Intendantin will nicht mehr Piels Rückzug kommt für den WDR überraschend

dpa, 26.01.2013 17:00 Uhr

Köln - Paukenschlag am Freitagabend: WDR-Intendantin Monika Piel will zurücktreten, sobald ihre Nachfolge geklärt ist. Sie führt "persönliche Gründe" an. Viele bedauern diesen Schritt. Regierungschefin Kraft nannte die Nachricht gar "bestürzend".

Die WDR-Intendantin Monika Piel hat mit der Ankündigung ihres Rücktritts auch engste Mitarbeiter und die Landesregierung völlig überrascht. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach am Samstag von einer "bestürzenden Nachricht". Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Samstag) habe selbst am Freitagmorgen beim WDR in der morgendlichen Lagebesprechung niemand auch nur einen Hauch Amtsmüdigkeit gespürt. Piel (61) hatte am Freitagabend überraschend erklärt, vorzeitig aufhören zu wollen, sobald ihre Nachfolge geregelt sei. Sie gab "persönliche Gründe" an. Näheres über diese Gründe wurde auch am Samstag nicht bekannt.

"Wir respektieren ihre persönlichen Gründe"

Kraft würdigte Piel in einer in Düsseldorf veröffentlichten Mitteilung der Staatskanzlei. "Als Intendantin stand Monika Piel für eine offene Dialogkultur - innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und darüber hinaus", hieß es darin. "Wir respektieren ihre persönlichen Gründe. Dennoch bedauern wir diesen für uns alle überraschenden Schritt."

Noch am Mittwoch hatte Monika Piel laut "Kölner Stadt-Anzeiger" vor leitenden Mitarbeitern einen neuen Prozess in ihrem Heimatsender angestoßen: die Fortschreibung der Programmgrundsätze und der Leitlinien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dies, so betonte sie, sei insbesondere in dieser Zeit nötig, in der die neue Rundfunkgebühr und die heftige Kritik daran eine öffentliche Debatte angestoßen habe.

Spekulationen über Piels Beweggründe gab es in der Samstagspresse wenige. Handfeste dienstliche Gründe, die den Rücktritt erklären können, konnte dabei niemand ausmachen. Laut "Süddeutscher Zeitung" hatte Piel bei ihrer Wiederwahl im Mai 2012 offengelassen, ob sie die gesamte Amtszeit bleiben wird. Der Rundfunkrat hatte sie damals ohne Gegenkandidaten für weitere sechs Jahre gewählt. Diese zweite Amtszeit beginnt am 1. April.

"Die Arbeit als Vorsitzende ist manchmal sehr mühselig"

Der angekündigte Rückzug wurde im Zusammenhang mit den beiden offenbar kräfteraubenden Jahren als ARD-Vorsitzende 2011 und 2012 gesehen. In einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte Piel Ende 2012 gesagt, dass sie "nicht undankbar" sei, den Vorsitz nun wieder abzugeben. "Die Arbeit als Vorsitzende ist manchmal sehr mühselig. (...) Vergnügungssteuerpflichtig ist das eher selten", sagte sie damals der Zeitung.

Der WDR-Rundfunkrat will bei einer turnusgemäßen Sitzung an diesem Montag darüber beraten, mit welchem Verfahren nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin bestimmt werden kann. Möglich wären etwa eine Ausschreibung oder ein Verfahren, bei dem Vorschläge aus dem Kreis der 48 Ratsmitglieder kommen.

Der medienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sagte der "Rheinischen Post": "Bei der Suche nach einem Nachfolger darf es keinen Parteienpoker geben. Wir brauchen eine erstklassige Persönlichkeit, die den großen und zum Teil schwierigen Apparat WDR in den Griff bekommt."

 
 
Kommentare (0)
  • Kommentar schreiben
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.