Wellington - Megaupload-Gründer Kim "Dotcom" Schmitz ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ein neuseeländischer Richter entschied, dass keine Fluchtgefahr bestehe, da sein Vermögen eingefroren sei. Drei seiner Mitarbeiter wurden bereits auf freien Fuß gesetzt. Alle vier saßen seit dem 20. Januar in einem Gefängnis in Neuseeland.
Die US-Justiz wirft den Megaupload-Anbietern Verstöße gegen Gesetze zum Schutz des Urheberrechts vor und fordert ihre Auslieferung wegen des Vorwurfs der organisierten Kriminalität. Die Online-Plattform soll illegale Downloads ermöglicht und den Rechteinhabern - etwa von Filmen und Musikstücken - damit einen Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar (390 Millionen Euro) verursacht haben.
"Fühlt sich ein bisschen wie Vorsingen für 'American Idol' an"
„Ich bin erleichtert, nach Hause zu gehen und meine Familie zu sehen, meine drei kleinen Kinder und meine schwangere Frau“, sagte ein lächelnder Dotcom zu wartenden Reportern vor dem Gerichtsgebäude. Er bat um Verständnis, dass er derzeit nicht mehr sagen könne. Der 38-Jährige bestätigte, dass er gegen seine Auslieferung in die USA kämpfen werde. Auf die Frage, wie er nach seiner Festnahme von der Polizei behandelt wurde, sagte er: „Nun, es fühlte sich ein bisschen an wie ein Vorsingen für 'American Idol'.“
Normalerweise muss in Fällen, die vor neuseeländische Bezirksgerichte kommen, Geld für eine Freilassung hinterlegt werden. Doch Dotcom kam so frei. Er habe andere Kautionsauflagen, teilte das Justizministerium in Wellington mit. Details nannten die Behörden nicht.
Der Richter des Bezirksgerichts North Shore City, Nevin Dawson, sagte, bei dem gebürtigen Kieler bestehe keine nennenswerte Fluchtgefahr, da er, soweit das Gericht wisse, kein Geld oder Vermögenswerte versteckt habe, um das Land verlassen zu können. Die neuseeländischen Gerichte hatten zuvor eine Freilassung auf Kaution und einen weiteren entsprechenden Antrag abgelehnt.
Eidesstattliche Erklärung von Megaupload-Finanzvorstand
Diese Entscheidungen seien getroffen worden, als Details über das Vermögen Dotcoms noch nicht bekannt gewesen seien, sagte Dawson. Seither sei alles bekannte Vermögen beschlagnahmt und unzugänglich für Dotcom gemacht worden. Dawson erklärte, er habe eine eidesstattliche Erklärung von Bonnie Lam erhalten, den Finanzvorstand von Megaupload, der Dotcoms Aussage bestätigt habe, kein Vermögen versteckt zu haben.
Dotocm wurde als Kim Schmitz geboren, änderte jedoch seinen Namen. Er hat die deutsche und finnische Staatsbürgerschaft und besitzt seit 2010 eine Aufenthaltserlaubnis für Neuseeland. Dotcom lebte auch in Hongkong, wo Megaupload registriert ist.
Die US-Justiz ließ im Januar den weltweit beliebten Internetdienst Megaupload sperren. Nutzer konnten bis dahin auf dessen Seiten unkompliziert große Datenmengen tauschen. Mit 150 Millionen registrierten Nutzern und rund 50 Millionen Seitenaufrufen am Tag war der Dienst der wohl erfolgreichste seiner Art.
Neben Dotcom waren auch die beiden Deutschen Finn Batato und Mathias Ortmann sowie der Niederländer Bram van der Kolk festgenommen worden. Sie waren allerdings schon vor Dotcom auf freien Fuß gesetzt worden.
Megaupload hatte prominente Unterstützung von Musikern und Produzenten wie Kim Kardashian, Alicia Keys und Kanye West. Chef ist der Musiker Swizz Beatz, der seit 2010 mit Keys verheiratet ist.
Die Tochter von Prinzessin Victoria und Daniel hat ihren ersten großen Auftritt hinter sich.