Klinikverbund Südwest Ständiger Spagat zwischen Herz und Politik

Von Gerlinde Wicke-Naber 

Nach sieben Jahren beim Klinikverbund Südwest  macht  Elke Frank nun den Abflug zum  Mainzer Uniklinikum. Foto: Klinikverbund Südwest
Nach sieben Jahren beim Klinikverbund Südwest macht Elke Frank nun den Abflug zum Mainzer Uniklinikum.Foto: Klinikverbund Südwest

Die Klinikenchefin Elke Frank sagt Adieu. Nach sieben Jahren verlässt sie den Klinikverbund Südwest und wechselt an die Uniklinik Mainz. Am Freitag ist ihr letzter Arbeitstag.

Sindelfingen - Wie sich die Bilder gleichen. „Ein Meer von Blumen schmückt das Arbeitszimmer von Elke Frank“, haben wir im April 2012 geschrieben, als sie offiziell als Geschäftsführerin des Klinikverbunds Südwest eingesetzt wurde. Die Mitarbeiter empfingen sie mit offenen Armen, nachdem sie bereits ein halbes Jahr interimsweise die Geschäfte geführt hatte und davor ein Jahr lang die Stellvertreterin des Geschäftsführers Gunther Weiß gewesen war. Ein Mann, der als Karrierist galt und dem man einen rüden Führungsstil nachsagte, über den er am Ende stolperte.

Frank hingegen, die einst als Krankenschwester im Gesundheitsbetrieb angefangen hatte, später Betriebswirtschaft studierte und in Humanbiologie promovierte, galt als offen, sozial kompetent und Anhängerin eines kooperativen Führungsstils. „Wird die Anfangseuphorie bei Ihren Mitarbeitern anhalten?“, fragten wir sie im Antrittsinterview. Und Frank meinte, wenn sie auch ein Jahr später noch Blumen bekommen würde, dann habe sie wohl einiges richtig gemacht.

Offenbar hat sie das. Knapp vier Jahre später, in der letzten Arbeitswoche der scheidenden Chefin, schmücken wieder diverse Sträuße ihr Büro. „Ich habe viele Geschenke bekommen“, berichtet Elke Frank und kann ihre Wehmut über ihren Abschied nicht ganz verbergen. „Am meisten gerührt hat mich das Geschenk einer Mitarbeiterin an der Pforte, die mir zwei selbstbestickte Tischdecken brachte und sagte: ‚Sie waren immer für uns da’.“

Medizinkonzeption auf den Weg gebracht

Franks Erfolge können sich sehen lassen. Ihre eigenen Ziele sowie die Vorgaben des Aufsichtsrats hat sie weitgehend umgesetzt: Die zentrale Flugfeldklinik ist auf den Weg gebracht, ebenso das Medizinkonzept für den gesamten Klinikverbund, das Defizit hat sie gesenkt, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Standorten und auch landkreisübergreifend deutlich ausgebaut. Zufrieden sei sie mit ihrer Bilanz, sagt Elke Frank, „aber das ist nur ein guter Anfang. Das Fundament ist gelegt. Jetzt müssen die Themen weiter vorangetrieben werden“. Das übernimmt zunächst ihr Stellvertreter Martin Loydl.

Künftig arbeitet Frank in einem Team von vier Geschäftsführern. „In Mainz steht man dort, wo der Klinikverbund stand, als ich angefangen habe. Jetzt geht es darum, dort neue Strukturen zu schaffen“, erklärt Frank ihre neue Aufgabe. Diese sei näher dran am „operativen Geschäft“ als beim Klinikverbund. „Künftig führe ich wieder die Wirtschaftsgespräche mit den Chefärzten, bin in die Dienstplanverhandlungen eingebunden.“ Das habe ihr die vergangenen Jahre gefehlt. Beworben hat sich Frank nicht für diesen Job, sondern sie wurde angefragt. Dabei lag die Verlängerung ihres noch ein Jahr laufenden Vertrags beim Klinikverbund Südwest schon unterschriftsreif auf dem Tisch. Die besonderen Herausforderungen einer Universitätsklinik locken die 47-Jährige. „Ich komme ja von einer Uniklinik, war viele Jahre in Ulm.“

Zwischen Sparzwang und Notwendigkeiten

Viele Mitarbeiter des Klinikverbunds werden sie vermissen. Aber auch andere Stimmen sind zu hören. „Der Ton von Frau Frank war freundlich. Aber in der Sache hat sich nichts geändert. Sie hat den gleichen Sparkurs gefahren wie ihr Vorgänger und auch unter ihrem Nachfolger wird das nicht anders. So sind nun mal die Strukturen“ – auch solche Aussagen fallen in den Krankenhäusern des Verbunds.

Solche Vorwürfe nicht persönlich zu nehmen, habe sie im Laufe der Jahre gelernt, sagt Frank. Und sie habe Verständnis für manchen Ärger der Mitarbeiter über Sparmaßnahmen. Auch in ihr selbst schlage „das Herz der Krankenschwester in der Geschäftsführung gegen die große Gesundheitspolitik“. Geschlaucht habe sie „der ständige Spagat zwischen dem, was notwendig ist, und dem, was wir finanzieren können“. Trotzdem sei das Betriebsklima in den Kliniken wesentlich besser als noch vor einigen Jahren, ist sie überzeugt. Davon zeugten auch die steigenden Bewerberzahlen für die Stellen. „Wir sind wieder ein attraktiver Arbeitgeber geworden.“

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