Judo Zwei Kämpfer, ein Ziel

Von Petra Muzenhardt 

Geballte Kraft: Judoka Sven Heinle im gelb-blauen Dress des KSV Esslingen. Foto: Baumann
Geballte Kraft: Judoka Sven Heinle im gelb-blauen Dress des KSV Esslingen.Foto: Baumann

Judoka Sven Heinle will seinen Traum von den Olympischen Spielen wahr machen. In jeder Gewichtsklasse gibt es allerdings pro Nation nur ein Ticket. Wer nach Rio de Janeiro fliegt, entscheidet sich im Mai.

Stuttgart - „Viva sua paixão“ – lebe deine Leidenschaft. So lautet das offizielle Motto der Olympischen Spielen 2016. Ohne Frage: Das Ticket für Rio de Janeiro ist für jeden Sportler der absolute Karrierehöhepunkt. Einer, der die zwei Wochen im August fest eingeplant hat, ist der 24 Jahre alte Sven Heinle aus Fellbach. Doch um tatsächlich im Flieger zur Metropole am Zuckerhut zu sitzen, muss der junge Mann sich dem internen Qualifikation-Marathon mit André Breitbarth (25) aus Braunschweig stellen. Das Duell der Giganten in der über 100-Kilogramm-Klasse, das es in sich hat. „Ich sehe mich mit André in einem Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagt Sven Heinle.

Doch der Schwergewichtler, der in der Bundesliga für Vizemeister KSV Esslingen auf die Matte geht, musste Ende Februar beim Heim-Grand-Prix in Düsseldorf einen kleinen Rückschlag einstecken. Bereits in der ersten Runde war für Heinle Schluss. Er scheiterte an dem Weltranglisten-Fünften Barna Bor. „Es war ein enger Kampf, und ich habe nur knapp verloren“, sagt Heinle. Den Ungarn hatte er im letzten Jahr auf dem Weg zu seiner Bronzemedaille geschlagen, doch diesmal kämpfte er zu passiv. Die Kampfrichter brummten ihm zwei Strafen auf. Heinle, der im Januar in Hamburg seinen ersten deutschen Meistertitel holte, setzte fortan voll auf Risiko – und kassierte Sekunden vor Schluss eine Waza-ari-Wertung (halber Punkt). Groß zu ärgern brauchte sich Heinle nicht, denn auch sein Rivale ums Olympia-Ticket erwischte in Düsseldorf nicht seinen besten Tag. Sowohl Breitbarth als auch der Fellbacher Judoka konnten ihr Konto der Weltranglistenpunkte nicht aufstocken. Nach vorn in der Rangliste bringen die Athleten jetzt nur noch Ergebnisse, bei denen sie mehr als 100 Punkte bekommen. Dafür muss mindestens der dritte Platz bei einem Grand Slam (200 Punkte) erreicht werden, für den dritten Platz bei einem Grand Prix bekommt man 120 Punkte, bei der EM im russischen Kasan im April gibt es für die gleiche Leistung 160 Punkte. Noch stehen all diese Ereignisse im Kalender bis zum Ende der Qualifikation für Olympia.

Heinle marschiert in die finale Phase der Vorbereitung

Heinle marschiert also in die finale Phase der Vorbereitung. Und schindet sich dabei gewaltig. Mindestens dreimal am Tag geht es auf die Matte. Krafttraining, Ausdauertraining, Konditionstraining kommen noch dazu. Nicht in der KSV-Arena in Esslingen. Heinle lebt seit zweieinhalb Jahren in Köln-Weiden, das Bundesleistungszentrum ist nur einen Steinwurf von seiner Wohnung entfernt. Und als Soldat bietet die Sportfördergruppe der Bundeswehr ideale Bedingungen, um sich auf seinen Olympiatraum zu konzentrieren. „Natürlich habe ich ab und zu Heimweh, aber dadurch, dass ich für den KSV Esslingen in der Bundesliga starte, bin ich ja öfter zu Hause“, erzählt Heine.

Sven Heine war sechs Jahre alt, als er sich für den Judosport begeisterte. „Ich komme aus einer kampfsportaffinen Familie, das hat abgefärbt“, erzählt Heinle. Schon früh war der Absolvent der Stuttgarter Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, einer der Eliteschulen des Sports in der Landeshauptstadt, erfolgreich. Unter anderem wurde er Dritter bei der Junioren-WM 2011. Bei der Weltmeisterschaft in Astana Ende August 2015 kam er auf den siebten Platz. Der angehende Kommissar Breitbarth lag zwei Plätze weiter vorne. Das soll sich ändern. Möglichst bald. Denn in der Olympia-Qualifikation ist das Rennen weiter offen. „Die nächsten Turniere werden zeigen, wer der bessere Kämpfer ist. Und natürlich hoffe ich, dass ich es bin“, sagt Sven Heinle. Detlef Ultsch, seit 2009 Bundestrainer der Männer-Mannschaft, gibt die Nominierung am 8. Mai bekannt. Dies ist ein Vorschlag an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der als letzte Instanz entscheidet und die Nominierung veröffentlicht.

„Viva sua paixão“ – lebe deine Leidenschaft. Sven Heinle tut es derzeit Tag für Tag für ein großes Ziel, Olympia in Rio.

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