Jazz Open in Stuttgart After-Show-Party mit Legenden und einem „Wunderkind“

Von Uwe Bogen 

Nach zehn spannenden Tagen haben Musiklegenden und ein „Wunderkind“ den Abschluss der Stuttgarter Jazz Open im Ristorante La Commedia im Hospitalviertel gefeiert. Ein Gast kam mit Bärenohren.

Stuttgart - Wolfgang Dauner ist hin und weg. Der 81-jährige Stuttgarter, seit Jahrzehnten eine maßgebliche Stimme der internationalen Jazzszene, steht auf der Tribüne des Schlossplatzes und glaubt, die Zukunft seines Musikgenres zu hören. Die Bühne ist wegen Überfüllung geschlossen. Inmitten von SWR-Big Band und dem Stuttgarter Kammerorchester sticht ein 22-jähriger Schlaks aus London hervor. Sein Name: Jacob Collier.

Der 84-jährige US-Produzent Quincy Jones , der 1982 Michael Jackson mit dem Album „Thriller“ riesenstark gemacht hat, sagt über den jungen Briten, er sei eines der größten Talente der Musikgeschichte. Dauner hat ihn bei Youtube gesehen. Live überzeugt der 22-Jährige ihn bei den Jazz Open endgültig. „Der kann was!“, schwärmt der Pianist, „er ist großartig!“

Die Schauspielerin aus „Thriller“ feiert mit

Eine knappe Stunde nach Konzertende federt der als „Wunderkind“ gefeierte Grammy-Preisträger Jacob Collier mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern in das Ristorante La Commedia der italienischen Wirte Luigi Aracri und Piero Cuna zur After-Show-Party. Der 22-Jährige lächelt alle an. Die Pizza schmeckt ihm gut, und es macht dem „Ziehenkel“ von Musiklegende Quincy Jones Spaß, Bärenohren aufzusetzen. Eine Art Schal ist das, sein Glücksbringer. „Die Ohren hat mir ein Freund geschenkt“, sagt Collier, „wenn sie dabei sind, wird alles gut.“

Zum Abschluss der Jazz Open feiern die Legenden Quincy Jones, George Benson, Dee Dee Bridgewater und ein „Wunderkind“ im Hospitalviertel bis in den frühen Morgen. In der Mercedes- und Porschestadt werden die Künstler vom Sponsor BMW vorgefahren. Die etwa 40 Gäste (dabei: Ola Ray, die im Video „Thriller“ die Freundin von Michael Jackson spielte) begrüßen die Stars des Festivals mit Beifall. Die wunderbare Bridgewater kommt mit ihrer Tochter, der Sängerin China Moses, die auch bei den Jazz Open schon aufgetreten ist. Ohne etwas ihrer Mutter zu sagen, ist die in Paris lebende Tochter mit dem TGV nach Stuttgart gefahren.

Quincy Jones kam im Privatjet eines Geschäftsmanns

Familienbande ist auch am Stehtisch im Freien vereint. Jacob Collier freut sich, dass seine Schwestern und seine Mutter Susan Collier, eine Geigerin an der Royal Academy of Music in London, angereist sind. Der Vater, ebenfalls ein Geiger, ist nicht mitgekommen. „Wir leben nicht zusammen“, sagt die Mutter. Für sie ist der Auftritt ihres Sohnes in Stuttgart etwas ganz Besonderes. Quincy Jones, der das Konzert bei den Jazz Open präsentiert, hat ihren Jacob 2014 bei Youtube entdeckt und sofort unter Vertrag genommen. Susan Collier fällt dem 84-jährigen um den Hals und schreibt ihre Mailadresse auf eine Serviette, damit der Fotograf Andreas Engelhard ihr diese für sie wertvolle Aufnahme schickt. Anderntags fliegen sie und ihre Töchter zurück, während der Sohn seine Welttournee fortsetzt.

Quincy Jones kehrt im Privatjet des US-Geschäftsmanns Pete Muller in die Heimat zurück. Dieser hat sich, wie Veranstalter Jürgen Schlensog lobt, als „erstaunlich guter Musiker auf unserer Clubbühne“ erwiesen. Die Bilanz des Festivalmachers fällt begeistert aus. „Es waren zehn wunderbare Tage mit einer musikalischen Qualität und Breite, die man bei den Jazz Open so noch nie erlebt hat“, schwärmt Schlensog. Mit 35 000 Besuchern schreibe man schwarze Zahlen. Bestimmt wird der Junge mit den Bärenohren wieder kommen. Nicht nur Wolfgang Dauner würde sich darüber sehr freuen.

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