Kolumne über Umzüge Nein, mit Fasnet hat das nix zu tun

Von Tom Hörner 

Eine Zeitungsredaktion packt ein und zieht um Foto: Decksmann
Eine Zeitungsredaktion packt ein und zieht umFoto: Decksmann

Fasching ist die Zeit der Umzüge. Auch wir ziehen derzeit um. Von einem Stockwerk ins andere. Ein Spaß ist das nicht. Aber närrisch irgendwie schon.

Stuttgart - Melde mich live von einem Umzug. Nein, nicht was Sie denken. Keine Pappnasen um mich herum. Kein Konfetti im Haar. Bin kein Freund von Fasnets­umzügen. Aber so ein Umzug, den ich ­meine, so mit Stockwerk und Schreibtisch wechseln, ist auch nicht besser. Obwohl einem das Kistenschleppen abgenommen wird.

Allein das Ausräumen der Schubladen. Vergilbte Zeitungsausschnitte, abgelaufene Pressekarten, ­Fotos aus einem Jahrhundert, als Bilder noch entwickelt werden mussten. Und Fotos, die den Beweis liefern, dass man auch mal jünger war. Je tiefer man gräbt, desto geheimnisvoller werden die Fundstücke. Eine Autogrammkarte, auf der Nadine I., die 49. Bibliser Gurken­königin, mit ihren Ehrendamen Bianca und Stina zu sehen ist. Nadine war blond, trug das Haar hochgesteckt. Sie sah gut aus, ­damals, 2001.

Was Nadine wohl heute macht? Ob ihr das Gurkenköniginnen-Intermezzo was gebracht hat? Hätte ­Nadine I. auf der Karte ihre Handynummer hinterlassen, ich würde sie anrufen.

Es gibt Menschen, die fordern das papierlose Büro. Am Papier allein liegt es nicht. Stoße eben auf eine CD von Tina und Jens, präsentiert von einer Stuttgarter Brauerei. Auf der CD sind drei Versionen eines Schlagers mit dem Titel „Wir feiern das Leben“. Hab die CD nie gehört, trotzdem lief mein Leben bisher ganz gut. Die CD könnte man in diesen Tagen wahrscheinlich ungestraft abspielen.

Egal. Tina und Jens wandern in den Müll, die Autogrammkarte von Nadine I. zieht mit um. Dinge, die mir wichtig sind, kommen oben in die Umzugskartons, damit ­ich sie an ­meinem neuen Arbeitsplatz gleich herauszuholen kann. Ganz oben liegt ein Din-A-4-Blatt mit einem Zitat von Ava Gardner. Es hing über meinem Schreibtisch. Die Schauspielerin soll über ihren zeitweiligen Ehemann Frank Sinatra gesagt haben: „Stimmt, er ist klein, aber die Hälfte ­davon ist Penis.“

Wenn man einen neuen Schreibtisch bezieht, ist man froh, wenn da ein Satz hängt, an dem man sich festhalten kann.

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