Justiz in Baden-Württemberg Immer mehr Ausländer hinter Gittern

Von Nils Mayer 

In der JVA  Stammheim (im Bild) ist der Ausländeranteil mit 65,5 Prozent  landesweit am höchsten. Dahinter folgen die Gefängnisse in Karlsruhe (57,6) und Mannheim (56,6). Foto: dpa
In der JVA Stammheim (im Bild) ist der Ausländeranteil mit 65,5 Prozent landesweit am höchsten. Dahinter folgen die Gefängnisse in Karlsruhe (57,6) und Mannheim (56,6). Foto: dpa

Die Gefängnisse in Baden-Württemberg platzen weiter aus allen Nähten. Die Zahl der Gefangenen steigt erneut – wie neue Zahlen zeigen. Justizminister Guido Wolf (CDU) spricht von einer „Phase der extremen Belastung“.

Stuttgart - Die baden-württembergischen Gefängnisse werden immer voller. Einer neuen Statistik des Justizministeriums zufolge, die unserer Zeitung vorliegt, lag die Zahl der Häftlinge Ende März 2017 bei 7276. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren 6817 Straftäter inhaftiert gewesen.

Die Zahl der ausländischen Gefangenen kletterte laut Statistik von 3053 auf 3355. Unter den Neuzugängen waren vor allem Syrer, Gambier und Bosnier. Der Ausländeranteil im Knast stieg von 44,6 auf 46 Prozent. Im bundesweiten Vergleich liegt Baden-Württemberg nun erstmals auf Rang zwei – nur in Berlin ist die Quote der nicht deutschen Häftlinge höher (47,3 Prozent).

Der nochmals gestiegene Ausländeranteil erhöhe die ohnehin schon hohe Belastung für die Beschäftigten im Vollzug weiter, sagte Justizminister Guido Wolf (CDU) auf Anfrage unserer Zeitung: „Insbesondere sprachliche Barrieren machen es vor Ort schwierig.“

Justizminister Wolf: „Phase der extremen Belastung“

Der Ressortchef hat auf dieses Problem bereits reagiert, indem er seit April sechs Justizvollzugsanstalten (JVA) Dolmetscher in allen gängigen Sprachen über eine Live-Videoschaltung im Internet zur Verfügung stellt. Das Pilotprojekt werde „sehr gut angenommen“, sagte Wolf. Er betonte allerdings auch, dass man die „Phase der extremen Belastung“ in den JVAs nur mit „zusätzlichen Beschäftigten“ bewältigen könne. Auf Drängen des Ministers einigte sich Grün-Schwarz bei den Beratungen für den Landeshaushalt 2018/2019 auf 151 neue Stellen für den Justizvollzug. Wolf sagte, man werde versuchen, Bedienstete mit zusätzlichen Sprachkenntnissen einzustellen, etwa Arabisch oder Türkisch.

Bei den Nationen mit den meisten Gefangenen im Südwesten liegt Deutschland (3937) vorne, gefolgt von der Türkei (453), Rumänien (273), Algerien (258), Gambia (219), Kosovo (194), Italien (188), Georgien (164), Polen (125), Albanien (116), Bosnien und Syrien (beide 89).

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