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Joe Bauer in der Stadt Doomsday: Jüngster Tag

Joe Bauer, vom 12.11.2011 20:43 Uhr
 Foto: Piechowski
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Am Morgen verbreitete der Wind seine November-Botschaft in den Straßen: Herbst, flüsterte er, es ist genug. Blätter wirbelten über die Straße, meine Mütze tanzte fröhlich hinterher, und als ich müde von der Jagd endlich in der Marienstraße ankam, sah ich dieses metallic glitzernde Morgenlicht zwischen den Häusern. Die Signale des Winters.

Keiner in der Stadt weiß, wie wir über den Winter kommen werden, jetzt wo sich alle für den "D-Day" rüsten. Der D-Day, Kommisköpfe wissen es, bezeichnet den Stichtag einer militärischen Aktion. Zwar dürfen bei uns noch keine Soldaten auf die Bürger losgelassen werden, auch nicht, wenn es um Investorenkohle geht. Ersatzweise aber hat man die geplante Polizei-Operation gegen die S-21-Demonstranten schon mal D-Day genannt.

Das D steht für Doomsday: Jüngster Tag

Keiner weiß genau, woher der Begriff D-Day rührt, was das D vor dem Day bedeutet. Der Wind hat es mir erzählt: Das D steht für Doomsday: Jüngster Tag. Man kann davon ausgehen, dass die S-21-Gegner bei der Volksabstimmung am 27. November verlieren, so wie jeder Gegner verliert, wenn ihm niederträchtige Spielregeln alle Chancen rauben. Dann, so ist zu lesen, stehen am Bahnhof 9000 Polizisten und auf dem Wasen Knast-Container für 200 Delinquenten bereit. Die Polizei behauptet, die Stahlkammern würden beheizt und mit Toiletten ausgestattet.

Das wird ein kinoreifer Aufmarsch, wenn es darum geht, den Abriss des Südflügels am Bahnhof und das Fällen der Bäume im Schlossgarten abzuschirmen.

Schuld daran haben die Demonstranten. Ohne ihren Protest könnte man die halbe Stadt so still und leise abreißen und fällen, wie der Herbstwind die Blätter von den Bäumen pustet. So aber werden wir Europas merkwürdigstes Lager: Nach den heimeligen Indianerzelten im Schlossgarten präsentieren wir der Welt lustige Häftlingsbuden auf dem Rummelplatz. Willkommen in Schwäbisch GuantÖnamo.

9000 Polizisten sind nicht von Pappe, damit füllt man die Schleyerhalle oder das Gazistadion. Bei unseren Spielen auf dem Kickersplatz brauchen wir zwar selten 9000 Polizisten, weil wir uns selber wehren können. Allerdings haben wir neben dem Platz seit geraumer Zeit einen Knast-Container für gut motivierte Fans im Angebot.

Die Schmier hatte ihn in der Halbzeitpause am Wurststand festgenommen

Heute erst wird mir klar, dass man den Kasten zu Versuchszwecken geparkt hat. Denn die Annahme, die Mobilzelle sei nie besetzt worden, ist voll falsch. Erst unlängst hat man dort einen unserer besten Männer aus dem Fan-Block arretiert. Die Schmier (wie die Polizei bei uns heißt) hatte ihn in der Halbzeitpause am Wurststand festgenommen. Zwar ist es bei uns nicht verboten, eine Wurst zu essen, auch nicht wenn sie rot ist wie der VfB und deshalb Stadionwurst heißt. Zur Verdauung jedoch hat unser Mann eine kleine Tüte geraucht, weil er, wie er sagt, ohne bewusstseinserweiternde Substanzen den Glauben an unseren Aufstieg in die dritte Liga verlöre. Prompt kamen zwei Polizisten aus dem Gebüsch und sperrten ihn die zweite Halbzeit in den Stuttgarter Blechkessel.

Diese Operation schmerzt, weil es ohne unseren besten Mann im Fan-Block nur zu einem 1:1 gegen die Wormser reichte. Und selbst wenn uns die geraubten Punkte am Ende nicht den Aufstieg kosten sollten, kann die Polizei schon jetzt für den D-Day der Rache rüsten: Im Knast-Container, schwört unser bester Mann, war kein Klo.

Auf Schlittschuhen im Neckarhafen
Joe Bauer über den Neckar und den Wunsch eines Tages in einer Strand-Bar am Neckarufer zu sitzen.
Stehplatz
Blaues Wochenende. Die Stuttgarter Kickers feiern an diesem Samstag ihren Aufstieg in die dritte Liga.

 

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