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Kindesmissbrauch Späte Anerkennung für missbrauchte Heimkinder

Frank Krause, vom 07.12.2010 18:05 Uhr
Das Kunstwerk "Im Namen des Herrn" (Ausschnitt) der Künstler Gudrun Adrion und Eckhardt Kowalke  Foto: dpa
Das Kunstwerk 'Im Namen des Herrn' (Ausschnitt) der Künstler Gudrun Adrion und Eckhardt Kowalke Foto: dpa
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Stuttgart -  Jahrelang haben Helmut Klotzbücher und andere ehemalige Heimkinder um eine öffentliche Anerkennung ihres Leids gekämpft. Nun sind die misshandelten Kinder von einst am Ziel. Der Petitionsausschuss des Landtags will heute in Stuttgart parteiübergreifend eine Entschließung verabschieden, die nur ein Ziel hat: Das Land soll den Opfern von einst helfen - in finanzieller Hinsicht und bei der Aufarbeitung der Skandale von einst.

Klotzbücher gehört zu den Opfern von damals. Er ist 13 Jahre alt, als er eines Morgens im Jahr 1953 vom Jugendamt abgeholt und in ein Kinderheim nach Oberschwaben gebracht wird. Das Argument: Weil sich seine Eltern scheiden lassen, sei er im Heim besser aufgehoben. Zuerst muss er tagelang in einem sogenannten Besinnungszimmer stehen und erhält zum Essen nur einen Kanten Brot und etwas Tee. Manchmal wird er vom Hausherrn, einem Pfarrer, mit der Rute geschlagen. Irgendwann kommt er in den 30-Mann-Schlafsaal des Heims. Tagsüber müssen die Kinder arbeiten. Wer nicht mitzieht, wird brutal bestraft. Klotzbücher wird ein Zahn ausgeschlagen, die Hand aufgeschlitzt, der Fuß gebrochen. Irgendwann wird der Jugendliche zum Bettnässer. Das katholische Heim lässt ihn in die Klinik nach Tübingen bringen. Der Junge wird auf einem Bett festgeschnallt, die Ärzte legen ihm Drähte an Hoden und Penis an, dann wird der Strom aufgedreht. Die Hoffnung, eines Tages eine Familie zu gründen, sind für immer zunichte gemacht. "Die Kirchen haben sich in ihrem Vorgehen immer auf göttliches Recht berufen. Aber was wir erlebt haben, waren massive Menschenrechtsverletzungen", sagt der alte Mann heute im Rückblick.

Betroffene sollen finanziell entschädigt werden

Beim Petitionsausschuss des Landtags fanden Klotzbücher und andere Missbrauchsopfer schließlich Gehör. Und genau dieses Gremium geht mit einer Entschließung nun voran. Zwischen 1949 und 1975 seien "emotionale Verwahrlosung und körperliche Misshandlung in Einrichtungen auch in Baden-Württemberg häufig an der Tagesordnung" gewesen, heißt es in dem Papier, das unserer Zeitung vorliegt. Viele Heimmitarbeiter hätten "ihre Macht über andere missbraucht und ihnen schwere physische und psychische Verletzungen zugefügt". Die Vorkommnisse seien "nicht zu rechtfertigen", und der Landtag bedaure, dass "in der Folgezeit nur wenige hierfür zur Rechenschaft gezogen wurden".

Der Ausschuss unter Führung des CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Döpper will es aber nicht nur bei Worten belassen. In der Resolution, die nächste Woche vom Landtag verabschiedet werden soll, werden zugleich konkrete Schritte gefordert. Da viele Missbrauchsfälle von einst noch nicht aufgeklärt sind, sollte das Land dafür sorgen, "dass vorhandene Akten bei Jugendämtern, Heimen und Gerichten gesichert und an einer zentralen Stelle gesammelt werden", appelliert die Abgeordnete Andrea Krueger (CDU). Darüber hinaus möge das Land den Opfern "jede mögliche Hilfe bei der Biografieforschung zur Verfügung stellen".

Unabhängig davon sollen die Betroffenen aber auch eine finanzielle Entschädigung erhalten. Doch genau das ist noch der Knackpunkt. Denn der Runde Tisch des Bundestags, an dem sich Vertreter von Kirchen, Heimträgern und der Politik seit Monaten mit der Aufarbeitung von Fällen wie jenem von Klotzbücher beschäftigen, ist uneins über die Zuständigkeit für Zahlungen. Nächsten Montag will das Gremium unter Vorsitz der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer seine Empfehlungen in Berlin vorlegen. Alles deutet derzeit auf einen Hilfsfonds von bis zu 100 Millionen Euro hin, gespeist von den Heimträgern, dem Bund und den Ländern. Aus Sicht von Ausschusschef Döpper muss Baden-Württemberg mitmachen. "Wenn der Runde Tisch seine finanziellen Maßnahmen beschließt, dürfen sich die Landesregierung und der Landtag dem nicht verschließen."

Kommentare (2)
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DEZ
13
21:45 Uhr, geschrieben von Rudolf Hosky
Heimerziehung
Auch ich wurde am 17.11.1957 vom Jugenamt "abgeholt. Meine Mutter war durch die Kriegsereignisse und dem Verlust Ihres Mannes im Felde, psychisch angeschlagen. Nach Aussage des Jugendamtes war meine Erziehung dadurch nicht sichergestellt. Ich hatte gerade die mittlere Reife in einer Handelschule absolviert und war auf der Suche nach einer geeigneten Stelle. Ma griff mich und brachte mich nach Idstein in den Kalemhof. Hier wurde ich wie ein Tier eingesperrt und wie viele andere gedemütigt. Jeden Tag mussten wir Zwangsarbeit leisten und Trenagen ausheben oder verfüllen. Es war eine unendliche Leidenszeit. Die sogenannten Erzieher waren nichts anderes als KZ-Wärter.Da gab es auch mal was in die Fresse. Noch heute weiß ich nicht mit was ich so etwas verdient habe. Ich bin zwar nie auf die schiefe Bahn geratenund habe immer ordentlich gearbeitet. Aber die Zeit meiner Unterbringung hat mir als Anschluß an eine bessere Lebensqualität fernerhin gefehlt. Heute erhalte ich lächerliche 530,00 € Rente. Mit schauern denke ich an diese Zeit zurück. 50.000,00€ Entschädigung sind für so etwas noch zu wenig.. Ein Staat der sich heute so sozialhuman heraushebt sollte auch diesen braunen Restmüll mit entsprechenden Enschädigungen beseitigen.
DEZ
13
20:15 Uhr, geschrieben von Horst von Eckern
Behördenmißbrauch
Es ist heute leicht über die Zustände in den deutschen Kinderheimen zu sprechen,aber die Hauptschuldigen saßen in den Behörden die sich ohne Skrupel über Familie und Recht hinwegsetzten und die Heime mit Nachschub versorgtenDie Zust denn auch die Arbeitskraft der Kinder wurde gebraucht und missbraucht.Die Zustände in den Heimen waren doch allgemein bekannt.Ich trage heute noch die Striemen auf meinem Rücken die ich als 11jähriger von sogenannten "Erziehern" als Andenken mit mir herumtrage.Weitere einzelheiten möchte ich der breiten Öffentlichkeit ersparen.
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