Kleinkinder Studie: Südwesten bei Kinderbetreuung vorn

Von Maria Wetzel 

Wie viele Kinder ein Erzieher betreut, ist regional sehr unterschiedlich. Foto: dpa-Zentralbild
Wie viele Kinder ein Erzieher betreut, ist regional sehr unterschiedlich. Foto: dpa-Zentralbild

In Baden-Württemberg steht mehr Personal bereit als in anderen Bundesländern – aber auch nicht genug. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Berlin/Stuttgart - Die Krippen und Kindergärten in Baden-Württemberg sind bundesweit am besten mit Personal ausgestattet. Bei der Kleinkindbetreuung kommen auf eine Fachkraft drei Kinder unter drei Jahren (bundesweit 4,3), bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es rechnerisch 7,2 Kinder (bundesweit 9,2). Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Montag veröffentlicht wurde.

Allerdings gibt es auch im Südwesten erhebliche Unterschiede. Während sich im Kreis Calw eine Erzieherin im Schnitt um 2,5 Kinder kümmert, sind es in Mannheim 3,9 Kinder. Bei den Älteren ist Stuttgart mit 6,1 Kinder je Fachkraft deutlich besser versorgt als die Kreise Lörrach und Waldshut mit bis zu 8,3 Kindern. Am ungünstigsten ist der Betreuungsschlüssel in den ostdeutschen Ländern. In Sachsen kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um 6,5 Kleinkinder. Bei den älteren Kindern ist Mecklenburg Schlusslicht – mit 13,7 Kindern je Fachkraft. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, kritisiert die große Spannweite: „Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche ­Kitaqualität in ganz Deutschland.“

Kultusministerin sieht auch Kindergartenträger gefordert

„Die Städte tun, was sie können – im Baubereich wie auch im Personalbereich“, betonte Benjamin Lachat, Dezernent des Städtetags Baden-Württemberg. Trotz zusätzlicher Ausbildungsplätze fehle es weiter an Erzieherinnen. Seit 2006 hat sich die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter in den Kitas laut der Studie von rund 46 350 auf mehr als 85 000 erhöht. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl derer, die eine Erzieherausbildung begannen, von 2938 auf 4769. Aber nicht alle wechseln danach in einen Kindergarten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht dafür auch die Rahmenbedingungen verantwortlich: „Wir brauchen eine bessere Bezahlung, eine bessere Fachkraft-Kind-Relation und eine verbindliche Leitungszeit für alle Kitaleitungen“, forderte Landeschefin Doro Moritz. Nötig sei eine verlässliche Vereinbarung zwischen Land und Kommunen, sagte Steffen Jäger, Erster Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg. Der von der Landesregierung angekündigte „Pakt für gute Bildung und Betreuung“ müsse dies sicherstellen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht auch die Kindergartenträger gefordert. „Die praxisintegrierte Erzieherausbildung ist ein Erfolgsmodell“, sagte sie. Die Fachschulen könnten mehr Schüler aufnehmen, diese fänden aber „häufig keinen Ausbildungsplatz“. Bei dieser Form der Ausbildung werden die angehenden Erzieher anders als bei der rein schulischen bezahlt.

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