Kommentar zu Schavan Diplomatie zählt nicht zu ihren Stärken

Von Christoph Reisinger 

Soll für Deutschland in den Vatikan: Annette Schavan. Foto: dpa
Soll für Deutschland in den Vatikan: Annette Schavan.Foto: dpa

Annette Schavan, Ex-Bundesministerin für Bildung, soll Deutschland im Vatikan vertreten. Wo bleibt da die Diplomatie?

Berlin. - Prompt reagiert! Da drückt die EU-Kommission Deutschland ins Wachs, dass es für Spontanwechsel aus bezahlten politischen Jobs in besser bezahlte der Wirtschaft weder Anstands- noch andere Regeln kennt. Und noch am selben Tag beweist die Bundesregierung: Wir können auch ­anders.

Ihre Bestätigung, die sang- und klanglos in der Versenkung verschwundene Ex-Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, als Botschafterin in den Vatikan zu schicken, weist einen alternativen Weg zur Schröder-Koch-Route. Auf der nisten sich Ex-Spitzenpolitiker im oberen Teil der Gehaltslisten solcher Firmen ein, die unmittelbar von Entscheidungen profitieren, die diese Neu-Mitarbeiter noch gestern im politischen Amt getroffen haben. Dagegen nimmt sich die Versorgungsvariante für Schavan harmlos aus.

Gschmäcklefrei ist sie dennoch nicht. Schließlich stellt sich wie im Fall des überforderten Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger, der als Botschafter erst nach Österreich, 1995 dann ebenfalls zum Heiligen Stuhl ent- und versorgt wurde, die Frage: Was befähigt Schavan zu einem diplomatischen Spitzenamt? Man muss sich nicht einmal bei ihren politischen Gegnern umhören, sondern nur in ihrem baden-württembergischen CDU-Landesverband, dann stößt man immer wieder darauf: Schavan hat viele Stärken; Diplomatie aber zählt nicht dazu.

 

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