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Julia Görges „Mein Porsche steht noch im Autohaus“

Simon David, vom 03.02.2012 13:00 Uhr
Julia Görges beim Training Foto: Pressefoto Baumann
Julia Görges beim Training Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Im April 2010 gewann Julia Görges den Porsche Grand Prix in Stuttgart. Nun kehrt die Tennisspielerin zurück an die Stätte ihres bisher größten Erfolges. Mit dem deutschen Fed-Cup-Team peilt die 23-Jährige am Wochenende in der Porsche-Arena einen Sieg gegen Tschechien an – trotz aller Widrigkeiten.


Frau Görges, für Ihren Turniersieg in Stuttgart vor zehn Monaten haben Sie ein Porsche-Cabrio bekommen. Es hieß, Sie wollten das Auto verkaufen.

Das stimmt. Aber zu 95 Prozent werde ich ihn nun doch behalten.

Woher der Sinneswandel?
Ich habe gesagt, wenn ich weiter gutes Preisgeld verdiene, dann überlege ich es mir, ob ich ihn behalte oder nicht. Schließlich ist es auch ein schönes Erinnerungsstück, für das, was ich letztes Jahr geschafft habe.

Steht der Porsche bei Ihnen in Bad Oldesloe in der Garage?
Nein, er steht immer noch im Autohaus. Denn wenn ich ihn abhole, ist er endgültig meiner.

Jetzt sind Sie wieder in Stuttgart, haben Sie ihn sich noch einmal angeschaut?
Nein, dafür ist keine Zeit.

Dennoch dürfte die Rückkehr in die Porsche-Arena etwas Besonderes für Sie sein.
Ja, das ist es auch. Der Sieg beim Porsche Grand Prix war mein Highlight im Vorjahr und ist für mich noch unfassbar. Bei dem Spitzenfeld hätte ich vorher nie gedacht, dass ich gewinnen kann. Doch danach habe ich gewusst, dass ich in der Lage bin, Top-Spielerinnen wie die damalige Weltranglistenerste Caroline Wozniacki zu schlagen.

Das ist Ihnen in der vergangenen Saison aber danach nicht mehr so oft geglückt.
In Madrid habe ich in der Woche nach Stuttgart Wozniacki noch einmal bezwungen. Da war ich noch richtig im Flow. Allerdings liegt die Schwierigkeit darin, diese Leistung konstant zu bringen. Das ist die große Kunst beim Tennis.

Nach Ihrem 1:6, 1:6 im Achtelfinale bei den Australian Open gegen Agnieszka Radwanska ging Teamchefin Barbara Rittner hart mit Ihnen ins Gericht. Sie hätten sich nicht aufgebäumt, das Spiel hergeschenkt – das koste Respekt auf der Tour. Waren Sie enttäuscht von den öffentlichen Äußerungen der Teamchefin?
In erster Linie war ich von mir selbst enttäuscht. Wenn du in dieser Arena schon dreimal gespielt hast – und dann 55 Minuten lang völlig neben dir stehst, nur zehn Prozent deines Leistungsvermögens abrufst, wurmt dich das enorm. Vor allem, weil ich bis heute keine Erklärung für diesen Auftritt habe. Dementsprechend ist die Kritik gerechtfertigt. Vor zwei Jahren hätte noch keiner über diese Pleite gesprochen, aber inzwischen weiß jeder, dass ich gegen solche Spielerinnen auch gewinnen kann. Das ist der Unterschied. Und da bringt es auch nichts, darauf hinzuweisen, dass ich zwölf Tage zuvor noch mit Fieber im Bett gelegen habe.

Kommen wir zum Fed-Cup-Duell gegen Tschechien: Wie stehen die Chancen auf ein Weiterkommen?
Man darf nicht vergessen, dass die Tschechinnen im Vorjahr den Fed-Cup gewonnen haben. Sie sind schwer zu schlagen. Wir sind jedoch ein starkes Team und können dagegenhalten. Für die erste Runde ist dieses Duell jedenfalls ein Gradmesser vor heimischem Publikum. Dann weiß man, wo man im Fed-Cup steht.

Ausgerechnet jetzt fehlt die deutsche Nummer eins wegen eines Ermüdungsbruchs im Iliosakralgelenk. Wie schwer wiegt der Ausfall von Andrea Petkovic für das deutsche Team?
Das tut schon weh. Aber wir haben ein sehr gutes Team. Allein fünf Spielerinnen sind mittlerweile unter den Top 50. Wir werden versuchen, Andis Ausfall zu kompensieren. Mal davon abgesehen: Eine wirklich gute Mannschaft zeichnet es ja auch aus, in so einer Situation das Beste daraus zu machen. Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Verletzung für Andi am schlimmsten ist. Nicht nur wegen des Fed-Cup-Einsatzes, sondern auch wegen ihrer Einzelkarriere.
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