzurteil zum Mindestlohn Arbeitgeber können Urlaubsgeld anrechnen

Von red/dpa 25. Mai 2016 - 16:44 Uhr

Mindestens 8,50 Euro pro Stunde müssen es sein - so will es das Mindestlohngesetz. Eigentlich soll es Millionen von Arbeitnehmern mehr Geld bringen. Ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts relativiert diese Hoffnung.