Helmut Schumacher, der für die FDP im Gemeinderat sitzt, ist empört. Er hatte beim Verkehrsministerium des Landes nachgefragt, wann denn mit dem sechsspurigen Ausbau der B 27 zu rechnen sei. Die Antwort hat ihn enttäuscht. Der Bund werde erst im Jahr 2015 bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans darüber entscheiden, ob das Projekt in die Kategorie "vordringlicher Bedarf" kommt, teilte das Landesministerium mit.
"Das ist eine Schande und Sauerei", erklärt nun der FDP-Stadtrat in einer Pressemitteilung. Es könne doch nicht wahr sein, dass vor 2015 gar nichts in Sachen Verbreiterung der Bundesstraße passiere. Wie viele Jahre werden dann noch bis zur Verwirklichung des Ausbaus vergehen?", fragt er sich - "zehn, 15, oder gar mehr?"
Schumacher fürchtet, dass dadurch der Bau einer Ostumfahrung Sielmingen begünstigt wird. Die will er jedoch möglichst verhindern. "Eine solche Straße würde viel zu viel Land verbrauchen", sagt der Landwirt. Bei der Verbreiterung der B 27 gehe nicht soviel wertvoller Filderboden verloren.
Schumachers Position findet allerdings in der eigenen Fraktion keine Unterstützung. Die beiden anderen FDP-Stadträte - Johannes Jauch und Jörg Platten - haben sich schon mehrfach dafür ausgesprochen, dass die Sielminger Ostumfahrung zusätzlich zum B-27-Ausbau kommen müsse. Erst vor kurzem wurde diese Auffassung sogar im Namen der ganzen Fraktion im Amtsblatt verbreitet. Schumacher hatte davon nichts gewusst.
Doch damit will er sich nicht aufhalten. Sein Kampf für eine baldige Verbreiterung der Bundesstraße geht unbeirrt weiter. Deshalb hat er auch die FDP-Bundestagsabgeordnete aus Leinfelden-Echterdingen, Judith Skudelny, um Unterstützung gebeten. Bisher hat sie jedoch noch nicht geantwortet. "Die Skudelny werde ich schon noch auf Trab bringen", sagt ihr Parteifreund.
Die Hoffnung auf einen früheren B-27-Ausbau hatte die SPD-Bundestagabgeordnete Karin Roth im Mai genährt. Sie hatte vom Bundesverkehrsministerium die Auskunft bekommen, dass überprüft werde, ob der Bedarfsplan für Fernstraßen der Verkehrsentwicklung anzupassen ist. Daraus schloss sie, dass dann auch das Ausbauprojekt auf den Fildern in die Kategorie "vordringlicher Bedarf" rutschen könnte.
Doch das ist nicht so. Laut Auskunft des Ministeriums wird derzeit nur überprüft, ob die Reihenfolge der bereits in dieser Kategorie geführten Straßenprojekte verändert wird. Dabei spiele der aktuelle Kosten-Nutzen-Faktor eine entscheidende Rolle. Dies bedeute aber nicht, dass Projekte wie der B-27-Ausbau, die unter "weiterer Bedarf" eingestuft sind, ihre Bewertung verändern können. Dies sei erst mit der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans im Jahr 2015 möglich. Die SPD-Abgeordnete Roth bestreitet dies. Offenbar sei es der politische Wille der Bundes- und Landesregierung, nicht anders zu verfahren, sagt sie
Unabhängig vom politischen Streit will Helmut Schumacher, dass sich die Verkehrssituation bald ändert. Deshalb hat er nun eine Interimslösung vorgeschlagen. Bis der Ausbau erfolge, könne man unter Einbeziehung der Standspur auf jeder Seite der Bundesstraße drei Fahrspuren ausweisen, erklärt er. Doch auch dieser Vorstoß scheint nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Laut Filderstädter Ordnungsamt ist die Standspur auf einigen Brücken, über die die B 27 führt, zu schmal, um eine dritte Fahrspur ausweisen zu können.