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Koalition einig 44 Gymnasien mit neunjährigen Zügen

dpa/lsw, vom 13.12.2011 07:46 Uhr
Im Südwesten sollen künftig verteilt auf zwei Jahre 44 Gymnasien wieder neunjährige Züge einführen können.  Foto: dpa
Im Südwesten sollen künftig verteilt auf zwei Jahre 44 Gymnasien wieder neunjährige Züge einführen können. Foto: dpa
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Stuttgart - Im Südwesten sollen künftig verteilt auf zwei Jahre 44 Gymnasien wieder neunjährige Züge einführen können. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens von Grün-Rot am Montagabend im Staatsministerium. Konkret soll es ab dem Schuljahr 2012/13 an 22 Gymnasien Modellversuche mit G 9-Zügen geben, im darauffolgenden Schuljahr weitere 22. „Vielen Eltern ist es ein großes Anliegen, dass G 9-Züge ermöglicht werden. Diesem Anliegen werden wir jetzt gerecht“, unterstrichen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD).

Darüber hinaus plant die Koalition aber auch das bisherige G 8 durch eine Weiterentwicklung des Bildungsplans und durch die Erhöhung der Zahl der Poolstunden zu verbessern. Neben den jetzt zu realisierenden G 9-Schulversuchen wird es mit der Einführung der Gemeinschaftsschule weitere Angebote für das neunjährige Abitur geben. Die neuen Schulversuche basierten auf dem Bildungsplan des G 8, betonten Kretschmann und Warminski-Leitheußer. Das Kultusministerium sei beauftragt worden, dazu ein präzises Konzept zu erarbeiten. Den Antrag auf Teilnahme am Schulversuch stelle der Schulträger. Die „Dehnung“ solle in unterschiedlichen Klassenstufen erprobt werden. Die letzte Entscheidung über die Modellversuche treffe das Kabinett.

Grüne und SPD mit weit auseinanderliegenden Positionen

Die Grünen und die SPD waren mit weit auseinanderliegenden Vorstellungen in das Gespräch gegangen: Die Grünen hatten zuletzt für 19 teilnehmende Schulen an dem Modellversuch plädiert. Die SPD wollte, dass 120 Schulen mitmachen können. Das entspräche einem Drittel aller Gymnasien und damit der Höchstzahl für eine Teilnahme an einem Modellversuch. Seit dem Schuljahr 2004/05 gibt es im Südwesten nur noch achtjährige Gymnasien. Der Philologenverband hatte vor Beginn des Spitzengesprächs vor einer nur halbherzigen Wiedereinführung von neunjährigen Zügen am Gymnasium gewarnt. „Es sieht nach einer Beerdigung erster Klasse aus“, sagte Landeschef Bernd Saur.

Hinter den Bestrebungen, nur wenige Modellschulen zu genehmigen, vermutete Saur den Versuch von Grün-Rot, keine Konkurrenz zur geplanten Gemeinschaftsschule zu schaffen. „G9 wird der Gemeinschaftsschule das gymnasiale Potenzial wegnehmen“, sagte Saur. Generell seien Modellversuche mit dem wieder verlängerten Weg zur Hochschulreife widersinnig. „Man muss doch nicht erproben, was sich jahrhundertelang bewährt hat.“ Jeder Schüler müsse die Möglichkeit haben, einen G9-Zug zu erreichen.

Nach Saurs Einschätzung kommt ein Drittel der Schüler im achtjährigen Gymnasium gut mit, ein weiteres Drittel schafft den beschleunigten Bildungsgang mit viel Mühe und Arbeit, der den Kindern insbesondere in der Mittelstufe viel abverlange. „Für den Rest wäre ein neunjähriges Gymnasium passend.“ Es sei ungerecht, wenn nur wenige Schüler im Land neunjährige Züge wählen könnten. Deshalb dürfe es keine Begrenzung bei der Genehmigung von G9 geben.

Der Landesschülerbeirat sprach sich dafür aus, dass alle Schulen, die das wünschen, wieder zu neunjährigen Zügen zurückkehren können. Dabei bieten sich nach den Vorstellungen des Gremiums zwei Varianten an: Das zusätzliche Jahr wird in die Mittelstufe eingefügt oder nach der zehnten Klasse eingeschoben. Der Philologenverband will dagegen die gesamte Schulzeit zwischen fünfter und zehnter Klasse um ein Jahr „dehnen“.

 

 

Kommentare (6)
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DEZ
13
15:11 Uhr, geschrieben von Franz B.
@G 8 mus bleiben?
Mein Jüngster macht gerade Abi als letzter G9 Jahrgang. Dabei lungert er keinesfalls auf der Straße herum, es gibt auch so Schulstress genug. Ich sehe keinen Grund dafür, dass der Schulstoff noch mehr komprimiert wird und die Zahl der Unterrichtsstunden wächst. Ich kann in G8 keinen Vorteil erkennen.
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DEZ
13
13:26 Uhr, geschrieben von tpseppel
Das ist sie wieder....
die Dreigliedrigkeit, die man durch eigentlich abschaffen wollte. Gemeinschaftsschule, G8 und G 9 wird über kurz oder lang die gleichen Schülerstrukturen aufweisen wie bisher Haupt-/Werkrealschule, Relaschule und Gymnasium. Ein paar Jahre kann man damit Eltern blenden, aber die Gemeinschaftsschule wird dann mit dem Ruf der Hauptschule zu kämpfen haben. Mal schauen, was die Nachfolgeregierung dann für eine Sau durchs Dorf jagt.
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13
13:13 Uhr, geschrieben von Z.
Unsinn hoch drei - lieber G8 verbessern
Ich bin für die notwendigen Schulreformen der grün-roten Koalition. Nur: das ist weder eine Reform noch ist sie notwendig. Es ist der unsinnige Versuch, reaktionär eine Reform zurück zu drehen, statt sie besser zu gestalten. Es ist doch Unsinn, dass am Ende Baden-Württemberg das einzige Land ist mit 13 Schuljahren bis Abi. Und international ist es erst recht Unsinn: nirgendwo schickt man die Schüler länger in die Schulen als bei uns! Wenn ein englischer, französischer oder spanischer Ingenieur aber am Ende drei Jahre früher ins Berufsleben tritt, sind unsere schlicht benachteiligt. Ich denke, dass die meisten Schüler G8 wollen. Und danach lieber ein Jahr Ausland oder anderes. Der Trend ist doch gewesen, sich nach Klasse 13 kein Jahr mehr leisten zu können, um irgendetwas Anderes zu machen. Und zur Ehrlichkeit gehört auch: liebe Schüler, wer ein Jahr länger zur Schule geht, arbeitet ein Jahr später und muss am Ende - wegen der Rente - ein Jahr länger arbeiten. Also Rente mit 68 statt mit 67. Denn G8 ist in die Rente mit 67 einberechnet. Nun denn: ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler so klug sind, im Falle der Wahl lieber G8 zu nehmen: man hat dann mehr vom Leben ...
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