Königin der Instrumente aus Ludwigsburg wird restauriert Der Bund gibt Geld für eine Walcker-Orgel

Von Hannah Lau 

Ein über 80 Jahre altes Instrument, das in der ältesten Synagoge von Buenos Aires steht, wird generalüberholt. Foto: dpa
Ein über 80 Jahre altes Instrument, das in der ältesten Synagoge von Buenos Aires steht, wird generalüberholt.Foto: dpa

Anfang der dreißiger Jahre ist in der Ludwigsburger Firma Walcker eine Orgel gebaut worden, das heute in der ältesten Synagoge von Buenos Aires steht und seit 15 Jahren nicht gespielt wurde. Jetzt wird es restauriert.

Ludwigsburg/Buenos Aires – Für Gerhard Walcker-Mayer war es eine freudige Nachricht: eine einst in Ludwigsburg von dem traditionsreichen Familienunternehmen Walcker hergestellte Orgel soll restauriert werden. Sie steht in Argentinien in der ältesten Synagoge von Buenos Aires. Restauriert wird sie mit der Unterstützung der Bundes­regierung. Dies bekräftigte die Staats­ministerin Maria Böhmer bei einem Besuch in der Synagoge der Congregación Israelita anlässlich der Regierungsübernahme durch Präsident Mauricio Macri.

Gerhard Walcker-Mayer bemüht sich bereits seit geraumer Zeit um eine Instandsetzung: „Seit ein paar Jahren haben wir hin und wieder mit verschiedenen Orgelliebhabern in Argentinien Kontaktaufnahmen. Die Liebe zu der Orgel ist ungebrochen, obwohl die Kosten für den Erhalt kaum aufgewendet werden können.“ Das Instrument wird seit 15 Jahren nicht mehr gespielt. Es soll von lokalen Technikern mit Unterstützung von Walcker repariert werden. Die auf ein Jahr angesetzte Restaurierung soll knapp 28 000 Euro kosten.

Rund 30 Orgeln für Synagogen entstanden bei Walcker

Anfang der dreißiger Jahre ist das Instrument in der Werkstatt des Ludwigsburger Familienunternehmens gebaut worden. „Sie zählt damit zu einer von drei weltweit noch erhaltenen Orgeln, die der deutsche Orgelbauer für Synagogen her­gestellt hat“, erklärte Böhmer. „Ich freue mich, dass wir einen Beitrag dazu leisten können, dass mit ihrer Restaurierung bald wieder Musik hier erklingen wird, die die Menschen miteinander verbindet.“

Für rund 30 Synagogen baute Walcker vor der Machtübernahme der National­sozialisten Orgeln. „Das war schon etwas Außergewöhnliches, weil die Orgel von konservativen Juden abgelehnt wird“, erklärt Gerhard Walcker-Mayer, der Orgelbaumeister in der siebten Generation ist. „Aber es gibt sogar eigene Kompositionen für diese Instrumente.“

Die Firmengeschichte reicht bis in 18. Jahrhundert zurück

Insgesamt hat das Familienunternehmen bis heute rund 6000 Orgeln gebaut. Die meisten befinden sich in Süddeutschland. Doch die Werkstatt hat es nicht leicht. „Der Orgelbau heute geht keiner blühenden Zukunft entgegen“, lautet die Einschätzung von Walcker-Mayer. „Es ist eher so, dass ein Betrieb nach dem anderen schließt. Wir sind froh, uns mit Restaurierungen über Wasser halten zu können.“ Da kann es schon auch vorkommen, dass der Orgelbauer nach Costa Rica reist, um sich dort einem alten Instrument zu widmen.

Die Geschichte der Orgelbaufirma Walcker reicht bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts und zu dem Orgelbauer Johann Eberhard Walcker zurück. Seit 1986 ist die Firma Walcker nicht mehr von Ludwigsburg aus tätig; heute ist ihr Sitz in Saarbrücken. Die Werkstatt ist klein, da die Arbeit zu 90 Prozent außerhalb des Landes erfolgt: in Schottland, Italien, Australien, Ägypten, Frankreich oder auch Kolumbien.

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