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Königin-Katharina-Stift in Stuttgart Mutmaßlicher Täter selbst noch Kind

Von Wolf-Dieter Obst 

Der Weg zum Königin-Katharina-Stift  birgt für Schüler manche Unsicherheit. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Weg zum Königin-Katharina-Stift birgt für Schüler manche Unsicherheit.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Aufregung um die Übergriffe rund um das Königin-Katharina-Stift in der Innenstadt zieht immer weitere Kreise. Zu den Tätern gehören junge Intensivtäter aus der Region, die mit dem Strafrecht schwer zu stoppen sind. Einer ist erst 13.

Stuttgart - Ein elfjähriger Schüler des Königin-Katharina-Stifts mag schon gar nicht mehr zur Schule gehen. Immer mal wieder sieht er den Täter, der ihm letztes Jahr, am 10. Dezember um 13 Uhr, das Mobiltelefon geraubt hatte. Und es bleibt nicht beim Sehen. Kürzlich, als der Elfjährige mit einem Freund zur Schule lief, kam der Bursche heran und sagte sinngemäß: Wir kennen uns ja, hat dein Freund auch so ein tolles Handy? Die beiden Schüler flüchten in das Schulgebäude. Angehörige sind empört: „Die Polizei kennt doch diesen Täter, warum passiert denn dem nichts?“ Der ist halt erst 13.

Nach unserer Berichterstattung vom Mittwoch zeigt sich: Die Übergriffe rund um das Königin-Katharina-Stift, ein Gymnasium in der Nachbarschaft von Schlossgarten und Hauptbahnhof, sind nur die Spitze eines Eisbergs. Die Tatorte mit Pöbeleien, Drohungen und Diebstählen reichen bis zum Hauptbahnhof und weit in die Region hinein – und die Polizei hat Mühe, überhaupt den Überblick zu behalten.

Ein Brief sorgt für Aufregung

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der Brief des Schulrektors Franz Baur, der den Eltern der Fünft- bis Zehntklässler erhöhte Sicherheitsmaßnahmen mitteilte. Nachdem auf dem Schulweg oder in der Mittagspause Schüler „belästigt, bedroht und teilweise bestohlen“ worden seien, hätten die Polizei und der städtische Vollzugsdienst ihre Präsenz erhöht. Der Schulleiter empfahl, dass die Fünft- und Sechstklässler in der Mittagspause auf dem Schulgelände bleiben sollten und sich nur „zu zweit oder in Kleingruppen“ auf den Weg machen sollten. Über die konkreten Vorfälle wurden die Eltern im Unklaren gelassen. Nicht die einzige Kritik: „Dieser Brief kam viel zu spät“, heißt es in Elternkreisen. Das Regierungspräsidium sagt: „Es wurde alles richtig gemacht.“

Der Fall köchelte mehrere Wochen zunächst im Verborgenen. Die Stuttgarter Polizei bestätigte unserer Zeitung am Mittwoch dann zwei Anzeigen. Ein elfjähriger Junge war am 3. Dezember mit Pfefferspray attackiert worden, ein gleichaltriges Mädchen wurde am 15. Dezember ihres Handys beraubt. Doch das war längst nicht alles, korrigiert man sich am Donnerstag. Der Raub am 10. Dezember beispielsweise. Der sei tatsächlich beim Revier Wolframstraße angezeigt, dort aber gleich an die Polizei im Rems-Murr-Kreis weitergegeben worden. Denn die kennt die Tatverdächtigen und ist für sie zuständig. Die Burschen stammten aus einem Jugendheim in Winnenden – sie wurden dank eines mutigen Zeugen in der Klett-Passage dingfest gemacht.

Ein 13-Jähriger als Verdächtiger

Haupttäter in diesem Fall soll ein 13-Jähriger sein, ein polizeibekannter Junge aus dem Rems-Murr-Kreis, so bekannt, dass er auf der Liste der jungen Intensivtäter steht. Zuletzt war er in der Jugendhilfeeinrichtung in Winnenden untergebracht, und mit zwei Mitbewohnern hatte er sich mit der S-Bahn auf den Weg nach Stuttgart gemacht. Der Junge mit Migrationshintergrund ist seiner Familie, die seit Jahren im Raum Backnang lebt, über den Kopf gewachsen.

Ein hoffnungsloser Fall? „Eine Zeit lang war Ruhe“, sagt Uwe Belz, der Fachkoordinator Jugendkriminalität bei der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen, „doch jetzt häufen sich bei ihm die Delikte.“ Die Festnahme in Stuttgart hat den 13-Jährigen offenbar kaum beeindruckt. Wenige Tage später soll er mit einer Gruppe in Leutenbach-Weiler an einer Bushaltestelle einen Elfjährigen angegangen haben. Für den Raub an einem elfjährigen Mädchen am 15. Dezember im Stuttgarter Schlossgarten kommt er wohl aber nicht infrage. Auf Lichtbildvorlagen wurde er nicht wiedererkannt.

Brutal in der Klett-Passage

Unklar ist auch, wer das brutale Duo war, das am 5. Dezember vier Elfjährige am Nordausgang der Klett-Passage grundlos angegriffen hatte. Die Täterbeschreibung passt ins Bild der üblichen Täter: Etwa zwölf bis 15 Jahre alt, 1,60 Meter groß. Einer der elfjährigen Opfer erlitt einen Faustschlag ins Gesicht, musste mit Verdacht auf Nasenbeinbruch ins Krankenhaus.

Offenbar sind da mehrere Jugendliche unterwegs. Besonders im Rems-Murr-Kreis häuften sich im vergangenen Jahr die Übergriffe durch junge Täter. Leben die alten Jugendbanden wieder auf? „Banden und Cliquen gibt es im Rems-Murr- Kreis schon lange nicht mehr“, sagt Kripomann Belz. Und längst nicht alle Jugendlichen seien überhaupt schon mal vorher aufgefallen.

Im vergangenen Jahr schlugen beispielsweise in Backnang zwei mit Messern bewaffnete Räuber zu – einmal auf dem Schulhof des Gymnasiums, einmal am Bahnhof. Die Polizei fasste zwei 14 und 15 Jahre alte Burschen, völlig unbeschriebene Blätter. „Die waren vorher nie auffällig, hatten sich in einen Kick reingesteigert“, sagt Belz. Hinterher seien sie ein Häuflein Elend gewesen.

Die Familie des Opfers fühlt sich hilflos

Bei wem hilft noch ein pädagogischer Ansatz? Bei wem ist schon alles zu spät? Wer noch nicht 14 ist, der ist auch nicht strafmündig – und da wird es für die Polizei besonders schwer. Pädagogen und Jugendamt haben bei Jugendlichen ein wichtiges Wort mitzureden. Selbst eine geschlossene Einrichtung, die Höchststrafe sozusagen, muss erst einmal gefunden werden. „Die Plätze sind begrenzt, die Einrichtung kann Kandidaten auch ablehnen“, sagt Belz. Irgendwann sei halt nicht mehr die Polizei, sondern das Jugendamt und die Justiz gefragt. Und irgendwann werden die 13-Jährigen 14.

Dass die Zahl der jungen Intensivtäter im Land 2014 mit 336 rückläufig war, vermag die Opfer nicht zu trösten. „Wir fühlen uns als Familie hilflos“, sagen die Angehörigen des elfjährigen Opfers. Weil es sonst keine Handhabe gebe, wolle man zivilrechtlich gegen die Familie des Täters vorgehen.

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Kommentar zu Taxi-Rufsäulen Hirnlos

Von 1. Juli 2016 - 17:42 Uhr

Auch wenn Rufsäulen für Taxis und Notrufe weniger genutzt werden als früher, sind sie notwendig. Wer sie mutwillig zerstört, erweist der Allgemeinheit einen Bärendienst.