Auf dem Schillerplatz soll neben der Kreuzkirche ein Café-Bistro entstehen. Die gemeinsamen Pläne der Nürtinger Immobilienfirma Feco und des ebenfalls in der Stadt ansässigen Architekturbüros Ludwig sehen auf einer Grundfläche von etwa 130 Quadratmetern einen Flachdachbau vor, der im Inneren Platz für 60 Gäste bietet. Das eingeschossige Gebäude soll 3,75 Meter hoch werden. Zwischen dem Ochsenbrunnen und dem Bistro würde sich der Schillerplatz auf eine Breite von etwa zwölf Metern verengen.
Für den Feco-Geschäftsführer Michael Einsele wäre das Bistro eine "wertvolle Ergänzung" des aus seiner Sicht "bisher eher vernachlässigten Schillerplatzes". Einsele zufolge, der auch Vorsitzender der Citymarketing Nürtingen ist, gibt es in der Bürgerschaft den Wunsch, die Aufenthaltsqualität des im Herzen der Innenstadt gelegenen Schillerplatzes zu steigern. Das von ihm vorgeschlagene Bistro versteht er als einen wertvollen Beitrag dazu. Es würde nicht zuletzt auch die Stellung Nürtingens im Wettbewerb der Städte stärken, argumentiert der Immobilieninvestor.
Eine völlig gegensätzliche Meinung vertritt der Schwäbische Heimatbund, der den Bau als "Fremdkörper" ablehnt. "Vom Obertor her gesehen würde eine bauliche Barriere entstehen, die den Schillerplatz zerteilt. Er würde seine Großzügigkeit und vor allem seine Maßstäblichkeit verlieren", schreibt Horst Ansel in einer Stellungnahme. Der Vorsitzende der Regionalgruppe Nürtingen betont, dass der Heimatbund keine rückwärtsgewandte Linie verfolge. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn städtebauliche Maßnahmen der heutigen Baukultur entsprächen. Allerdings müssten Veränderungen auf gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen.
Diese vermisst der Heimatbund im Fall des Bistros. "Der geplante Neubau zerstört die Qualität des Schillerplatzes und ist für den Schwäbischen Heimatbund - bei allem Bestreben um ein attraktives gastronomisches Angebot - nicht annehmbar", heißt es in der Stellungnahme.
Laut Einsele würde das Bistro hingegen nicht in bauliche Konkurrenz zur Kreuzkirche treten, die als kultureller Veranstaltungsort für die Stadt von zentraler Bedeutung ist. Die Büros Feco und Ludwig verfolgten das Ziel, "Tradition und Moderne harmonisch zu vereinen". Einsele zufolge würde der Baukörper zur Kreuzkirche 4,50 Meter Abstand haben. Dies sei mit dem Denkmalamt so abgesprochen. Der Holzbau mit seinen großzügigen Glasflächen soll ein begrüntes Dach erhalten. Der Hinweis auf die ökologische Baukonstruktion vermag die Nürtinger Liste/Grüne indessen nicht zu überzeugen. Wie der Heimatbund lehnt auch die Gemeinderatsfraktion das Vorhaben als "Fremdkörper" ab. In dem gewachsenen Innenstadtbereich würde der "aberwitzige Quader" wirken wie ein "Kuckucksei".
Die Grünen sind nicht nur aus architektonischen Gründen gegen das Bauvorhaben. Die Fraktion betrachtet das Projekt darüber hinaus als "überflüssig".