Kolumne über Kolumnisten Gut gebrüllt, mein lieber Schreiber!

Von Tom Hörner 

Mit Löwen ist nicht zu spaßen. Aber was erzählen wir da? Das wissen Sie doch selbst. Foto: dpa
Mit Löwen ist nicht zu spaßen. Aber was erzählen wir da? Das wissen Sie doch selbst.Foto: dpa

Schreiben ist ein einsames Geschäft. Wie man die Einsamkeit überwindet und Mails und Briefe bekommt, verrät weltexklusiv StN-Kolumnist Tom Hörner.

Stuttgart/Dortmund - Wenn ich möchte, dass auf meine Kolumne eine Reaktion kommt, schreibe ich über Tiere. Vor allem bei Artikeln über Zootiere ist die Chance groß, dass sich Menschen melden, die meinen, Tiere ­gehörten nicht in den Zoo.

Man muss gar nicht den ganzen Artikel einem Zootier widmen. Oft reicht ein Absatz, schon kriegt man Post. Einmal schrieb ich, dass in der Stuttgarter Wilhelma die Affen fernsehen dürften – ­und überlegte, welches Programm für Affen tauge. Daraufhin bekam ich die wütende Mail eines Mannes, der mir erklärte, dass Affen weder vor dem Fernseher noch im Zoo etwas zu suchen hätten.

Für den Fall, dass einmal keine Reaktion mehr kommt, habe ich zwei wenig originelle, aber zweckdienlich Thesen parat. Sie lauten: Tiere gehören in den Zoo, sie haben im Asphaltdschungel nichts verloren. Außerdem wären sie eh längst ausgestorben, hätte Noah sie nicht mit auf die Arche genommen. Das hebe ich mir für harte Zeiten auf.

Manchmal fühle ich mich wie der gute alte Kolumnist und Provokateur Henryk M. Broder, den ich neulich in einer Talkshow über Paarbeziehungen sah. Meist saß er unbeteiligt rum. Nur manchmal sagte er was Schräges. Ich vermute, er wollte nur etwas Beachtung. Vielleicht war’s ihm auch langweilig.

Ich begnüge mich damit, diese Woche auf eine Meldung aus Dortmund zu verweisen. Dort wurde im Zoo die 14 Jahre alte Löwin Moreni von ihrem drei Jahre alten Sohn Lolek angegriffen und getötet. Der Angriff, hieß es, sei „völlig unerwartet und plötzlich“ gekommen.

Rechtzeitig zum Muttertag brachte die „Zeit“ einen Artikel über ein „unerhörtes Verbrechen“, den Muttermord. Der Schluss lautete: „Wer seine Mutter loswerden will, sollte keinen Mord begehen, sondern zu Hause ausziehen.“ Diese ­Möglichkeit hatte Lolek, der Löwe, nicht, da bin ich mir mit alle Zoogegnern dieser Welt einig.

Bewerten
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Vielen Dank für Ihre Bewertung!
1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 5.0
Stieftochter erliegt Krebs Roger Moore: Unsere Herzen gebrochen

Von 27. Juli 2016 - 16:06 Uhr

Die Stieftochter von Roger Moore ist ihrer Krebserkrankung erlegen. Der 88-Jährige ließ die traurige Nachricht über Twitter mitteilen.