Zum Greifen nah schwebt der rot-grüne, quaderförmige Magnet durch den Raum. Ein Schwenk mit der 3-D-Steuerung, und der Körper dreht sich mitsamt den ihn umgebenden bogenförmigen Feldlinien um die eigene Achse. Sogar die Vorgänge im Inneren des Magneten können auf dem Bildschirm sichtbar gemacht werden.
Für Andreas Wierse, 46, ist der Magnetismus ein typisches Beispiel für die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des Certified Cyber-Classrooms Labor (C3 Lab). Anders als im herkömmlichen Physikunterricht, wo Feldlinien beispielsweise mit Eisenspänen auf dem Overhead-Projektor dargestellt werden, erlaubt das virtuelle Klassenzimmer dreidimensionale Darstellungen unterschiedlichster Lerninhalte.
Zusammen mit Martin Zimmermann ist Andreas Wierse Geschäftsführer der Visenso GmbH, eines aus der Universität Stuttgart heraus gegründeten Unternehmens mit rund 20 Mitarbeitern. Unterstützt vom Geschäftsführer des Virtual Dimension Centers (VDC), Christoph Runde, stellte das Duo am Donnerstag sein virtuelles Klassenzimmer vor. "Wir wollen in Fellbach das Ende der Kreidezeit einläuten", sagte Martin Zimmermann im VDC und meinte damit nicht den vor 66 Millionen Jahren zu Ende gegangenen Abschnitt des Erdmittelalters sondern Schulkreide und Wandtafel.
Vor allem zur anschaulichen Vermittlung schwer darstellbarer Sachverhalte aus Naturwissenschaft und Technik ist das C3 Lab gedacht. Seien es die Vorgänge in und um einen Magneten, der menschliche Blutkreislauf oder Molekularbewegungen in der Chemie. Entwickelt wurden die Lernmodule gemeinsam mit Lehrern. Die sollen auch in Zukunft nicht durch die Technik ersetzt werden, stellt Zimmermann klar. Festzustellen ist aber vor allem eine große Begeisterung für die dreidimensionalen interaktiven Lernwelten: "Die Schüler sind hochmotiviert", sagt Martin Zimmermann. Dies gelte sogar unabhängig von den Fähigkeiten der Schüler, so dass auch schwächere Schüler auf dem Weg zu mehr Bildung mitgenommen werden können.
"Das C3-Lab soll für Fellbacher Schüler nutzbar sein", sagte Oberbürgermeister Palm, der auch als Vorsitzender der Eisele-Stiftung zu der Einweihung ins VDC gekommen war. Schließlich habe die Stiftung "das Projekt immer wieder mit nicht unwesentlichen finanziellen Mitteln unterstützt." Einige Fellbacher Schüler, etwa vom Friedrich-Schiller-Gymnasium, haben die neuen Möglichkeiten bereits getestet.
Neben Lerninhalten aus den Fächern Biologie, Physik, Technik, Mathematik, Kunst, Sport und Chemie gibt es auch spezielle Anwendungen für Berufsschüler. Je nach Gruppengröße kann mit Videobrillen, an einem 3-D-Fernseher oder an einer 3-D-Projektionswand gearbeitet werden.