Kinderwissen Gesichter für Bösewichte

Von Kinderchefreporter Paul 

Einst wurden viele Phantombilder  gezeichnet. Heute hilft einem  der Computer. Foto: dpa
Einst wurden viele Phantombilder gezeichnet. Heute hilft einem der Computer. Foto: dpa

Rainer Wortmann zeichnet für das Landeskriminalamt in Stuttgart Phantombilder

Stuttgart - Eineinhalb Stunden dauert es, bis die Erinnerung ein Gesicht bekommt. So sehen sie also aus, die Männer und Frauen, die von der Polizei gesucht werden, weil sie irgendetwas angestellt haben. 300 bis 400 Phantombilder werden in Baden-Württemberg pro Jahr erstellt – von den sogenannten Phantombildzeichnern des Landeskriminalamts, wie Rainer Wortmann einer ist. Zu ihm und seinen Kollegen kommen Zeugen, aber auch Leute, die Opfer von einem Verbrechen geworden sind.

„Früher“, so erzählt Rainer Wortmann, „hat man die Gesichter noch mit Bleistift auf Papier gezeichnet.“ Heute braucht Wortmann meist nur seinen Computer. In einer Datenbank hat das Landeskriminalamt mehr als 4000 Gesichter gelistet. Aus der Vielzahl an Nasen und Mündern, Augen und Haaransätzen puzzelt Wortmann dann ein Phantombild zusammen, das der Täterbeschreibung am nächsten kommt.

Dass dies nicht immer einfach ist, zeigte sich vor wenigen Tagen: Da hatte sich der Rapper Bushido auf einem Phantombild wiedererkannt, das eigentlich angefertigt wurde, um einen Straßenräuber aus Buxtehude zu finden. Tatsächlich hatte der Zeichner ein Foto Bushidos als Grundlage für das Phantombild genommen.

Wenn Rainer Wortmann ein Phantombild erstellt, dann hört er genau zu, fragt behutsam nach der Erinnerung. „Wer allerdings etwas erlebt hat, das ihm Angst gemacht hat, erinnert sich häufig an Details.“ Das Fingerspitzengefühl, das Wortmann sowohl für den Umgang mit den Opfern als auch beim Zeichnen der Gesichter braucht, hat er beim FBI gelernt, der Bundespolizei der USA. Um als Schüler aufgenommen zu werden, musste er drei Bilder von Gesichtern einreichen. Dann kam die Bestätigung aus Washington. Inzwischen gibt Wortmann selber Unterricht im Phantomzeichnen – in Deutschland und auch im Ausland. Selbst zu Hause lässt der 49-Jährige den Stift nicht aus der Hand. Dann allerdings nicht, um zu zeichnen, sondern um zu schreiben: ein Buch, wie Phantombilder am besten gelingen.

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