Je höher man steigt, desto schlechter wird die Sicht - zumindest wenn es um den Stellenmarkt für Führungskräfte geht. „Ab Jahresgehältern von 120 000 Euro suchen meistens Personalvermittler nach geeigneten Kandidaten, wenn das beauftragende Unternehmen eine Position nicht intern besetzen kann”, weiß Sörge Drosten, Geschäftsführer und Partner der Kienbaum Executive Consultants International GmbH. Je höher eine Führungskraft also in der Hierarchie eines Unternehmens nach oben klettert, desto wichtiger wird ein funktionierendes Netzwerk auch für den nächsten Karrieresprung. Denn das eigene Netzwerk ist auch für Personalvermittler, die im Bereich Executive Search tätig sind, die erste Adresse, noch bevor sie eine Stelle öffentlich ausschreiben.
Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hat die Personalberatungsbranche im vergangenen Jahr bei der Besetzung von rund 45 000 Positionen für Fach- und Führungskräfte mitgeholfen. Jede vierte dieser Positionen betraf die Suche nach einem Kandidaten für die Vorstands- oder Geschäftsführungsebene, so das Ergebnis einer BDU-Studie. Die befragten Personalberater erwarten für die Zukunft, dass vor allem Führungskräfte mit zehn bis 15 Jahren Berufserfahrung bei der Besetzung von leitenden Positionen sehr gefragt sein werden. Eine Zahl, die Drosten als „absolut nötig” bezeichnet, „um eine Topposition ausfüllen zu können”.
Der Bedarf an Führungskräften fällt von Unternehmen zu Unternehmen natürlich sehr unterschiedlich aus. „Es ist auch nicht so, dass die absolute Zahl der Führungspositionen wachsen wird”, sagt Stefan Diemer, Managing Partner bei Gemini Executive Search GmbH. Im Zeitalter der flachen Hierarchien und der Arbeit in Matrix-Organisationen, wo Fach- und disziplinarische Führung in getrennten Händen liegen, gibt es sogar weniger klassische Linienkarrieren. Aber der Ersatzbedarf an Führungskräften bleibt davon unbeeinflusst, was laut Diemer zwei Gründe hat: „Durch die demografische Entwicklung scheiden zunehmend ältere Führungskräfte aus den Unternehmen aus. Und es gibt einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an etablierten Führungskräften, die sich zum Beispiel in einer Matrix-Organisation nicht wiederfinden, da ihnen die direkte Einflussnahme fehlt und die deshalb das Unternehmen verlassen.”