Jubiläum: 30 Jahre Die Kleine Tierschau bot ein grandioses Programm

Von Gunther Reinhardt/Fotos: Torsten Rothe 

Update Promi-Gäste wie Smudo und René Weller begeisterten 8500 Besucher in Schleyerhalle.

Stuttgart - Mehr Kostümwechsel als bei Beyoncé, mehr Bühnenzauber als beim Cirque du Soleil, mehr Rock'n'Roll als bei Deep Purple: Die Kleine Tierschau ist am Samstag bei der Feier ihres 30. Geburtstags endlich da angekommen, wo diese wunderbar größenwahnsinnige Musikcomedy hingehört: in der Schleyerhalle.

Als die Show mit einem fernen Knattern beginnt, hofft man kurz, dass sich zum 30. Geburtstag der Kleinen Tierschau die alten Schulfreunde Michael Gaedt, Michael Schulig und Ernst Mantel wieder vereint haben. Doch als die tollkühnen Männer auf ihren motorisierten Kisten der Bühne näher kommen, sind es doch bloß die beiden Michaels, die zur Sause in der Schleyerhalle geladen haben.

Das Wunder von Heubach bleibt an diesem Samstag zwar aus. Doch auch so lockt die vor zwei Jahren zum Duo geschrumpfte Tierschau 8200 Zuschauer in die Halle. Und wenn Schulig in den Dudelsack pustend und Gaedt breit grinsend in Glitzeranzügen zu AC/DCs "It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)" auf die Bühne marschieren, merkt man: Ihr schrill-anarchistischer Musikklamauk ist nirgendwo besser aufgehoben als hier - in der größte Rockarena der Stadt. Für die nächste Geburtstagsparty stellt sich bloß die Frage: Lieber auf dem Wasen oder in Las Vegas feiern?

Schon bei den ersten Programmen der Kleinen Tierschau im alten Theaterhaus in Wangen hatte man stets den Verdacht, dass dieses Spektakel, diese absurden Kostümierungen, diese Musikclownerie und das Ego von Michael Gaedt mehr Platz brauchen, um sich richtig entfalten zu können. Bei der über dreistündigen Best-of-Show in der Schleyerhalle bekommt man nun alles in Übergröße vorgeführt: schluchzenden Ostalbtiger, aufbrüllende Ford-Motoren, bis zur Hallendecke fliegende Bettfedern, einen im Schlauchboot über die Köpfe der Zuschauer paddelnden Gaedt, funkensprühende Saxofone, Auftritte als Marienkäfer, Schlumpf oder Lurchi und Unkerich - und selbstverständlich geht Gaedt auch an diesem Abend wieder auf die Suche nach Freiwilligen, die für einige Gags ihren Kopf hinhalten müssen. Die zwei riesigen Videoleinwände und die Rampe, die in den Zuschauerraum führt, mögen zwar neu sein, sonst geht aber alles wie gewohnt kreativ-chaotisch zu.

"Wir haben bewusst einen kleinen, intimen Rahmen gewählt, um mit Ihnen 30 Jahre Kleine Tierschau zu feiern", sagt Gaedt, der weiß, wie man sich ans Publikum ranschmeißt. Später wird er mit Schulig eine "kleine Hallentournee" machen, um auch den Zuschauern in den hinteren Teilen der Halle einmal auf die Pelle zu rücken und dort in einem mobilen Unplugged-Block "Je ne regrette rien", "Poison" und "Aber dich gibt's nur einmal für mich" zu singen.

So hervorragend die Arbeit ist, die die Tierschau-Band im zwischen Easy Listening, Hardrock, Flamenco und Blues herumalbernden Repertoire leistet, so amüsant die Auftritte der Tierschau-Cheerleaderinnen sind - letztlich genügen sich die beiden Michaels in ihrer Komik selbst. Daher sind die Gäste, die sie zu der Geburtstagsparty eingeladen haben, eher hübsche Dekoration als wirklich Bereicherung. Dieter Thomas Kuhn kommt in einem Hubschrauber angerollt und darf, von Howie begleitet, "Über den Wolken" schmettern. Mato Valtonen von den Leningrad Cowboys singt "Back In The USSR", während sich Gaedt Schlagzeug spielend im Kreis dreht. Smudo braust in einem Boxauto heran ("Finger weg, des gehört den Fantas!"), darf den Rocker mimen und mit einem Mini-Chopper durch die Halle davonfahren. Der Ex-Boxer René Weller legt sich singend und tanzend mit dem Michelin-Männchen Schulig an.

Und Ben Becker spielt in einer Videobotschaft den Märchenonkel, erzählt eine seltsame Geschichte, die die Welt der Kleinen Tierschau auf den Punkt bringt: "Husch-husch, piff-paff, trara!"

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