Die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen unter Alkohol- und Drogenkonsum wächst weiter. Darauf macht die Polizei des Landkreises Esslingen in ihrer aktuellen Kriminalitätsstatistik aufmerksam. "Wir brauchen eine stärkere gesellschaftliche Ächtung von Alkohol, die Erwachsenen müssen eine bessere Vorbildfunktion abgeben", sagte Hans-Dieter Wagner, der Leiter der Polizeidirektion Esslingen, der Presse.
Genau in diese Kerbe will die Große Kreisstadt schlagen. Auf Initiative der Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker wurde Ende 2009 das Netzwerk Alkoholprävention als "ein Marktplatz der Gleichgesinnten" gegründet, klärt Thomas Haigis, Leiter des Referats für Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung auf. Vertreter von Kirchen, Vereinen, Schulen, Selbsthilfegruppen, der Stadt und des Jugendgemeinderates gehören dem Netzwerk an.
Weil sich nicht nur Jugendliche ins Koma saufen, sondern auch Erwachsene über den Durst trinken, stellt es in diesem Sommer gleich zwei Veranstaltungen auf die Beine - eine für Schüler und eine für Eltern. Mädchen und Jungen können sich am Freitag, 2. Juli, in der Bernhausener Filharmonie wieder über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs informieren. Der Jugendgemeinderat hatte bereits 2009 gegen das Komasaufen mobil gemacht und Siebtklässler aus den örtlichen Schulen zu einem informativen Tag in das Kultur- und Kongresszentrum geladen.
500 Kinder und Jugendliche nahmen an der Veranstaltung "Jugend und Alkohol" teil. Sie war ein Teil der Drogen-Aufklärungsarbeit des alten Jugendgemeinderates. Die Nachwuchspolitiker hatten auch eine Diskussionsrunde mit Sabine Bätzing, der damaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, organisiert.
Das Netzwerk will an diesen Erfolg anknüpfen. "Dem alten Jugendgemeinderat war es wichtig, dass die Arbeit weiter geht", sagt Suyin Völlm, Leiterin der Geschäftsstelle des Jugendgemeinderates. Die diesjährige Schüler-Veranstaltung, bei der die Polizei, Selbsthilfegruppen und Jugendberater aufklären, wird jedoch etwas kleiner ausfallen. Das Angebot richtet sich ausschließlich an die rund 150 Sechstklässler der Bernhausener Schulen. "Auch um Geld zu sparen", sagt Haigis. Der Mitarbeiter der Stadtverwaltung ergänzt: "Wir wollen das Thema Alkoholprävention auf die Erwachsenenwelt ausweiten."
Wie erkenne ich, dass mein Kind trinkt? Welche Drogen nehmen Jugendliche? Was bedeutet es ein Vorbild zu sein? Zu diesen und ähnlichen Fragen werden Alkoholabhängige und Fachleute der Jugend- und Drogenberatung im Bernhausener Bürgerzentrum informieren.
Als Termin wurde Dienstag, 13. Juli, 18 Uhr festgesetzt. "Die richtigen Eltern einzuladen, ist jedoch ein schwieriges Unterfangen", räumt Haigis ein. Er setzt dabei auf eine Zusammenarbeit mit den Filderstädter Schulen.