Daimler-Vorstandsmitglied Hubertus Troska „Die S-Klasse bleibt in Sindelfingen“

Von Anne Guhlich 

Viele Pomp  um ein Auto: Daimler  stellt in Shanghai  die neue S-Klasse vor. Foto: Daimler
Viele Pomp um ein Auto: Daimler stellt in Shanghai die neue S-Klasse vor.Foto: Daimler

China hat sich zu einem lukrativen Markt für Daimler entwickelt. Vorstandsmitglied Hubertus Troska will auf dem asiatischen Markt weiterwachsen und in China künftig ein fünftes Fahrzeugmodell fertigen.

Shanghai - China hat sich zu einem lukrativen Markt für Daimler entwickelt. Vorstandsmitglied Hubertus Troska bleibt zuversichtlich, trotz der Extrasteuer auf teure Autos und des Trends hin zur Elektromobilität. Daimler will bis 2022 zehn neue E-Autos auf den Markt bringen.

Herr Troska, Sie haben mit einem Absatzplus von 37 Prozent im ersten Quartal Ihre Konkurrenz weit hinter sich gelassen. Soll das jetzt das ganze Jahr so weitergehen?
In den vergangenen Jahren hat sich Mercedes-Benz in China in der Tat sehr gut entwickelt. Und ich bin davon überzeugt, dass auch 2017 wieder ein gutes Jahr für uns werden wird. Am Ende wird das Absatzplus wohl kleiner ausfallen als jenes, welches wir im ersten Quartal erzielt haben.
Von welchem Modell erwarten Sie dabei am meisten?
Sicherlich von der neuen E-Klasse Limousine, die in 2017 zum ersten Mal das gesamte Absatzjahr über in China erhältlich ist. Insgesamt laufen alle Fahrzeuge, die wir gemeinsam mit unserem chinesischen Partner BAIC lokal produzieren, sehr gut. Dazu zählen neben der Langversion der E-Klasse Limousine auch die C-Klasse Limousine, der GLA und der GLC. Der Absatz des GLA beispielsweise ist im vergangenen Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn verkaufen wir rund 20 Prozent unserer Kompaktwagen in China. Für dieses Jahr erwarte ich auch von der neuen S-Klasse Limousine neue Impulse, die wir im Herbst auf den asiatischen Markt bringen.
Vergangenes Jahr hat China eine Extrasteuer für teure Autos eingeführt, von der auch besser ausgestattete S-Klassen und der Maybach, also die Luxusversion der S-Klasse, betroffen sind. Gewinnt vor diesem Hintergrund die Diskussion darüber Dynamik, ob die S-Klasse auch weiterhin komplett in Sindelfingen ­gebaut werden soll?
Die S-Klasse bleibt in Sindelfingen. Es gibt derzeit keine Pläne, das Modell zu lokalisieren. Tendenziell sind lokal gefertigte Autos wegen der Importzölle zwar etwas günstiger, aber dafür müssen sie eine gewisse Volumengrenze überschritten haben.
Wo liegt diese Grenze?
Das hängt vom jeweiligen Modell und den lokalen Rahmenbedingungen ab. Außerdem ist es der Positionierung der S-Klasse als weltbestem Automobil zuträglich, dass sie das Siegel „made in Germany“ trägt. Künftig wird es ein fünftes Auto geben, das wir lokal in China bauen wollen. Dabei handelt es sich um die Umsetzung des Concept A Sedan, den wir hier in Shanghai vorgestellt haben. Dieses Fahrzeug wird Ende nächsten Jahres in China auf den Markt kommen.
Ein weiteres wichtiges Thema für den chinesischen Markt sind die E-Autos. In China werden so viele E-Fahrzeuge verkauft wie im gesamten Rest der Welt. Allerdings haben chinesische Hersteller hier einen Marktanteil von weit über 90 Prozent. Wann wird sich das ändern?
Ich bin sehr zuversichtlich, was das Marktpotenzial von E-Autos in China betrifft. Das erklärte Ziel der Regierung ist, die Entwicklung der Elektromobilität voranzutreiben, und China hat aufgrund seiner großen Anzahl von Millionenstädten auch das beste Potenzial, weil diese für die Nutzung batterieelektrischer Autos ideal sind. Das Land hat also gute Chancen, auch nach 2020 der größte Markt für E-Autos zu bleiben.
Sehen Sie nicht die Gefahr, dass das Geschäft an den deutschen Herstellern vorbeigeht?
Ein Großteil der E-Autos, die heute in China verkauft werden, liegen preislich unter 30 000 Euro. Davon gehen staatliche Anreize ab, die ausschließlich für lokal gefertigte Fahrzeuge gewährt werden. In dieser Preisklasse sind in der Tat derzeit die chinesischen Hersteller dominierend. Wir sind zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren die Nachfrage nach E-Autos im Premiumbereich steigen wird. Und in diesem Bereich können wir den chinesischen Kunden ein gutes Angebot machen. Weltweit werden wir bis 2022 zehn Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen und planen natürlich auch, in China Elektrofahrzeuge lokal zu produzieren und anzubieten.
Sie sind schon jetzt mit einem E-Auto auf dem chinesischen Markt, den Sie zusammen mit Ihrem Partner BYD gebaut haben: der Denza. Die Verkaufszahlen dieses Fahrzeugs sind bislang eher ernüchternd. Ist er zu teuer?
Der Denza liegt preislich etwas über dem Volumenmarkt. Das Fahrzeug hat aber mit 400 Kilometern auch eine größere Reichweite als vergleichbare chinesische E-Autos und das beste Sicherheitskonzept. Wie erwähnt, spielt sich der Großteil des Marktes heute jedoch noch in niedrigeren Preissegmenten ab.
Bei der Markteinführung der Modelle der neuen Submarke EQ bahnen sich hingegen Probleme an, weil der chinesische Hersteller Chery auch ein Modell namens eQ im Markt hat. Inwiefern durchkreuzt dies Ihre Elektrostrategie in China?
Wir sind zu diesem Thema mit Chery im Gespräch und versuchen gemeinsam, eine für beide Seiten einvernehmliche Klärung zu finden.
Werden die Kunden dieser Fahrzeuge dann überhaupt in den Genuss der staatlichen ­Förderungen kommen?
Gemeinsam mit unserem chinesischen Partner BAIC entwickeln wir derzeit eine Zulieferer- und Produktionsstruktur. Wir gehen davon aus, dass wir alle Anforderungen erfüllen können, die nötig sind, damit unsere Kunden in China die staatlichen Förde­rungen für Elektrofahrzeuge in Anspruch nehmen können.
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