Internet-Gigant IBM baut weiter um – und Jobs ab

Von Daniel Gräfe 

Schriftzug von IBM auf der Cebit  in Hannover (Archvibild). Der IT-Riese  will noch mehr Geld mit der Analyse von Daten verdienen Foto: AP
Schriftzug von IBM auf der Cebit in Hannover (Archvibild). Der IT-Riese will noch mehr Geld mit der Analyse von Daten verdienenFoto: AP

IBM will mit der Vernetzung von Geräten mehr Geld machen – und investiert dafür knapp drei Milliarden Euro. Doch der IT-Riese baut auch Stellen ab. 400 fallen in Deutschland weg.

Ehningen - Der Software-Gigant IBM investiert in den kommenden vier Jahren drei Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) in den Ausbau einer offenen Cloud-Plattform. Auf den Riesenrechnern von IBM können Unternehmen über das Internet eigene Anwendungen laufen lassen. Vor allem soll das Angebot Firmen helfen, die unterschiedlichsten Gegenstände miteinander zu vernetzen und die anfallenden Daten schnell auszuwerten. So könne IBM einem Windparkbetreiber helfen, die benötigte Leistung genauer vorherzusagen, erklärt Sprecher Hans-Jürgen Rehm. Würden zum Beispiel Dutzende Sensoren installiert, könnten die Windgeschwindigkeit und -richtung genauer gemessen und mit den Daten regionaler Wetterdienste kombiniert werden.

Mit der Plattform treibt IBM das sogenannte Internet der Dinge als Geschäftsmodell vehement voran. IBM schätzt, dass Unternehmen derzeit nur einen Bruchteil ihrer Daten auswerten und deshalb das Potenzial für neue Geschäfte nicht ausnützen. Zudem sei die Analyse der Daten oft nicht schnell genug. Die Auswertung von riesigen, oft unterschiedlichen Daten – Big Data genannt – ist ein weiteres Geschäftsfeld, mit dem IBM künftig stärker wachsen will. Erst vor kurzem hatte der US-Konzern angekündigt, eine Milliarde Dollar (0,9 Milliarde Euro) in eine Software zu investieren, mit der sich Daten effizienter und kostengünstiger speichern lassen.

Das Abfindungsprogramm sorgt in der Belegschaft für Unruhe

Der Umbau des Konzerns führt auch zu einem Abbau von Arbeitskräften in Deutschland, etwa beim Management & Business Support. Dort werden unter anderem Rechnungen und Angebote erstellt – Arbeiten, die künftig günstiger in Budapest oder Bratislava geleistet werden können. Am Dienstag lief die Frist für die freiwilligen Abfindungen ab. Mit ihnen will das Unternehmen nach Informationen unserer Zeitung deutschlandweit rund 400 Mitarbeiter abbauen. Zu der Zahl selbst und Akzeptanz bei den Mitarbeitern wollte IBM keine Auskunft geben.

Die Stimmung in den Bereichen, in denen die Abfindungsangebote laufen, sei schlecht, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. „Viele überlegen sich, wie lange sie noch in dem Unternehmen bleiben können. Die Leute sind frustriert, die Motivation sinkt“, sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Sie kritisiert die Abhängigkeit von Vorgaben aus der US-Zentrale. „Es spielt keine Rolle, wie gut oder schlecht meine Arbeit ist, sondern nur welche Vorgaben gemacht werden.“

„Mit Abfindungsangeboten macht IBM schon seit Jahren Personalpolitik“, sagt Bert Stach von der Gewerkschaft Verdi. „Ende 2015 wird IBM in Deutschland aber mehr Mitarbeiter haben als 2014 – allerdings durch Zukäufe.“ Weltweit beschäftigt der IT-Riese rund 380 000 Mitarbeiter. Wie viele es in Deutschland sind, teilt der Konzern nicht mit. Branchenschätzungen gehen von rund 16 000 bis 17 000 aus, davon sollen zwischen 3000 und 4000 in Ehningen arbeiten.

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