Islamischer Staat Europol warnt vor internationalen Anschlägen

Von red/AP 

Aufnahme aus einem Propaganda-Video des Islamischen Staats. Foto: dpa
Aufnahme aus einem Propaganda-Video des Islamischen Staats.Foto: dpa

Ein Propagandavideo des IS zeigt, wie die Attentäter von Paris die Terrorwelle ankündigen und mit weiteren Anschlägen auf Großbritannien drohen. Die europäische Polizeibehörde Europol warnt: Attentate würden von künftig Spezialkräften ausgeführt.

Paris - Der sogenannte Islamische Staat hat in einem Propagandavideo zu den Anschlägen von Paris mit weiterem Terror in Europa gedroht. In dem Clip sind die später getöteten Attentäter bei der Vorbereitung der Angriffe zu sehen. Einer der Extremisten hält einen abgetrennten Kopf hoch und sagt, dass auch andere Ungläubige Ziel des IS werden würden, während im Hintergrund Bilder des britischen Premiers David Cameron zu sehen sind.

In dem am Sonntag vom IS-Sprachrohr Alhajat veröffentlichten, 17-minütigen Video sind alle neun Männer zu sehen, die bei den Anschlägen von Paris im November und in den Tagen darauf ums Leben kamen. Unter ihnen ist auch der mutmaßliche Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud, der bei einer Razzia in Saint-Denis von der französischen Polizei getötet worden war. Nicht zu sehen ist der flüchtige Verdächtige Salah Abdeslam.

Sieben der Extremisten posieren vor Gefangenen, die dann erschossen oder geköpft werden. „Bald auf dem Champs-Elysees“, sagt der in einem Pariser Vorort aufgewachsene Samy Amimour und hält dabei einen abgetrennten Kopf hoch.

Frankreich will sich nicht einschüchtern lassen

Wo genau das Video gedreht wurde, wird nicht erwähnt. Es wird jedoch angenommen, dass es im IS-Territorium in Syrien vor der Abreise der Männer nach Paris entstand. Dies würde die Angaben der französischen Polizei stützen, wonach die Anschläge im Bürgerkriegsland geplant wurden.

Präsident François Hollande erklärte am Montag, sein Land werde sich nicht einschüchtern lassen. „Keine Bedrohung wird Frankreich davon abhalten, was es gegen Terroristen tun muss.“ Angesichts der anhaltenden Terrorgefahr müsse der bis 26. Februar geltende Ausnahmezustand verlängert werden, forderte Hollande.

Das Video wurde aus selbst gedrehten Aufnahmen und Nachrichtenschnipseln zusammengeschnitten. Sieben der Attentäter - vier aus Belgien und drei aus Frankreich - sprechen darin fließend Französisch. Zwei weitere wurden anhand ihrer Kampfnamen als Iraker identifiziert und sprechen Arabisch.

Europol warnt auch vor neuen Anschlägen der Terrormiliz

Die europäische Polizeibehörde Europol hat ebenfalls vor neuen Anschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Europa gewarnt. Vor allem in Frankreich sei die Gefahr groß, teilte die Behörde am Montag in Amsterdam mit. Die Terroranschläge von Paris vom November 2015 markierten Europol zufolge eine deutliche Wende der IS-Strategie. Anschläge seien nun international ausgerichtet und würden von Spezialkräften ausgeführt.

Europol zitiert in einem Bericht Informationen von Geheimdiensten, wonach der IS eine spezielle Kommandostruktur für Anschläge im Ausland entwickelt habe. Der IS könne jederzeit zuschlagen - gegen fast jedes gewählte Ziel, heißt es in dem Bericht. Anschläge etwa auf Nuklearanlagen oder Bahnhöfe seien zur Zeit weniger wahrscheinlich. Die Terrormiliz habe eher „softe Ziele“ im Visier, wie bei den Anschlägen von Paris.

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch den IS hat das neue Anti-Terrorismus-Zentrum von Europol am Montag offiziell seine Arbeit aufgenommen. Es soll sich vorwiegend auf die Identifizierung von rund 5000 ausländischen Kämpfern des IS konzentrieren und Propaganda aus dem Internet bekämpfen. Bei der Behörde in Den Haag sollen Ermittlungen nationaler Polizeidienste koordiniert werden.

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