Katholische Kirchen im Stuttgarter Norden Mit Teamarbeit dem Priestermangel trotzen

Von Martin Braun 

Fünf Männer empfangen die Priesterweihe. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam es aber auch schon vor, dass in einem Jahr nur ein Priester geweiht wurde. Foto: dpa
Fünf Männer empfangen die Priesterweihe. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart kam es aber auch schon vor, dass in einem Jahr nur ein Priester geweiht wurde.Foto: dpa

Die katholischen Kirchengemeinden tun sich schwer, freie Pfarrstellen zu besetzen, auch im Stuttgarter Norden: In Weilimdorf wird es künftig wohl keinen Pfarrer mehr geben, die Pfarrstelle in Feuerbach ist seit über einem Jahr vakant – soll aber wieder besetzt werden.

Stuttgarter Norden - Seit gut einem Jahr ist die Pfarrstelle der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Feuerbach unbesetzt. Im Oktober geht Pfarrer Hanns Schäfer in Ruhestand. Seine Stelle in Weilimdorf soll zwar wieder besetzt werden, aber voraussichtlich nicht mit einem Priester. „Wir haben einen Priestermangel, das ist kein Geheimnis“, sagt Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gründe dafür sieht Renz vor allem im demografischen Wandel, zudem hätten sich das Lebensgefühl der Leute und ihre Haltung gegenüber der Kirche verändert. 559 Priester waren im vergangenen Jahr in der Diözese im Gemeindedienst aktiv. 2010 waren es noch 592. Immerhin hat sich dieser Rückgang zuletzt verlangsamt, schon im Jahr 2012 gab es nur noch 562 aktive Pfarrer in der Diözese.

Eine Reaktion der Kirche auf den Priestermangel ist, Seelsorgeeinheiten zu bilden. Dafür werden mehrere Kirchengemeinden zu einer Verwaltungseinheit verbunden, erklärt der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes. Ab 2017 werden diese zu sogenannten Gesamtkirchengemeinden. „Das ist keine Fusion. Die einzelnen Gemeinden bleiben dabei erhalten“, sagt Hermes. So bilden etwa St. Josef in Feuerbach, St. Theresia in Weilimdorf und die Salvatorgemeinde in Giebel eine Seelsorgeeinheit. Dort gibt es fünf Stellen für pastorale Mitarbeiter – das können Priester sein, Diakone, aber auch Pastoral- oder Gemeindereferenten. „Es ist gut, wenn man in dem Team eine gute Mischung hat“, meint Hermes. Heutzutage sei es eigentlich auch selbstverständlich, dass eine Frau Teil des Pastoralteams sei, sagt der Stadtdekan – auch mit Blick auf die frei werdende Stelle in Weilimdorf. Die solle zwar wieder ausgeschrieben werden, aber nicht für Pfarrer, sondern für Pastoralreferenten.

Die Pfarrstelle in Feuerbach ist seit Januar 2015 vakant

Anders in Feuerbach: Dort soll künftig die Leitung der Seelsorgeeinheit angesiedelt sein, und die obliege grundsätzlich einem Priester, sagt Hermes. Die dortige Pfarrstelle ist seit Januar 2015 vakant, aber der Stadtdekan ist guter Dinge, dass sie ab Herbst wieder besetzt werden kann. „Ich habe jetzt Anlass zur Hoffnung, dass sich jemand findet. Noch vor Ostern wissen wir es sicher.“ Die Entscheidung darüber fällt die Stellenvergabekommission im bischöflichen Ordinariat. Der gehört auch der Bischof an, der die Pfarrer letztlich ernennt. Bei der Entscheidung werde aber auch die Empfehlung des Dekans sowie die Meinung der Gemeinde berücksichtigt, erklärt Hermes das Verfahren.

Damit die Stelle zuvor überhaupt im Amtsblatt der Diözese ausgeschrieben werden kann, muss die Kirchengemeinde ein Stellenprofil erarbeiten. Hermes empfiehlt den Gemeinden, dabei in ihrer Selbstdarstellung wahrhaftig zu sein, und für die Besetzung keine eierlegende Wollmilchsau zu erwarten. Letztlich stehe es den Pfarrern wie auch den anderen pastoralen Mitarbeitern frei, auf welche Stellen sie sich bewerben. „Je mehr die Gemeinden vor Ort ihre Kräfte bündeln und je besser sie zusammenarbeiten, um so höher sind die Chancen, jemanden zu finden“, sagt der Stadtdekan. „Mehr Team, weniger Einzelkämpfer, das ist die Parole der Zukunft.“

Die Seelsorgeeinheiten müssen noch zusammenwachsen

Vor Ort falle es manchmal aber noch schwer, sich auf eine neue Gemeinschaft mit anderen Gemeinden einzustellen, sagt der Stadtdekan. „Es ist eine Frage der Gewohnheit.“ Tatsächlich habe sich die Seelsorgeeinheit auf das Gemeindeleben noch nicht so recht ausgewirkt, sagt Pater Konrad Werder von der Salvatorgemeinde. Das sehe im nächsten Jahr wahrscheinlich anders aus, wenn es die Gesamtkirchengemeinde gebe. „Es ist unsere gemeinsame Herausforderung, den Übergang zu gestalten“, sagt der Pater. Hoffnungsfroh stimmt ihn ein gemeinsames Fest der drei Gemeinden, das im vergangenen Sommer im Lindental gefeiert wurde, und das dazu beigetragen habe, Sorgen und Ängste der Gemeindemitglieder abzubauen. Manches werde aber sicher gewöhnungsbedürftig für die Leute sein, etwa wenn sich künftig Anzahl und Zeiten der Gottesdienste verändern würden.

„Es wird wohl nicht mehr gehen, dass alle zur Prime-Time sonntags um 10 Uhr ihren Gottesdienst haben“, sagt auch Christian Monka. Er ist der zweite Vorsitzende des Feuerbacher Kirchengemeinderats und arbeitet in der Gemeindeleitung eng mit dem dortigen Gemeindereferenten Stefan Ilg zusammen, seit die Pfarrstelle in St. Josef vakant ist. Man versuche, die Lücke durch verstärktes ehrenamtliches Engagement zu füllen, sagt Monka, etwa bei der Kommunion- und Firmvorbereitung. Für die Sonntagsgottesdienste würden meist pensionierte Priester einspringen. Zudem würden speziell ausgebildete Laien sogenannte Wort-Gottes-Feiern halten, ergänzt Ilg, während er und die Diakone der Seelsorgeeinheit Trauungen, Taufen und Beerdigungen leiteten.

In der benachbarten Seelsorgeeinheit 6 gibt es mit Manfred Griesbeck und Wilhelm Hiller noch zwei Priester. Aber auch dort fehlt Personal, sagt Pfarrer Griesbeck. Er ist für die Gemeinden St. Antonius in Zuffenhausen und Zum Guten Hirten in Stammheim zuständig. Im Pastoralteam der Seelsorgeeinheit, zu der noch die Gemeinden in Rot und Freiberg gehören, sei von fünf Stellen seit November eine unbesetzt. „Wir sind personell schon an der untersten Schiene, wenn wir voll besetzt sind. Da merkt man schon, wenn jemand fehlt.“ Allerdings sei momentan auch noch unklar, wer künftig die Leitung der Gesamtkirchengemeinde übernehme. Und solange mache es keinen Sinn, die Stelle auszuschreiben, meint Griesbeck. Er hoffe, dass das bischöfliche Ordinariat bis September eine Entscheidung getroffen habe und dann die Stellenausschreibung erfolgen könne.

Das ist in Botnang derzeit nicht nötig. Die dortige Gemeinde St. Clemens hat mit Pater Gregor Kosielski ihren eigenen Pfarrer. Und das Pastoralteam, das auch für die katholischen Gemeinden im Stuttgarter Westen zuständig ist, ist voll besetzt, sagt Ursula Müller vom Botnanger Pfarramt. „Wir sind momentan gut aufgestellt.“

Redaktion Weilimdorf

Ansprechpartnerin
Leonie Schüler
weilimdorf@stz.zgs.de

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