Kalligrafin verarbeitet religiöse und literarische Themen

Von "Marbach und Bottwartal", aktualisiert am 26.04.2010 um 04:30
Erdmannhausen Die Künstlerin Maya Huber hat ihre Ausstellung in der evangelisch-methodistischen Kirche eröffnet. Von Tanja Capuana

Kalligrafie ist das griechische Wort für Schönschrift. Doch für die Künstlerin Maya Huber bedeutet diese Technik weitaus mehr. Die Darmstädterin gestaltet mit den anmutigen Schriften Bilder, die durch ihr außergewöhnliches Design die Blicke auf sich ziehen. Huber eröffnete am Samstagabend ihre Ausstellung im Rahmen der Reihe "Kunst, Musik & Begegnung" in der evangelisch-methodistischen Kirche Erdmannhausen. Bei der Vernissage erzählte die Künstlerin den rund 70 Besuchern, wie ihre Werke entstanden sind. Die Cellistin Madeleine Mammel und Viktoria Hölzinger am Klavier umrahmten das Programm musikalisch.

Ihre Federn füllt sie mit Guache, Tinte, Tusche oder Aquarell. "Die Inspiration kommt für mich aus dem Text, nicht aus den Buchstaben", sagt Maya Huber. Manchmal entstehen durch die Schriften neue Formen, wie etwa in "Ein Tibeterteppich" von Else Lasker-Schüler: Die Buchstabenformation wirkt aus der Ferne betrachtet wie der Umriss eines Teppichs. Ein Teil ihrer Arbeiten enthält religiöse Symbole. So verbildlicht Huber in "Genesis" die Schöpfungsgeschichte auf zwei Bildern. Einen Psalm aus der Bibel ziert "Es ist dir gesagt, Mensch", den sie mit hebräischer Schrift vervollständigt. Die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde habe Maya Huber, die bereits vor sieben Jahren in Marbach ihre Bilder präsentierte, auch wegen ihrer religiösen Themen eingeladen, erzählt der Gemeindepastor Reinhard Gebauer. "Denn unser Auftrag ist, die biblische Botschaft weiterzutragen."

Unter den 31 Exponaten gibt es neben christlichen Motiven auch Darstellungen, die ihre Wurzeln in der Literatur haben. Dazu gehören unter anderem die Werke "Friedrich Schiller 1000 Ideen" und "Goethe und Christiane - Ehebriefe". Ein Zitat des Marbacher Dichterfürsten entnahm die gebürtige Tuttlingerin einem Brief, den Schiller im Jahr 1783 an Reinwald verfasst hatte. Die Worte fertigte sie in Deutscher Schreibschrift auf Reispapier an, die in mehreren Schichten eine Collage ergeben. Dieselbe Technik wandte sie bei dem Werk mit den Schriftstücken Goethes an, welches mit Farbkreide besonders viel Ausdruck erhält. Dass die Schrift nahezu unmöglich zu entziffern ist, sei Absicht, so die kreative Frau. "Da Liebesbriefe geheimnisvoll sind, sollen sie nicht lesbar sein."

Öffnungszeiten Die Ausstellung ist bis Sonntag, 2. Mai, täglich zwischen 15 und 18.30 Uhr geöffnet. Jeder Nachmittag endet mit einem Abschlussgebet.

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