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Klick, klack, klick, klack - fast wie Fred Astaire

"Filder-Zeitung", vom 22.02.2012 02:38 Uhr
Serie Cloggen ist ein gutes Konditionstraining, bei dem es auf dieTechnik ankommt - sonst klappert"s nicht. Von Susanne Degel

Würde sich Sport allein übers Schwitzen definieren, dann wäre Clogging schon fast ein Leistungssport. Es dauert an diesem Abend jedenfalls nicht lang, bis sich bei den Protagonistinnen die ersten Schweißperlen von der Stirn den Weg über die geröteten Backen bahnen. Kaum eine Sekunde in den 20 Minuten davor, in denen die Cloggers vom Team Quicksteppers aus Leinfelden Zeit hatten, einmal tief durchzuatmen. Und so kommen dem Kommando "Trinken" auch alle gern nach. "Wer bei uns nicht konzentriert bei der Sache ist, der hat keine Chance", sagt die Trainerin Gertraud Gagne, die dem Tanzsport seit mehr als 20 Jahren frönt. Klick, klack, klick, klack - ein Step nach vorne, ein Step nach hinten, dann zur Seite, dabei die Arme kreisen und kreuzen, die Hände des Partners abklatschen, und das bei einem Tempo, bei dem es einem schwindelig werden könnte. Sport? Jawohl, Sport!

Clogging ist ein nordamerikanischer Stepptanz, der sich aus verschiedenen europäischen Volkstanzformen entwickelt hat und der ein wenig dem Stepptanz ähnelt, wie man ihn aus Filmen mit dem legendären Fred Astaire kennt. Der Unterschied besteht indes nicht nur in den Schritten, sondern vornehmlich auch im Schuhwerk: Die Cloggers haben neben den beiden festen Metallplatten an Ferse und Fußspitze zwei weitere locker befestigte Platten. Dadurch entsteht schon ein Geräusch, wenn man den Fuß nur in der Luft bewegt. Entsprechend hoch ist auch der Geräuschpegel in der Echterdinger Zehntscheuer, wo sich an diesem Trainingsabend 13 Frauen und zwei Männer auf dem Parkett versuchen.

Synchronität ist das oberste Gebot, nicht nur was die Choreografie anbelangt. Auch das Klicken und Klackern der Metallplatten, der sogenannten Taps, sollte möglichst zeitgleich erfolgen. "Wenn alle immer zur gleichen Zeit aufkämen, wäre das perfekt", sagt Friedrich Witte, der Vorsitzende des Renegades Quicksteppers Clogging Club Leinfelden-Echterdingen. Vor 14 Jahren hat der heute 31-jährige Rechtsanwalt mit dem Cloggen angefangen. Vom "riesigen Spaß" hat er nichts eingebüßt. Wenn man mal angefangen habe, komme man nicht mehr davon los.

Traditionell tanzen die Cloggers zwar zu Blue Grass-, Country- und Westernmusik, inzwischen cloggt man aber "auf alles, das halbwegs tanzbar ist", sagt Friedrich Witte und reiht sich schnell wieder in die Reihen seiner Mitstreiter ein. Aus den Lautsprechern ertönt Mamma Mia von Abba, auf der Bühne gibt Gertraud Gagne die ersten Kommandos durchs Mikrophon und macht noch einmal die Schrittkombinationen vor - so lange, bis alle den Rhythmus haben. Auch Valerie Bezler. Die 19-Jährige war wegen der Vorbereitungen aufs Abitur längere Zeit nicht im Training. Nach einer Stunde merkt man ihr das aber nicht mehr an. Dass die Musbergerin das traditionelle Steppen für das Clogging aufgegeben hat, hat vor allem einen Grund: "Hier herrscht einfach eine typische amerikanische Easy-going-Atmosphäre", sagt sie. "Man kommt schnell wieder rein." Anstrengung hin oder her.

Im Wesentlichen besteht Clogging aus acht Schritten, die die Grundlage für alle Schrittkombinationen bilden. Gelernt sind sie relativ schnell. Entscheidend ist letztlich die richtige Technik. "Sonst klappert"s nicht", sagt Friedrich Witte. Und dass die Schritte in Fleisch und Blut übergehen müssen, weiß man spätestens nach ein paar Minuten des Zuschauens. Das Tempo nämlich ist rasant, manchmal gar scheint es, als ob die nach allen Seiten schwingenden Unterschenkel den restlichen Körper überholen wollen. "Wenn man Gas gibt und die Beine ordentlich hebt, dann kann man viele Kalorien verbrauchen. Cloggen ist ein gutes Konditions- und Koordinationstraining", sagt Gertraud Gagne, die das Cloggen im Selbststudium und über mehrere Workshop-Besuche erlernt hat, Letztere auch in den USA, wo Cloggen einen ganz anderen Stellenwert hat als hierzulande. "Dort gibt es riesige Turniere, bei denen man nicht nur Pokale, sondern auch Stipendien für das College und die Uni gewinnen kann", sagt Dennis Gagne, ein gebürtiger US-Amerikaner, der, trotz seiner 67 Jahre, bei den Quicksteppers noch gut mithalten kann.

Überhaupt ist das Alter im Leinfeldener Clogging-Club, einem von rund 70 in Deutschland, bunt gemischt. Von der Schülerin bis zur Rentnerin klicken und klackern sie im Takt - und das nicht nur, bis sich die ersten Schweißperlen den Weg bahnen. Danach geht es erst richtig los.

In unserem nächsten Serienteil am kommenden Mittwoch beschäftigen wir uns mit Dart.

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