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Kommentar Ein erster Schritt

Willi Reiners, vom 01.09.2010 10:11 Uhr
  Foto: AP
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Stuttgart - Die Katholische Kirche macht ihre Hausaufgaben. Mit den neuen Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch setzt sie ein Signal gegen die Praxis der Vertuschung und Verschleierung von Gewalttaten. Wenn grundsätzlich jeder Verdachtsfall angezeigt wird, erhält die strafrechtliche Verfolgung durch staatliche Behörden endlich Vorrang vor kircheninternen Untersuchungen. Sie dienten oft genug dazu, die Kirche zu schützen.

Jetzt kommt es darauf an, die Leitlinien überall in der Kirche konsequent im Sinne der Opfer anzuwenden. Da kann es sein, dass das Opfer einer Gewalttat die Ansprechpartner der Kirche bittet, die Tat nicht anzuzeigen, um sich zu schützen. Die Leitlinien sehen in solchen Fällen eine Ausnahme von der Anzeigepflicht vor. Die Kirche muss sich aber bewusst sein, dass die Ausnahmeklausel auch missbraucht werden kann, wenn Opfer etwa zum Verzicht auf eine Anzeige gedrängt werden. Da ist es gut, dass alle Gespräche zu protokollieren und vom Opfer selbst oder seinem Vertreter zu unterzeichnen sind.

Nur wenn die Kirche das Transparenzgebot einhält, kann sie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die neuen Leitlinien sind dazu ein allererster Schritt. Nicht mehr.

Kommentare (2)
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SEP
06
15:31 Uhr, geschrieben von Wolfgang Schatz
Hildesheimer Pastor
Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde ich in Hildesheim konformiert. Es gab damals in der Stadt ein Gerücht, daß ein bekannter evangelischer Pastor sich im privaten Kreis mit kleinen Jungs abgäbe. Das war ein praktisch ein offenes Geheimnis. Gesagt hat niemand etwas, weil alle Angst hatten. Alle fürchteten, daß, wenn sie etwas sagten, ihre Kinder nicht konformiert werden würden. Die Kirche hatte damals zuviel Macht. So war das früher.
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SEP
01
12:29 Uhr, geschrieben von Dieter
Parallelgesellschaft Kirche - oder "Ist Deutschland eine Bananenrepublik?"
In welcher Zeit leben wir eigentlich, daß sich einzelne Gruppen der Gesellschaft ihre eigenen Gesetze machen können, bzw. es ihrer eigenen Entscheidung obliegt, wie sie mit teils schweren Straftaten und ihren Tätern umgehen? Es ist schlicht ein Skandal, wenn man sieht, dass sich die Staatsanwaltschaften in diesem Land einen feuchten Kehricht um die Aufklärung von Fällen bemüht, die aktenkundig und noch nicht verjährt sind. Skandalös ist auch die Äußerung ihres Kommentators Willi Reiners, der schreibt: „Die Katholische Kirche macht ihre Hausaufgaben.“ Ja kann es denn sein, dass eine Institution, wie die katholische Kirche selbst darüber entscheidet, welchen Kinderschänder sie der Staatsanwaltschaft meldet – und ab jetzt vielleicht auch alle? Jeder normale Bürger macht sich der Vertuschung einer Straftat schuldig und hier wird nach dem Motto kommentiert: „na endlich hat die katholische Kirche bemerkt, dass wir im 21. Jahrhundert leben und auch für ihr Personal die Gesetze dieses Landes gelten.“ Und was macht die Politik? Mit der gleichen Selbstverständlichkeit nickt man gnädig zur Einsicht der Kirchenführung, geht zum Tagesgeschäft über und hetzt unliebsame Zeitgenossen, die unliebsame Wahrheiten unters Volk bringen. Müßte nicht ein Aufschrei der Politiker durch die Lande hallen und müssten nicht die Medien lautstark uneingeschränkte Aufklärung fordern? Müßten nicht die Staatsanwaltschaften ihre Ermittler in Scharen in die Bistümer schicken und dort die Bischöfe ins Kreuzverhör nehmen, wie viele Fälle von ihnen und ihren Mitarbeitern gedeckt und vertuscht werden? Und es passiert? Nichts !! Die Frage muß schon erlaubt sein: „Ist Deutschland eine Bananenrepublik?“
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