Interview mit Enissa Amani „Ich halte nichts von Diplomatie“

Von Cornelia Wystrichowski 

Enissa Amani moderiert eine neue Late-Night-Show auf dem alten Sendeplatz von Stefan Raab. Foto: Getty Images Europe
Enissa Amani moderiert eine neue Late-Night-Show auf dem alten Sendeplatz von Stefan Raab.Foto: Getty Images Europe

Die Komikerin Enissa Amani moderiert derzeit auf dem alten Sendeplatz von „TV total“ die neue Late-Night-Show „Studio Amani“ – und wusste zum Einstieg zu überzeugen.

Frau Amani, Stefan Raab ist weg, Sie dürfen auf Pro Sieben eine Late-Night-Show auf seinem alten Sendeplatz am Montag moderieren. Sind Sie Stefan Raab in gut aussehend?
Also erstens finde ich, dass Stefan Raab auch gut aussieht. Und zweitens sind das viel zu große Fußstapfen für mich. Ich bin selber ein Riesenfan von Stefan Raab und würde mich nie mit ihm vergleichen. Ich bin sehr traurig, dass er Schluss gemacht hat.
Sie vermarkten sich selber als Vollblut-Tussi mit Grips. Empfinden Sie das als ein ­schmeichelhaftes Etikett?
Das wurde mal über mich gesagt, und ich ­habe das gerne übernommen. Das mit der Tussi kommt daher, dass ich einfach auch gerne Frau bin und ein Faible für Mode habe. Natürlich ist mir der Grips wichtiger, inhaltliche Dinge haben eine höhere Wertigkeit als oberflächliche Dinge. Aber es wäre ja zu doof, wenn ich mich entscheiden müsste, was wäre das denn für eine Welt? Das eine muss das andere ja zum Glück nicht ausschließen.
Sie haben schon Miss-Wahlen gewonnen und vorübergehend bei einem Verkaufskanal Mode präsentiert . . .
Ich habe viele verschiedene Sachen gemacht und bin auf alle stolz. Ich habe ein halbes Jahr lang bei QVC als Gastmoderatorin gearbeitet, während meines Studiums. Ich habe bei McDonald’s gearbeitet, und ich habe 2014 auf dem Weihnachtsmarkt an einem Stand einen Monat lang Pfeffer verkauft.
In so kurzer Zeit von der Pfeffer-Verkäuferin zur Moderatorin mit eigener TV-Show – wie kam es dazu?
Ich  hatte  im  Sommer  2013  ein  paar ­Auftritte in Cafés, habe ein Video davon an die ­Redaktion der ARD-Comedysendung „Nightwash“ geschickt und durfte dort auftreten. Das war mein Sprungbrett. Danach wurde ich zu „TV total“ eingeladen, hatte mehrere Auftritte bei Stefan Raab, und der zweite ging im Internet total ab. Plötzlich konnte ich nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen. Ich bin sehr froh, dass Raab mir diese Chance gegeben hat, dadurch ging es wirklich von null auf hundert bei mir. Es ist sehr aufregend (lacht).
Bei Ihren Auftritten kokettieren Sie mit Ihrer Weiblichkeit. Was für ein Feedback ­bekommen Sie eigentlich aus Ihrem ­Herkunftsland Iran?
Ein sehr gutes. Ich mache Comedy auf Deutsch, und wenn jemand in einem ­anderen Land meine Sachen sieht und ­meine Sprache versteht, habe ich von dort immer nur gutes Feedback bekommen. Ich bekomme mein Feedback aber überwiegend aus Deutschland. Die in Deutschland lebenden Iraner sind, glaube ich, meine größten Fans.
Ihr Vater wurde im Iran verfolgt, Ihre Familie floh Mitte der 80er Jahre nach Deutschland. Als Komikerin sind Sie ein Musterbeispiel für Integration. Wie haben Sie das geschafft?
Deutschland ist meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen, ich musste gar nicht erst ­ankommen. Ich tue mich mit dem Begriff Inte­gration generell schwer und finde, dass die Herangehensweise an das Thema hier­zulande sehr unmodern ist. Es stört mich vor allem, wenn Integration an oberflächlichen Dingen wie sprachlichen Fähigkeiten ­festgemacht wird. Nur weil jemand kein perfektes Deutsch spricht, kann man doch nicht sagen, er sei nicht integriert. Ich kenne Leute mit Migrationshintergrund, die ein hervorragendes Deutsch sprechen, ich kenne Leute ohne Migrationshintergrund, die sprechen ein beschissenes Deutsch. Andere sprechen mit starkem Akzent, befassen sich aber intensiv mit deutscher Kultur, andere sprechen akzentfrei, haben aber noch nie im Leben von Goethe gehört.
Was bedeutet denn für Sie Integration?
Für mich ist jemand integriert, der in Deutschland lebt, seine Steuern zahlt und einen tollen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Er ist ein Teil der Gesellschaft und Deutscher wie ich auch.
Würden Sie sich zur Riege der politischen Comedians zählen?
Es wird so über mich gesagt, und ich bin ein großer Fan von Kabarettisten wie Volker Pis­pers oder Hagen Rether, aber ich sehe mich nicht in dieser Liga. Ich bin aber auf­ ­jeden Fall ein Mensch, der eine Haltung hat und Stellung bezieht. Ich halte viel von ­Höflichkeit und Respekt, auch jemandem gegenüber, der in einer Sache anders denkt als ich, aber ich halte nicht viel von ­Diplomatie. Ich sage gerne klar, was ich ­denke.
Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihre Sendung künftig häufiger als nur einmal pro Woche läuft?
Daran denke ich jetzt noch gar nicht. Jetzt lebe ich zwar diesen großen Cinderella-Traum. Aber sollte es mal nicht mehr laufen mit der eigenen Show, dann hätte ich auch kein Problem, wieder auf dem Weihnachtsmarkt zu arbeiten. Dadurch, dass ich in ­meinem Leben schon so vieles gemacht habe, habe ich eine Grundbodenständigkeit, die mich schützt.

„Studio Amani“, Pro Sieben, Montag, 23.15 Uhr

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