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Jazzclub Bix „Die Jazzgemeinde nimmt Stuttgart wahr“

Thomas Staiber, vom 13.12.2011 07:00 Uhr
Mini Schulz Foto: Promo
Mini Schulz Foto: Promo

Stuttgart - Vor fünf Jahren hat Mini Schulz den Stuttgarter Jazzclub Bix mit aus der Taufe gehoben. Er spielt Bass in vielen Bands und Orchestern, ist Professor an der Stuttgarter Musikhochschule, mischt in der Kulturpolitik mit und zieht nun Bix-Jubiläumsbilanz.
Herr Schulz, wie wird das fünfjährige Bestehen des Bix gefeiert?

Wir feiern mit all unseren Gästen, Vertretern von Land und Stadt, natürlich unserem Hauptsponsor Sparda-Bank. Und auf der Bühne steht Klaus Doldinger, der sogar wichtigste Termine verschoben hat, um an diesem Tag im Bix zu spielen.

Wie fällt Ihre Bilanz nach fünf Jahren aus?
Die Stuttgarter und die regionale Szene hat wieder Verbindung zum internationalen Spielbetrieb – und das nicht mehr nur bei ­verschiedenen Festivals. Neue Impulse ­haben auch andere Spielstätten positiv ­beeinflusst, die internationale Jazzgemeinde nimmt Stuttgart wieder wahr, der Nachwuchs sieht bei über 250 Konzerten jährlich, was sich aktuell tut – für mich ist ein Traum wahr geworden.

Im Bix spielen auch renommierte Künstler, die man sonst kaum in der dichten Atmosphäre eines Clubs erlebt. Warum?
Der Club hat sich in kurzer Zeit für alle ­internationalen Künstler-Genres zum „must“ entwickelt – in Süddeutschland hat es eine solche Spielstätte über lange Zeit nicht gegeben. Wer sich seinem Publikum in einer akustisch idealen Situation präsentieren möchte, kann das bei uns. Die Szene spricht bereits vom spezifischen „Bix-Sound“. Für uns und für Stuttgart ist das eine großartige Sache.

Das Bix-Publikum ist gemischt. Konservative betuchte Gästen finden zeitgenössischen Jazz gelegentlich als zu anstrengend. Ist das ein Problem für Musiker und Veranstalter?
Jazz ist vielfältig, hat viele Seiten – wichtig ist, ein ausgewogenes Programm auf die ­Beine zu stellen und dem Publikum zu vermitteln: Vielleicht war das heute nicht ganz deine Musik, aber du kannst dir sicher sein, es ist immer hohe Qualität und lohnend zu­zuhören. Viele Gäste kommen gerade wegen dieses Bix-Versprechens.

Als Hochschullehrer und Musiker muss Ihnen daran liegen, verschiedene Spielarten des Jazz besonders auch jungen Menschen nahezubringen. Welche Angebote macht hier das Bix?
Zum einen die Dienstagskonzerte der ­Studenten mit sehr niedrigem Eintritt. Dazu bieten wir für Schulklassen moderierte Einführungen und extreme Rabatte, so dass es für Lehrer auch möglich ist, die ganze Klasse nach der Einführung und dem ersten Set ­bereits wieder auf den Heimweg zu schicken, und es einfach nicht zu spät wird. Dazu gibt es bei uns Jazz für Kinder, auch in Kooperation mit dem Jungen Ensemble Stuttgart und der IG Jazz.

Viele Konzertbesucher empfinden – besonders bei leiseren Passagen und bei akustischem Jazz – die lauten Bar- und Partygeräusche im oberen Stockwerk als störend. Kann das mit der neuen Gastronomie verbessert werden?
Der Raum ist baulich so, wie er ist, die obere Bar kann man leider nicht abtrennen – aus Gründen des Denkmalschutzes. Jeder Club hat seine Besonderheiten, was den einen stört, kann für den anderen gerade attraktiv sein. Ein reiner Konzertsaal kann das Bix nie sein, irgendwie muss sich eine Clubbühne ja auch finanzieren.

Funktioniert die Kooperation mit anderen Jazzveranstaltern in der Stadt, in der Region?
Wunderbar. Inzwischen haben sich ja die Stuttgarter Jazztage der IG Jazz Festival mit allen Clubs viel stärker profiliert. Mit der Kiste und dem Bix hat sich für Veranstalter und Publikum in Stuttgart eine richtige Jazzecke entwickelt – wo gibt es so eine Kon­stellation sonst? Veranstalter aus der Interkultur wie das Merlin müssen nicht mehr so stark mischen, und selbst die große SKS Russ und ­andere Veranstalter können das Bix für ihre kleineren Konzerte nutzen.

Beim Blick auf Tourpläne von Platten-Labels fällt auf, dass Stuttgart als Jazzstadt häufig ­umgangen wird. Woran liegt das?
Die Frage ist immer, auf welches Label man schaut, viele gehen aus Tradition zu Veranstaltern im Umland – da wäre ein weiteres Konzert im Bix nur unnötige Konkurrenz. Im Grunde sind wir sehr gut mit den verschiedenen Labels in Kontakt, und ich bin guter ­Hoffnung, dass sich das in den nächsten ­Jahren weiter Richtung Bix entwickelt.

Auffallend ist das dichte Bix-Programm ­während des Sommerfestivals Jazz Open – ­welche Rolle spielt es dabei?
Hier haben wir die Möglichkeit, dem Publikum neben großen, bereits arrivierten ­Künstlern auch neue zu präsentieren. Wenn die Leute erst einmal auf den Beinen in ­Richtung Jazz sind, kann man sie auch leichter an neue, ungewohnte Kost heranführen. Dazu besteht die Möglichkeit für junge Bands, im Programm und der Kommunikation eines der größten Festivals in Deutschland auftauchen zu können.

Haben Sie Wünsche oder Befürchtungen, wenn Sie in die Zukunft blicken?
Ein Wunsch wäre ein noch neugierigeres Publikum, gerade im Bereich der jungen und interessanten Musiker mit ihren neuen Konzepten und kreativen Ideen. Schwierig wird das Betreiben eines Jazzclubs immer sein, das wussten wir schon vorher, aber genau das hält einen wach. Wir müssen uns immer ­anstrengen, up to date zu bleiben – das ist doch toll! Gerade hat uns „Down Beat“, die wichtigste Jazz-Zeitung der Welt, mitgeteilt, dass wir von Februar 2012 an als einer der besten Jazzclubs der Welt geführt werden – wenn das kein Geburtstagsgeschenk ist!

Ist Ihnen eine lustige Begebenheit aus diesen fünf Jahren im Gedächtnis?
Eine der coolsten Aktionen war wohl, wie meine Frau Bine beim Jazz Open den nach seinem Konzert auf der großen Bühne an der Bix-Bar sitzenden Trompeter Wynton Marsalis auf die Bix-Bühne gelockt hat – mit der netten Anfrage, er habe doch eine Trompete dabei, und um Mitternacht hätte ein Freund Geburtstag. Das war natürlich geflunkert. Wynton hat auf der Bühne „Happy Birthday“ angestimmt und dann einfach bis vier Uhr weitergejammt – mit Kollegen aus seiner Band, anderen Festivalteilnehmern und ­Musikern aus der Stuttgarter Szene. Das war die Magie, die den Jazz ausmacht.
An diesem Donnerstag um 20.30 Uhr feiert das Bix Geburtstag, Klaus Doldinger und ­Mitmusiker werden die größten Hits seiner Band Passport spielen.Informationen im Internet unter:www.bix-stuttgart.de
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