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Mannheim - Jörg Kachelmann ist frei – zumindest vorerst. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat am Donnerstag überraschend den Haftbefehl gegen den ARD-Wettermoderator aufgehoben. Ob und wann es nun zum Prozess kommt ist offen.
War es sein eigener Wunsch oder war es ein Fehler der Justizvollzugsanstalt Mannheim? Als Jörg Kachelmann am Donnerstagmittag um 13.30 Uhr das Gefängnis verlässt, wartet draußen bereits eine Armada von Fotografen und Kamerateams. Es ist die Öffentlichkeit, die Kachelmann vier Monate nicht hatte. Der 52-Jährige ist frisch rasiert, trägt ein weißes T-Shirt, wirkt entspannt. Er selbst schweigt. Nur sein Anwalt Reinhard Birkenstock jubiliert über das Ende der Untersuchungshaft. „Gott sei Dank, es gibt noch Richter.“ Er danke allen, die Kachelmann „auf dieser harten Strecke der ungerechten Haft und der persönlichen Verunglimpfungen unterstützt“ hätten. Sein Dank gelte auch den Mitgefangenen und den Mitarbeitern des Gefängnisses „für die faire Behandlung“. Und als ob das nicht klar genug ist, nimmt Kachelmann einen Justizangestellten zum Abschied in die Arme.
Kachelmann beteuerte stets seine Unschuld
Es sind jene Minuten, in denen einer der spektakulärsten deutschen Justizfälle eine nicht minder überraschende Wende erlebt. Kurz zuvor hatte das Oberlandesgericht Karlsruhe der Haftbeschwerde Birkenstocks stattgegeben und die „umgehende Freilassung“ von Kachelmann angeordnet. Mehr noch: Der 3. Strafsenat entließ Kachelmann ohne Auflagen, weil „kein dringender Tatverdacht“ mehr bestehe. Anfang des Monats hatte sich das Landgericht Mannheim noch geweigert, den Haftbefehl gegen den ARD-Wettermoderator aufzuheben.
Doch die Karlsruher Richter trauen den Ermittlungen und Beweisen der Staatsanwaltschaft offenbar nicht. Zur Erinnerung: Kachelmann war am 20. März auf dem Flughafen Frankfurt verhaftet worden, als er von den Olympischen Spielen aus Vancouver zurückgekehrte. Vorwurf der Justiz: Er habe Anfang Februar seine langjährige Freundin in deren Wohnung in Schwetzingen vergewaltigt und mit einem Küchenmesser am Hals verletzt. Kachelmann selbst beteuerte stets seine Unschuld. Als vor wenigen Wochen das Landgericht Mannheim die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft akzeptierte und den Prozessauftakt für den 6. September terminierte, schien das Schicksal des Schweizers besiegelt.
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