Kolumne über ein Hundeleben Warum ich nicht Flecki werden durfte

Von Tom Hörner 

Wieder glücklich vereint: Flecki und seine Besitzer Lisa M. und Sven H. Foto: dpa
Wieder glücklich vereint: Flecki und seine Besitzer Lisa M. und Sven H.Foto: dpa

StN-Redakteur Tom Hörner hatte den Auftrag bekommen, er möge einen heiteren Text aus der Perspektive eines Hundes schreiben. Doch dann kam alles ganz anders.

Stuttgart/Ulm - Eine Kollegin bat mich, einen Artikel für die Silvesterbeilage aus der Perspektive eines Hundes zu schreiben. Er sollte lustig sein, der Artikel, nicht der Hund.

Ich bin kein Schauspieler, habe wenig Erfahrung darin, mich in andere Rollen hineinzudenken. Einmal spielte ich in meiner Kindheit einen Tannenbaum. Die Tannenzweige meines Kostüms   pieksten, aber ich ertrug das. Schließlich war es eine tragende Rolle. Aber so einen ­Tannenbaum muss man ganz anders ­anlegen als einen Hund.

Hin und wieder habe ich mir auch schon von Frauen anhören müssen, ich besäße keine Empathie. Ich fürchte, das sind keine idealen ­Voraussetzungen, um sich in einen Hund einzufühlen – zumal es sich um einen ­prominenten Hund handelte. Die Rede ist von keinem geringeren als Flecki, jenem schwarzen Mischlings­rüden, der im ­Sommer auf einem Rastplatz an der A 8 bei Ulm ausgebüxt war. Flecki wurde zum Medienstar, nachdem durchgesickert war, dass seine Besitzer, ein ­gewisser Sven H. und seine Freundin Lisa M., auf dem Rastplatz ihr Zelt aufgeschlagen hatten, um dazusein, falls das arme Tier ­wieder zurückfinden sollte.

Ich fragte mich, warum die Kollegin, die mir den Auftrag erteilt hatte, den ­Artikel nicht selbst schrieb, sie hat, wenn ich nicht irre, einen Hund mit dem ­schönen deutscher Vornamen Wilhelm. Aber bei Hundebesitzern ist man naturgemäß vorsichtig. Man fragt lieber nicht nach, das Tier könnte gestorben sein. Oder eine Wurmkur durchmachen.

Gerade als ich mich mit der Hunderolle gedanklich anzufreunden begann, kam ein Kollege vorbei und sagte, er solle mir ausrichten, dass der Hundeartikel ­gestrichen sei. Ich war enttäuscht und schrieb der ­Kollegin, dass die Nachricht schon etwas  meine Lebens- und Karriereplanung durcheinanderbringe. Ich würde morgens nicht mehr joggen, sondern mit mir Gassi gehen. Die Kollegin antwortete mir Folgendes: „Für mich wirst Du immer Flecki bleiben.“

Ich glaube, so etwas Schönes hat mir noch nie eine Frau geschrieben. Ich lief schwanzwedelnd durch die Redaktion.

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