Kita ohne christliches Beiwerk in der Halbhöhenlage

Von "S-Innenstadt" 

Mörikestraße Die Humanisten Baden-Württemberg schaffen in ihrer Geschäftsstelle 24 Kinder-Betreuungsplätze. Von Sybille Neth

Mörikestraße Die Humanisten Baden-Württemberg schaffen in ihrer Geschäftsstelle 24 Kinder-Betreuungsplätze. Von Sybille Neth

Die gediegene Villa Kaulla in der Mörikestraße 14 wird bald durch spielende Kinder neu belebt. Geht alles nach Plan, eröffnen die Humanisten Baden-Württemberg dort im Haus ihrer Geschäftsstelle im Herbst 2011 eine Kindertagesstätte mit 24 Plätzen für die Kleinsten vom Babyalter an bis zu drei Jahren. Aber die Kita soll mitwachsen, kündigt der Geschäftsführer der Humanisten, Andreas Henschel, an. "Die Stadt fördert zwar nur Einrichtungen für Null bis Dreijährige, aber die Frage stellt sich "wie geht es ab Drei weiter"?" Insgesamt fünf Vollzeitstellen für Erzieherinnen will Henschel schaffen, letzten Endes hänge aber die Anzahl vom Betriebskostenzuschuss ab, den die Stadt an die freidenkerische Vereinigung zahlen wird.

Zunächst jedoch ist ihr Geschäftsführer erst einmal froh, dass sein Antrag auf den Baukostenzuschuss von 342 000 Euro nach gut zweieinhalb Jahren Laufzeit vor der Sommerpause im Gemeinderat bewilligt wurde. 120 Betreuungsplätze fehlen im Viertel um die Karlshöhe, weiß Henschel und rechnet fest damit, dass die Kita in der originalgetreu renovierten Villa des jüdischen Bankiers Rudolf Kaulla aus dem Jahre 1910/11 in bester Halbhöhenlage eine breite Nachfrage finden.

Geplant ist die Einrichtung keineswegs nur für den Nachwuchs der 1200 Stuttgarter Mitglieder des Verbandes. Das Angebot wendet sich an alle Bewohner des Stadtbezirks. Besonders will-kommen sind Kinder aus Migrantenfamilien mit bildungsbürgerlichem Hintergrund, "denn die suchen ja eine Alternative zu Betreuungseinrichtungen mit religiöser Tradition", betont Henschel. Dies zeigten die Erfahrungen aus Berlin, Hannover, Nürnberg, Fürth und Offenbach, wo die Humanisten sehr erfolgreich schon seit Jahren zahlreiche Kindertagesstätten betreiben.

"Wir werden eine ganz normale Kita betreiben, aber eben ohne christliche Inhalte. Dennoch wird auch bei uns Weihnachten gefeiert, aber der Baum heißt Tannenbaum und Ostern ist bei uns ein Frühlingsfest", erläutert Henschel. Besonders wichtig ist dem Verband unter anderem die musikalische Frühförderung der Kinder. Zuvor muss im Lauf der kommenden Monate das Untergeschoss der Villa umgebaut werden. In den größtenteils leer stehenden Räumen wurden früher die Verbandspublikationen gedruckt, jetzt sind sie Abstellflächen. In den künftigen Gruppenräumen werden die Fenster vergrößert und damit in ihren früheren Zustand zurückversetzt. Wände werden entfernt und neben neuen Sanitäranlagen auch eine Küche eingebaut, in der das Mittagessen gekocht wird. Auch ein Teil des Außenbereichs um die Villa wird zu einer Spielfläche umgestaltet.

Eine Einnahmequelle werde die Kindertagesstätte mit Sicherheit nicht werden, "aber mit der neuen Einrichtung werden die Humanisten als Verband Profil gewinnen", hofft Henschel. Seit 13 Jahren macht die freireligiöse Landesgemeinde Kulturarbeit in der Villa Kaulla, die sie 1993 von der Stadt kaufte. Das damals stark heruntergekommene Gebäude war zuvor eine Außenstelle des Gesundheitsamtes gewesen. Der Verband, der sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert, ließ das Gebäude, das von den Architekten der Villa Reitzenstein Schlosser und Weirether stammt, sanieren. Auch die Original-Kronleuchter und einige Möbelstücke aus dem Besitz der Bankiersfamilie wurden restauriert. Heute wird die Villa für Hochzeits-und Namensfeiern der Humanisten sowie für Veranstaltungen genutzt.

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